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LEVICO Heilwasser in der zahnärztlichen Therapie

Autor: negruej | Erstellt am: 03.11.2009 | Gelesen: 1336
Kategorie: Gesundheit - Medizin & Chirurgie | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Tagungsbericht vom europäischen anthroposophischen Zahnärztekongress in Levico vom 8. bis 11. Oktober 2009

Einmal im Jahr treffen sich Zahnärzte, die Interesse an ganzheitlicher Diagnose und Therapie haben, zu einem Fortbildungszyklus über 4 Tage. Dieses Jahr waren erstmals Kollegen/innen aus Frankreich, Niederlande, Deutschland, Italien, Schweiz und Österreich zu diesem Erfahrungsaustausch im Sinne eines ganzheitlichen Menschenbildes in der Zahnmedizin vertreten. Neben dem Kennenlernen ist das Wichtigste die Fortbildung im Sinne eines ganzheitlichen Menschenbildes, so wie es unter anderem in der Anthroposophie durchgeführt wird.

Der diesjährige Ort wurde wegen seiner großen Bedeutung bei der Therapie des erschöpften Patienten gewählt und aufgrund der besonderen Zusammensetzung des Levico-Wassers. Levico liegt in den Dolomiten unweit des Gardasees auf der Höhe von Trient und war zu Zeiten der Kaiserin Sissi noch österreichisches Staatsgebiet. Seit ca. 1300 Jahren ist die einzigartige Quelle mit dem Levico-Wasser bekannt. Seit dem Bekanntwerden der Quelle kamen Menschen in diesen Ort, um mittels Heilbäder ihre Vitalität wieder herzustellen, wie eben auch das damalige Herrscherhaus um Sissi.
Es war also an der Zeit, dass sich auch Zahnärzte mit diesem Levico-Wasser ausführlich beschäftigten.

Die Quelle, welche sich auf fast 1500 Höhenmeter über Levico erschließt, ist heutzutage nur noch wissenschaftlichen Begehungen zugänglich, um sie nicht zu gefährden. Dank der guten Organisation und des wissenschaftlichen Rahmens der gesamten Fortbildung konnten alle Teilnehmer an einer Führung zur Quelle teilnehmen. Allein dies war schon die Reise wert, da manche Kollegen zum Teil über 1200 Km Anreise hinter sich hatten.

Die Besonderheit des Wassers ist seine Zusammensetzung.

Die drei Hauptbestandteile - und das ist auch das Besondere, sind Eisen, Kupfer und Arsen. Der gemeinsame Tenor der Referate war die übereinstimmende Analyse der Substanzen in der Anwendung für die Zahnmedizin, z.B. bei Cranio-Mandibulärer-Dysfunktionen. Alle Untersuchungen zu diesem Thema bestätigten die relaxierende Wirkung der Badekuren auf die Muskulatur bei gleichzeitiger Steigerung der Willenskraft der Patienten im Sinne der Compliance. Durch die Zunahme an stressbedingten Missempfindungen bei sowohl chronischen als auch akuten Beschwerdebildern ist es gerade hier wichtig, neue Wege in der Therapie zu gehen oder hinzu zu ziehen.

Ein weitere wichtige Information ist, dass das glasklar aus der Quelle sprudelnde Wasser beim Austrittspunkt einen PH Wert von 1,2 hat, also sauerer als eine Autobatterie ist. Und dennoch kann dieses Wasser gekostet (mit der leicht benetzten Fingerkuppe) werden, ohne dass es Verätzungen gibt. Bei unserer Führung war die Quellmenge 5 Liter/Minute, wahrlich nicht viel. Doch das erklärte sich aus der Besonderheit des Ursprungs des Wassers, welches die Stoffe im Gebirge löst. Zunächst nahm man an, dass die Quellmenge mit der Niederschlagsmenge des Regens zusammenhängt, was sich jedoch als falsch herausstellte. Vielmehr hängt die Menge mit der Schneeschmelze zusammen. In schneearmen Jahren ist die Quelle deshalb weniger ergiebig.

