Loveparade - Michael Berger /pixelio.de
Die Sendereihe „100 Tage" dient der Focusierung von Ereignissen, die ursprünglich große mediale und öffentliche Aufmerksamkeit erlangt hatten, dann aber wieder in Vergessenheit geraten sind. In dieser Hinsicht ist die Tragödie der
Loveparade am 24. Juli geradezu ein Paradebeispiel öffentlicher Erregung, mit bisher äußerst bescheidenen Folgen. Damals waren 21 Menschen getötet und mehr als 500 zum Teil schwer verletzt worden. Bisher ging es ja in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem um die politische Verantwortung des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland, der sich sogar mit einem Abwahlverfahren auseinandersetzen musste.
Experten, Augenzeugen, Betroffene
In der Doku „100 Tage" sollen insgesamt 40 Experten, Augenzeugen und zu Wort kommen. Die damals stattgefundenen Ereignisse und die Aufarbeitung für Verantwortliche, Ermittler, Opfer u betroffene Angehörige soll im Zentrum der RTL II-Dokumentation stehen. Wehrmutstropfen dabei ist allerdings, dass weder der Veranstalter der Loveparade, Rainer Schaller noch der Duisburger CDU-Oberbürgermeister Adolf Sauerland als zuständiges Stadtoberhaupt sich äußern wollten.
Ermittlungen der Strafbehörden laufen
Mehr als drei Monate nach der Tragödie bei der Loveparade sind die strafrechtlichen Ermittlungen in vollem Gange. Derzeit werden insgesamt 220 Anzeigen zu den Vorgängen rund um die Veranstaltung der Loveparade am alten Frachtenbahnhof in Duisburg durch Staatsanwaltschaft und ermittelnde Polizeibehörden bearbeitet. Damit erlangt die Aufarbeitung der Vorgänge rund um die Loveparade eine neue Dimension in der Geschichte der deutschen Strafermittlung. Die aktuell vorliegenden Strafanzeigen sind thematisch breit gestreut und richten sich gegen Veranstalter, Stadt- und Polizeibehörden. Sowohl die mangelnden Vorbereitungen in Punkto Sicherheit im Vorfeld der Veranstaltung wird darin angeführt, als auch die erteilten Veranstaltungsgenehmigung am Veranstaltungsort Alter Frachtenbahnhof und das Versagen des Sicherheitssystems während der Veranstaltung selbst. Neben den vorliegenden Strafanzeigen wird parallel auf der Grundlage von bisher rund 2.000 Hinweise zu einzelnen Vorgängen rund um die Loveparade bei Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelt, die im einzelnen auf ihren strafrechtlichen Gehalt geprüft werden müssen.
Kampagne gegen Sauerland gescheitert
Nach der Tragödie rund um die Loveparade hatte die Duisburger Rathaus-Opposition, bestehend aus SPD, FDP und DIE LINKE im Duisburger Stadtparlament wochenlang eine Abwahl von CDU-Oberbürgermeister
Adolf Sauerland propagiert. Aus der Sicht dieser drei Fraktionen ist der CDU-Oberbürgermeister hauptverantwortlich für die Tragödie bei der Loveparade vom 24. Juli 2010. Um ihr Ziel zu erreichen, hatten die Gegner Adolf Sauerlands alle politischen Register gezogen. Eine Bürgerinitiative, von der Opposition unterstützt, hatte mehr als 10.000 Unterschriften für einen
Rücktritt Sauerlands gesammelt und bei der Duisburger Stadtverwaltung eingereicht. Parallel dazu wurde in der Öffentlichkeit eine breite mediale Kampagne gegen die Person des populären CDU-Oberbürgermeisters Sauerland durchgeführt. Adolf Sauerland widerstand aber den Angriffen der Opposition und gewann die Abstimmung am 13.September. Er konzentrierte sich in seiner Verteidigung vor allem auf die Darstellung eines fehlerfreien Veranstaltungsgenehmigungsverfahrens. So legte er durch die Stadtverwaltung Duisburg ein Gutachten vor, das die Veranstaltungsbehörde von jedem Fehlverhalten freispricht. Auch im Innenausschuss des Nordrhein-Westfälischen Landtags vertrat er als Auskunftsperson diese Haltung.
Autor: Dr. Fritz Simhandl