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Loveleen Tandan: Konzentration und ehrliche Absichten machen den Erfolg aus

Autor: AsianOutlook | Erstellt am: 14.07.2009 | Gelesen: 950
Kategorie: Musik - Kino & Entertainment | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Interview mit Loveleen Tandan, Co-Regisseurin des Films "Slumdog Millionär"

Co-Regisseurin des Films
Co-Regisseurin des Films
Ein Kino in Mainz, der geschäftigen Kulturstadt am Rhein. Das Filminstitut der Universität hat eine „Woche des britischen Films" angekündigt, und da ein Forschungsschwerpunkt des Instituts die indische Filmkultur ist, werden auch zwei britisch-indische Koproduktionen hier gezeigt und diskutiert, „Provoked" und „Slumdog Millionär". An diesem Abend ist der Kinosaal gerammelt voll, sogar an den Wänden entlang hocken die Leute auf dem Boden. Viele hier werden heute „Slumdog" schon zum zweiten Mal sehen und alle sind natürlich gespannt auf den Stargast des Abends: Loveleen Tandan, die Co-Regisseurin des Oscar-prämierten Kinohits des Jahres, die bereits zum Ruhm von „Monsoon Wedding" beigetragen hatte. Die sympathische Regisseurin wurde eingeladen um Fragen des Publikums zu beantworten und führte auch ein Gespräch mit Daniela Happel.

„Slumdog" ist ein Film, der sich selbstständig gemacht zu haben scheint. Ich habe das Gefühl, die Figuren sind aus der Leinwand herausgetreten und jetzt geht die Geschichte weiter...

„Ja, das tut sie wirklich! Und jetzt haben die Slumkinder auch endlich ihre eigenen Wohnungen, die Nachricht habe ich erst vor zwei Tagen bekommen. Der Film hat eine Menge Gutes bewirkt, er hat Vorurteile über das Leben in den Slums ausgeräumt, die Slumbewohner werden nun endlich nicht mehr übersehen. Diese Menschen sind unglaublich inspirierend, sie haben so viel guten Willen, so viel Lebensmut und Kraft. Es ist wichtig, das zu zeigen. Wir haben auch den „Jai Ho Trust" für die Kinder gegründet."

Diese Stiftung hat ihren Namen vom Schlusslied des Films. Sie stellt den Kindern eine jährliche Summe Geld zur Verfügung, die entsprechend der Schullaufbahn ausgezahlt wird. Sie deckt auch die Schulgelder. Das Filmteam stellte sicher, dass die Kinder an Schulen eingeschrieben wurden. Loveleen Tandan liegen die Kinder sehr am Herzen und sie sah sich in einem schwierigen Dilemma, als es vor Drehbeginn um die Besetzung und die Drehorte ging. Sie gibt zu, dass sie sich sehr intensiv mit der Frage beschäftigt hatte, was wohl aus den Kindern würde, nachdem man sie während der Dreharbeiten verwöhnt hatte und anschließend wieder in die Slums zurückschickte. Aber schließlich, sagt sie, „es ist besser, eine Chance zu eröffnen, als keine Chance zu geben." Und so wurde die Sache beschlossen.

Reaktionen von Teilen der indischen Öffentlichkeit und Teilen der Filmbranche scheinen, na, sagen wir, etwas beleidigt zu klingen. Und sogar Monate nach der Veröffentlichung scheint es kein Ende zu nehmen. Shatrugan Sinha äußerte sich vor kurzem: „Dank Leuten wie Danny Boyle glaubt die ganze Welt heute, dass Indien voller Slums ist und die Menschen hier nur Slumdogs sind..."

Loveleen Tandan runzelt ein wenig die Stirn, als sie die Filmfare-Ausgabe mit dem Zitat betrachtet. Dann sagt sie ganz offen: „Das ist ein Schauspieler von Gestern. Glauben Sie bitte nicht, dass dies das ganze Land repräsentiert."

Neid?

„Nein. Sehen Sie, Indien ist als wichtige Nation auf der Weltbühne erschienen, deswegen ist eine bestimmte Generation da sehr besorgt und möchte ihr Selbstbild unbedingt positiv präsentiert wissen. Aber eigentlich ist das kleinkariert. Es gibt Vielfalt in Indien, wie es sie überall gibt, also gibt es natürlich auch Armut und Reichtum. Außerdem sollte man sein Publikum nie unterschätzen."

Lassen Sie uns über die heutige Generation reden, besonders über die Regisseurinnen in Indien. Wenn ich mir die Filme betrachte, die in den letzten zwei, drei Jahren erschienen sind, dann scheinen Frauen die kontroverseren Filme zu machen.

„Was ist kontrovers? Das ist doch etwas, das von Männern definiert wird. Dann sind Filme von Frauen doch sowieso anders. (lacht) Ich würde es eher als frischen und starken neuen Blickwinkel bezeichnen. Egal wie, ein Film sollte nicht als männlich oder weiblich oder feministisch bezeichnet werden, ein Film sollte vom Publikum gemocht werden. Der Filmmacher sollte sich um die Geschichte kümmern und seine Botschaft in der Geschichte verstecken. Sie sollte in die Geschichte eingebettet sein und nicht als Predigt daherkommen." Später, als sie nach den Unterschieden zwischen der Romanvorlage und dem Film gefragt wird, ergänzt sie, dass ein Buch fünfzig verschiedene Botschaften abhandeln könne, ein Film aber könne und solle sich auf eine beschränken - und die dann richtig hinbekommen.

Was ist denn die nächste Geschichte, die Sie erzählen werden? Gibt es ein neues Projekt?

