Reitschule
Mädchen und Pferde. Das ist eine Geschichte für sich. Viele Jungs versuchen sich darüber lustig zu machen, aber sie haben Null Chance – die Pferde-Verrückten sind immer in der absoluten Überzahl. Für die Mädchen ist der Umgang mit Pferden eine der schönsten Dinge überhaupt. Pferde werden idealisiert wie Popstars, nur dass man ihnen näher kommen kann, sogar ganz nah. Man kann auf ihnen reiten, sie bürsten, streicheln und pflegen. Die Pferde-verrückten Mädchen würden am liebsten jeden Tag mit „ihrem" Tier verbringen, ob es ihnen nun tatsächlich gehört oder ob es nur eins von Vielen ist, das auf einem Reiterhof oder in einem Reitstall steht. Psychologen und Soziologen, die sich mit großem Interesse diesem Phänomen widmen, sehen das Pferd als das größte und letzte Kuscheltier der Mädchen.
Die
Bindung an ein Pferd markiert für sie den Übergang von der Herkunftsfamilie mit der Bindung an die Mutter hin zur Bindung an einen Mann. Klingt gar nicht abgehoben und in diesem Licht erscheint auch der
Hang zu Pferden wie eine natürliche Phase analog der Pubertät. Und da hier nichts gefährlich ist, außer man fällt vom Pferd, lässt man die Mädchen auch meist gewähren und lässt sie die Zimmer voller Pferdeposter hängen, lässt sie Ferienreitkurse besuchen oder bringt sie Woche für Woche zur
Reitschule. Das Pferd ist also quasi ein Übergangsobjekt zwischen Puppe und Partner. Was nämlich auch auffällt, ist, dass diese Schwärmerei innerhalb kürzester Zeit rapide abnehmen kann, sobald die erste echte Liebe auftaucht. Das kann schon mit 15 losgehen oder erst mit 17. Danach hört das übersteigerte Interesse für die Pferde auf, es sei denn, der Freund ist ein ausgewiesener Pferdenarr. Und das soll ja in den besten Familien vorkommen.
Andreas Mettler