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Lehrer entwickeln Strategien gegen Plagiarismus

Autor: antidns | Erstellt am: 27.01.2008 | Gelesen: 5940
Kategorie: Kunst - Kultur & Religion | Bewertung: rateArateArateBrateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Plagiarismus und das Kopieren von Hausaufgaben haben erschreckende Ausmaße angenommen.

PlagiarismusPlagiarismus ist nicht erst ein Problem der Internet-Ära. Bereits vor dem Buchdruck hatten einige Menschen keine Hemmungen, fremdes geistiges Eigentum als Eigenleistung auszugeben. Der große Aufwand für die Reproduktion fremder Werke und die beschränkte Verfügbarkeit der meisten Schriften hat das Problem jedoch auf einem überschaubaren Level gehalten. Erst beim Buchdruck durch Gutenberg bekam die Problematik nennenswerte Ausmaße. Die beliebige Vervielfältigung hat es zwar ermöglicht, dass Martin Luther mit seiner deutschen Bibelübersetzung die protestantische Reformation vorantreiben konnte und dass Wissen für alle Schichten der Bevölkerung verfügbar und erschwinglich wurde, es hat aber auch den geistigen Diebstahl erleichtert.

Auch die Kunst blieb von den neuen technischen Möglichkeiten der Zeit nicht unbeeinflusst. So sind viele sakrale Kunstwerke noch echte Unikate. Der Kritiker und Philosoph Walter Benjamin analysierte die Folgen der Reproduzierbarkeit auf Kunstwerke und sprach 1936 in seinem Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" davon, dass Kunstwerke ihre „Aura" verloren hätten.

Mit der flächendeckenden Verbreitung des Internets hat sich das Problem nochmals verschärft. Das Anfertigen von Kopien geschieht heute digital, fast ohne Aufwand, sofort verfügbar und nahezu kostenlos. Es wird viel darüber spekuliert, ob sich die Gesetzte für geistiges Eigentum diesem Wandel nicht in irgendeiner Form beugen müssten. Die alten Regeln des Urheberrechts haben sich in der Internetwelt verschoben und es ist die Frage, ob man sein Recht am geistigen Eigentum überhaupt noch effektiv und international durchsetzen könne.

Gerade Schüler machen sich das Internet heute zunutze. Ein paar Klicks und die Musterlösung für die Deutschhausaufgaben ist aus dem Netz kopiert. Nun noch der eigene Name drüber und die gute Note ist für wenig Aufwand gesichert.

Bis vor kurzer Zeit war das Problem vielen Lehrern noch nicht richtig bewusst, aber diverse Debatten über Schulen und selbst an Universitäten hat viele aufgeweckt. Die Lehrer haben ganz unterschiedliche Strategien entwickelt, wie sie das Problem anpacken.

1. Ignorieren des Problems
Angesichts des Aufwands, den ein Lehrer zum Auffinden von Plagiaten hat, gehen einige dazu über das Problem einfach nicht zu beachten. Dass das bloße Kopieren von Hausaufgaben dem Schüler nicht nützlich ist, zeigt sich spätestens in den Klausuren, im Abitur oder im Beruf. Ein signifikanter Leistungsunterschied zwischen Hausaufgaben und Klausuren spricht meist Bände.

2. Aufspüren und Kontrollieren von Kopien
Einige Lehrer lassen sich Hausaufgaben und Referate in digitaler Form vom Schüler zustellen. Dies erleichtert die Suche von Plagiaten im Internet. Es werden einfach kleine charakteristische Bestandteile, an denen ein erheblicher Zweifel an der Eigenleistung des Schülers besteht, aus der Hausaufgabe kopiert und in die Suchmaschine gegeben. Schnell stellt sich dann heraus, dass man es mit einer Kopie oder zumindest einem Teil-Plagiat zu tun hat.

Auch die Software-Branche hat ein neues Tätigkeitsfeld für sich entdeckt. Sie bietet mittlerweile Software an, die diesen Suchvorgang weiter vereinfacht. Der Lehrer muss das Referat nur noch in das Programm eingeben und es wird automatisch nach Übereinstimmungen einzelner Textpassagen im Internet gesucht.

