Lesen lernen muss nicht weh tun
Regelmäßig lesen üben klingt gut und schön. Doch was, wenn sich das Kind sehr schwer tut, wenn es weint und schreit und tobt? Vergessen Sie die Lese-Hausaufgaben! Nehmen Sie einen einzigen Satz aus dem Text heraus. Einen ganz kurzen, wenn die Lage ganz schlimm ist. Schreiben Sie diesen Satz schön groß und ordentlich auf ein großes Blatt Papier. Lassen Sie Ihr Kind den Satz in Worte zerschneiden. Drehen Sie die Papierfetzen auf den Kopf. Lassen Sie Ihr Kind eins herausfischen – und wenn es das kleinste ist!
Lassen Sie Ihr Kind das Wort rückwärts lesen, mitten im Wort beginnen, es nur halb lesen. Ganz langsam. Gehen Sie so Wort für Wort vor. Zum Schluss lassen Sie Ihr Kind die einzelnen Worte zum ganzen Satz zusammensetzen. Auch diesen Satz kann man von hinten nach vorn lesen, man kann nur jedes zweite Wort lesen. Oder jedes Wort nur halb.
Das kommt Ihnen blödsinnig vor? Das ist es aber ganz und gar nicht. Mindestens beschäftigt sich das Kind mit Buchstaben. Und beim Rückwärtslesen und Halblesen kommt Spaß auf, und Spaß an der Sache erhöht den Lerneffekt. Es muss nicht alles bitter schmecken, was nützlich ist.
Sie müssen halt nur vergessen, dass die Hausaufgabe eigentlich lautete, den ganzen Text zu lesen. Das ist nicht leicht. Trotzdem: Zwingen Sie sich dazu. Sie schaffen das. Ihr Kind dagegen wird durch Zwang ganz bestimmt nicht lesen lernen. Im Ruhrpott gibt es eine Redensart, die lautet: „Watt mutt, datt mutt." Also, lassen Sie Ihrem Kind die Zeit, die es braucht. Vergessen Sie die anderen Mütter mit den Superkindern. Zur Not wiederholt Ihres eben eine Klasse oder geht zur Sonderschule. Das ist immer noch besser als schon in der Grundschule die Freude am Lernen und Lesen zu töten!
Dieser Artikel ist Bestandteil des Gratis-Ebooks "So werden Kinder begeisterte Leser", das auf www.maerchen.becker-richter.de zum DOWNLOAD bereitsteht.