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Luft und Licht als Baumaterial?

Autor: Ossian | Erstellt am: 13.08.2009 | Gelesen: 1565
Kategorie: Bau - Planung & Architektur | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Der schweizer Architekt Dirk Hebel (ETH) beweist, daß man mit nur 300 kg Stoff und viel Luft und Licht Großaustellungen bauen kann!

Aufblasbare Pavillone bei Nacht
Aufblasbare Pavillone bei Nacht
Für die Lindauer Stiftung der Nobelpreisträgertreffen entwickelte der in Zürich lebenden Architekt 20 ganz besondere Großräume, die nur aus Stoff, Luft und Licht bestehen und dennoch über Monate im Außenbereich verwendet werden können. Die nur 300 kg schweren Riesen beheimaten die Ausstellung "Entdeckungen", die auf der Insel Mainau in das Thema Wasserwelten einführt.

20 Pavillons aus Stoff, mittels Drucksensoren aus leicht komprimierter Luft erbaut, beheimaten für die Sommermonate 2009 die Ausstellung „Entdeckungen" auf der Insel Mainau im Bodensee. Luft, oder besser Atmosphäre, hat per se keine Form, sondern tritt nur durch unterschiedliche Sättigungsgrade in Verbindung mit Wasser als Wolken oder Bodennebel in Erscheinung. Zwingt man sie jedoch in eine Form, besitzt sie eine statische Qualität. Hülle und Druck gehen dabei eine architektonische Symbiose ein, da jeder Teil den anderen braucht, um fassbar und erlebbar zu werden. Getrennt durch eine millimeterdünne Haut, wird im Inneren der Druckhülle eine künstliche Atmosphäre geschaffen und mit Hilfe von einfachen technischen Hilfsmitteln kontrolliert. Die Architektur konzentriert sich in diesem Sinne auf die Schaffung von Abgrenzungen zwischen einer natürlichen und einer künstlich hergestellten Wettersituation. Hoch- und Niederdruckgebiete bieten die Vorraussetzung für die Schaffung von Raum.

Das Prinzip der Pavillons besteht aus einem „Tisch" von pneumatischen Druckröhren. Dieser „Tisch" ist fest mit dem Boden verankert und bildet den Rahmen, in welchen eine innere und äußere Hülle eingehängt werden. Lediglich diese beiden Hüllen treten ästhetisch in Erscheinung und sind frei wählbar in Materialität, Farbe und Form. Zwischen diesen beiden dünnen Häuten entsteht ein Zwischenraum, welcher für die Klimatisierung der Pavillons genutzt wird. Einstrahlende Wärme erhitzt die Luft in diesem Zwischenraum und lässt sie ähnlich einem Kamin nach oben steigen. Die aufsteigende Luft zieht dabei kältere Schichten in Bodennähe nach, durch Zirkulation entsteht eine natürliche Ventilation im Inneren.

Die aufblasbaren Mega-Würfel haben eine Kantenlänge von 8,6 x 8,6 x 8 m, also das Format eines kleines doppelstöckigen Einfamilienhauses. Das Gewicht der Luftwürfel beträgt nur 300 kg, daher ist eine besondere Verankerung notwendig, um die Pavillone an Ort und Stelle zu halten. Die Leichtgewichte halten Windgeschwindigkeiten bis zu 120 km/h stand und können bis 60 km/h uneingeschränkt betrieben werden.

Die Sonneneinstrahlung wird mit Hilfe von Solarzellen in elektrische Energie verwandelt und zur Speisung der drucksensiblen Ventilatoren gebraucht, die je nach Bedarf Luft in das System drücken oder absaugen. Sonne und Luft bilden somit die Baumaterialien einer ephemeren Ausstellungsarchitektur, welche innert Stunden auf- und abgebaut werden kann und somit flexibel für weitere Aufgaben wird. Das geringe Gewicht und Volumen der abgelassenen Pavillons, verstaut in einer Reisetasche, erlauben einen Ressourcen sparenden Transport und eine vielfältige Wiederverwendbarkeit als Festarchitektur. Sie dient der Inszenierung des öffentlichen Raums, der sich die bauliche Form eines nachhaltigen Nutzungskonzept zu eigen macht.

Gebaut wurden die Luftriesen von der Stockacher Firma Evolution GmbH. Die Spezialfirma aus Stockach entwickelt und produziert seit 1998 aufblasbare Werbeträger, Strukturen und Gebäude für verschiedene Bereiche der Event- und Ausstellungsindustrie. Die Firma verfügt über große Erfahrung in der Konstruktion und der Umsetzung solcher spezieller Bauten und hat u.A. für Red Bull die Dachkonstruktionen der F1 Energy-Station und der Funkbauten realisiert. Mit über 20 Mitarbeitern produziert die Evolution fast ausschließlich in Deutschland. Auch den Aufbau und die Wartung der Ausstellung wickelt die Evolution GmbH ab.

Bauherrschaft:
Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen am Bodensee

Entwurf und Planung:
DRKH Architecture
Dirk Hebel, Tobias Klauser, Leonard Kocan, Sascha Delz

Unterstützung und Beratung:
ETH Zürich
Prof. Dr. Marc Angélil

Produktion:
Evolution GmbH
Herr Ronny Herder
www.evolution-gmbh.de

Ossian Vogel
 
 
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