Auf dem Weg der Quellfassung bis zum Sammelbecken, welches ungefähr 100 Höhenmeter unterhalb liegt, ist dann der PH Wert schon auf 1,8 angestiegen, ohne dass es trotz vieler wissenschaftlicher Untersuchungen dafür eine Erklärung gäbe. An diesem Punkt ist das Wasser immer noch glasklar und nichts deutet darauf hin, dass sich viel gelöstes Eisen darin befindet.

Für die Verwendung als therapeutisches Bad bei 37-38 Grad wird das Levico-Wasser dann mit normalem Trinkwasser vermischt. Und erst bei der Vermischung wird das Eisen sichtbar. Nun schwimmt in der Badewanne ein braunes Wasser, so wie es jeder von eisenhaltigem Wasser erwartet. Erst durch die Vermischung mit weicherem Wasser kommt es zur Ausfällung des Eisens. Dies ist so undurchsichtig, dass man 1 cm unter Wasseroberfläche den eigenen Körper nicht mehr sehen kann. Die maximale Badedauer beträgt dann auch nur 10 Minuten mit einer anschließenden Ruhedauer von 30 Minuten. Selbstverständlich gehörte dieses Erlebnis zur Fortbildung. Wie anders könnten wir Therapeuten verstehen, was es bei dem Patienten bewirkt oder bewirken kann. Die Erlebnisse sind so unterschiedlich, wie sie nicht anders sein könnten und doch hatten alle ein Gemeinsames – die Erholung und Stärkung des gefühlten „Ich fühl mich wieder fit".

Neben den Fachvorträgen, die die genaue Darstellung der chemischen Zusammensetzung des Wassers und der chemischen Reaktionen beinhaltete, gab es auch die damit korrespondierenden Vorträge aus den Bereichen Geologie, Biochemie und Werkstoffkunde. Unter anderem wurde darauf verwiesen, weshalb früher Arsen in der Zahnheilkunde, hier im speziellen bei der Desensibilisierung der Pulpa, eingesetzt wurde. Arsen ist der einzige natürliche Stoff, der aufgrund seiner Fähigkeit einem organischen Präparat die Flüssigkeit langsam entziehen kann und so zum langsamen Absterben (bei Überdosierung) z.B. der Pulpa führte. Auf der anderen Seite war Arsen, in geringer Dosierung, früher ein Dopingmittel, welches die Menschen der Berge benutzen, um schwierige Aufstiege, z.B. an Steilwänden oder andere Kraftanstrengungen zu bewerkstelligen, indem sie an arsenhaltigen Steinen lutschten. Diese Steine waren an den oftmals bläulichen kupferfarbenen Außenflächen zu erkennen.

Zur Demonstration der verschiedenen chemischen Reaktionen gab es deshalb auch eine Vorführung verschiedener Materialien, z.B. des Eisens, welches auf eindruckvolle Weise nochmals die besondere Stellung hervorhob, da es in vier verschiedenen Elektronenzuständen vorkommt und dementsprechend anders reagiert.

Damit jedoch nicht nur der Geist geschult wurde und die Müdigkeit obsiegen konnte, gab es außerdem täglich künstlerische Workshops in den Bereichen Körperarbeit, Malen und Plastizieren, in denen die Teilnehmer auf einer weiteren Ebene Zugang zu dem Gehörten bekamen. Zum Abschluss gab es noch eine Einführung in die geologische Besonderheiten Italiens und eine Erklärung, weshalb die Toskana von so vielen Menschen als Ort der Erholung gewählt wird und Rom ein Zentrum einer christlichen (damit ist nicht katholisch gemeint) Sichtweise geworden ist. Ausführen warum?

Tagungen wie diese öffnen uns Zahnärzten die Möglichkeit, weg von der Zahnklempner-Denkweise zu kommen, hin zu einem Medizinverständnis, dass den ganzen Menschen diagnostiziert und therapiert.

Dr. Jürgen André
 
 
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