3. Mündliches Abfragen
Schüler, die Kopien von Hausaufgaben abgeben, lassen sich auch schnell durch mündliches Abfragen enttarnen. Zwar sollte der Schüler vor der Klasse das Gesicht wahren können, ein kleiner Schrecken sollte aber erlaubt sein.

4. Abschreckung
Die Abgabe von Plagiaten muss aus Sicht der meisten Lehrer Konsequenzen mit sich führen. Ein Plagiat ist ein Täuschungsversuch und kann nur mit einer 6 bewertet werden. Neben einer schlechten Note sollte der Lehrer jedoch auch das bei Schülern meist kaum vorhandene Rechtsbewusstsein für das geistige Eigentum fördern und Aufklärung betreiben. So muss dem Schüler bewusst gemacht werden, dass das Zitieren und auszugsweise Kopieren aus fremden Texten zwar legitim ist, dass diese Textpassagen aber auch als Quellen benannt werden müssen.

5. Suche nach Plagiaten erschweren
Es gibt noch die Möglichkeit, eine Hausaufgabe so speziell zu formulieren, dass es keine vorgefertigten Lösungen dazu im Internet zu finden gibt. Zwar können die Schüler dann noch einzelne Informationen im Internet finden, die bei der Lösungsfindung behilflich sind, sie werden aber dazu gezwungen die Informationen zu verstehen und selbst zusammenzufassen. Diese Form der Plagiarismusbekämpfung verlangt dem Lehrer natürlich einige Kreativität bei der Hausaufgabenformulierung ab.

6. Plagiate in den Unterricht einbeziehen
Plagiate müssen nicht zwingend schlecht sein. So mancher Lehrer geht mit dem Problem auch offensiv um. Er benennt die Problematik offen gegenüber den Schülern, klärt über die Konsequenzen und erlaubten Grenzen auf und fördert das Kritikverständnis gegenüber den Informationen aus dem Internet. Nur zu oft werden Informationen von den Schülern kritiklos aus dem Internet übernommen und für fehlerfrei gehalten. Hausaufgaben werden aber meist auch nur von anderen Schülern ins Internet gestellt und bei dem Autor handelt es sich nur selten um den Klassenprimus. Die Verlockung nach der schnell und leicht verfügbaren Musterlösung wird aber auch häufig aktiv von Hausaufgabenseiten gefördert, dessen Geschäftsmodell es schließlich ist, von der Faulheit der Schüler letztlich zu profitieren. Eine Qualitätskontrolle findet auf der Seite der Hausaufgabenseiten-Betreiber meist nicht statt.

Der Fundus an mittelmäßigen bis schlechten Hausaufgaben im Internet ist damit groß und so stellen manche Lehrer beispielsweise die Aufgabe fremde Gedicht-Interpretationen zu vergleichen und kritisch zu beurteilen. Seiten wie http://lyrik.antikoerperchen.de distanzieren sich z.B. vom dem Kopieren der Interpretationen und bieten dem Schüler stattdessen einen ganzheitlichen Ansatz für die Anfertigung der eigenen Hausaufgabe. So gibt es nicht nur eine Beispiel-Analyse des Gedichts, sondern auch Hintergrundinformationen zum Autor und der Epoche, sowie Notizen, Anmerkungen, weitere Gedichtdaten und Querverknüpfungen zu ähnlichen Gedichten und weiterführende Links.

Die Lehrer sind mittlerweile im Internetzeitalter angekommen und haben ihre eigene Strategie entwickelt, wie sie mit dem Kombinieren von unterschiedlichen Instrumenten Plagiate verhindern, darüber aufklären oder sie in ihren Unterricht sinnvoll einbauen. Auch die Wirtschaft und Lernseiten gehen auf diese Nachfrage ein. Software zum leichteren Auffinden von Plagiaten geben dem Lehrer ein starkes Werkzeug in die Hand, während Lernseiten den einfachen Hausaufgabenseiten Paroli bieten, indem sie ein Baukasten-Set an Hinweisen für die selbstgemachte Hausaufgabe anbieten, weiterführende Informationen einstellen und die Motivation zur Auseinandersetzung mit der Hausaufgabe fördern.

Dirk Niemeier
 
 
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