„Ich bin dabei, etwas zu schreiben. Es ist wieder eine Geschichte aus dem neuen Indien, vor dem Hintergrund der Großstadt, es geht um die Ansichten einer jungen Frau."
Sie erzählt, dass sie nun ständig gebeten werde, als Co-Regisseurin zu arbeiten, aber das könne keine berufliche Option sein. Also wird sie ihren nächsten Film allein machen, ohne Co-Regisseur, wie sie augenzwinkernd hinzufügt. Sie entscheide lieber nach Gefühl als sich an einen rationalen Plan zu halten.

Sehen Sie sich denn auch nach Drehorten um, während Sie hie sind?

„Oh, ich werde auf jeden Fall darüber reden, zuhause, meine ich. Ich suche nicht nach Drehorten für meinen eigenen Film, denn ich drehe immer in Indien. Aber ich rede ganz sicher darüber.
Bollywood hat hier Erfolg, glaube ich, und ich bin da sehr optimistisch. Die Deutschen sind als Filmliebhaber bekannt. Unsere Filme sind sehr dynamisch und vielfältig und je mehr wir uns öffnen, umso besser für die Filmindustrie. Unsere Welt wird immer kleiner und dass wir beide uns darüber unterhalten, unterstreicht dies nur."

Loveleen Tandan und der Vizepräsident der Universität Mainz Herr Prof. Förstermann.
Loveleen Tandan mit dem Vizepräsidenten der Univeristät Mainz Herrn Prof. Förstermann.


Wohin wird sich denn der typische Bollywoodfilm entwickeln? Sehen Sie bestimmte Trends?

„Der typische Bollywoodfilm wird mit der Zeit gehen. Der Geschmack ändert sich, neue Generationen kommen und sehen zu. Man erfindet sich ständig neu, sogar im Bollywoodfilm. Film ist eine Kunstform ohne Grenzen, also muss sie offen sein. Das haben wir auch mit „Slumdog" erlebt. Wir hatten unterschiedliche Reaktionen von unterschiedlichen Zuschauergruppen, Indern im Lande, Indern, die im Ausland leben, dem westlichen Publikum. Aber die Reaktionen waren überall positiv."

Später, während der Fragerunde, spricht jemand das „alberne" Tanzen in den Bollywoodfilmen an und fragt, warum das denn in ihrem ernsthaften Film sein musste.

Loveleen Tandan weist ihn lächelnd zurecht. „Ich habe Hindi-Filmsongs schon immer geliebt. Das gehört dazu. Wir zelebrieren Jamals Leben. Bei uns singt und tanzt man überall. Das ist indisch, wir sind so!"
Es stellt sich heraus, dass es noch eine weitere Hommage an Bollywood in „Slumdog" gibt. Als sie gefragt wird, warum Salim eine so negative Figur sei, bekennt Loveleen Tandan, dass der sogar ihre Lieblingsfigur sei.
„Die Bollywoodfilme der siebziger Jahre hatten dieses Motiv des bösen und des guten Bruders - aus diesem Grund werde auch Amitabh Bachchan erwähnt. Dieser Superstar des indischen Kinos spielte oft die Rolle des Schurken, der am Ende stirbt und sich damit von seiner Schuld befreit."
Und der Song aus dem Film „Don"? Lächelnd erzählt sie, dass das gar nicht als Anspielung geplant war, aber „dann passte es einfach."

Wie war denn die Arbeit mit Danny Boyle und in einem solchen gemischten Team?

„Das war einfach großartig. Er ist so einnehmend; er hat eine solche menschliche Größe und ist trotzdem bescheiden. Man lernt unheimlich viel von ihm und umgekehrt ist er immer noch offen und stellt Fragen!"

Was ist den Ihre stärkste Erinnerung, wenn Sie an die Oscar-Nacht denken?

Loveleen Tandan strahlt. „Die Art, wie die Stars dort auf die Kinder eingingen. Ob es Meryl Streep war, oder Angelina Jolie, Kate Winslet oder Ben Kingsley - sie gingen alle auf die Kinder zu und gratulierten ihnen. Die Kinder mussten überhaupt nicht vorgestellt werden. Es war wunderbar!"

War dieser Erfolg nun vom Schicksal bestimmt, wie es der Film am Ende erzählt, fragt jemand nach der Vorführung.
„Nun ja, man weiß ja nicht vorher, ob ein Film Preise gewinnt. Das ist wie bei einer Prüfung, man macht sie und weiß einfach nicht, was dabei herauskommen wird... und in den USA war ein Kinostart ja nicht einmal vorgesehen, es sollte sofort eine DVD auf den Markt kommen.

„Slumdog" hat ein eigenes Leben. Er hat sich selbst erschaffen. Es wäre zu gewagt, jetzt Paolo Coelho zu zitieren und alles aufs Universum zu schieben, aber fast jeden Tag ist so etwas passiert, dass der Zufall oder das Schicksal uns ungeahnte Lösungen präsentiert hat, zum Beispiel haben wir einen Schauspieler für eine Rolle erst zehn Minuten vor Drehbeginn gefunden. So etwas habe ich auch bei „Monsoon Wedding" erlebt.
Solange man ehrliche und gute Absichten hat, solange man diese nicht nur vorgibt und bei der Sache bleibt, wird man Erfolg haben. Solange man keinen Grund finden will, nicht erfolgreich zu sein, wird er sich einstellen!"

Dr. Daniela Happel (AsianOutlook.com)
Mit freundlicher Unterstützung des Instituts für Filmwissenschaften der Universität Mainz.
 
 
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