Wissen Sie denn immer genau was für Lebensmittel Sie zu Hause im Kühlschrank oder im Regal liegen haben und wie lange diese noch haltbar sind oder entdecken Sie immer wieder abgelaufene oder gar verdorbene Ware, die Sie dann großzügig in den Müll werfen? Die meisten von uns in Deutschland und in anderen Industrieländern sind eher letzteres. Doch die Produktion von Lebensmitteln ist nachhaltig und gut organisiert – oder etwa nicht?
Die Welternährungsorganisation FAO kritisiert das Konsumverhalten der Deutschen. Unsere Nachkriegs-Generation war noch Sparsam und wusste wie kostbar Lebensmittel sind, da sie eine akute Lebensmittelknappheit selbst miterlebt und am eigenen Leibe erfahren haben. Damals gab es auch noch keine Gutscheincodes für Lebensmittel. Heutzutage ist dieses Bewusstsein jedoch in weite Ferne gerückt und wir werfen jährlich bis zu 115 Kilogramm Essen in den Abfall. Die Gründe dafür sind vorwiegend falsche Planung des Einkaufs und übertriebene Lebensmittelästhetik. Die Einen werfen einen abgelaufenen Johgurt weg ohne überhaupt zu prüfen ob er noch gut ist, ein Anderer wirft ein Bündel Bananen weg weil Sie dunkle Stellen aufweisen. Es scheint als bräuchten wir bessere Kenntnisse über Lebensmittel an sich und deren Lagerung. Stattdessen hören wir immer nur was alles Krebserregend sein kann und wie schnell Gemüse und Salat seine Vitamine verliert.
Während wir in der Regel fast schon wie besessen von der Frische unserer Lebensmittel sind, gibt es andere in unserer Gesellschaft die diesem Verhalten trotzen. Menschen die im Hausmüll nach Lebensmitteln suchen die noch gut sind. Natürlich denkt man dabei sofort an Obdachlose, doch nicht nur die nehmen diese Art und Weise der Lebensmittelbeschaffung wahr, die günstiger ist als jeder Gutscheincode.
Schon seit den 90er Jahren gibt es eine szene von Umweltaktivisten die sich von den Sachen ernähren, die andere wegwerfen. Das sogenannte „Containern" entstand in den USA und breitete sich von dort nach Europa aus und findet Heute auch in Deutschland einige Anhänger. Es sind vorwiegend Leute aus der Mittelschicht und eine Protestbewegung gegen das Verschwenden von Lebensmitteln und Resourcen die an anderen Orten dieser Welt fehlen. Wenn es nur ums Geld ginge würde vielleicht auch schon ein Gutscheincode reichen, doch es geht ums Prinzip. Während die Menschen in Afrika verhungern werden hier einwandfreie Lebensmittel weg geworfen weil sie durch schönheitsfehler von der Norm abweichen und nicht mehr zu verkaufen sind. Fast ein drittel der Produzierten Lebensmittel landen anstatt auf dem Teller im Mülleimer, wobei rechnerisch genug vorhanden wäre um alle Menschen der Welt satt zu kriegen. Vor allem an Fabriken und Produktionsstätten lassen sich oft regelrechte Berge von Lebensmitteln finden die nicht für den Konsum gedacht sind und aussortiert wurden weil sie mit keinem
Gutscheincode mehr angeboten werden können. Doch an diesen Orten ist das Containern meist verboten. Wer sich unbefugt Zugang zum Firmengelände verschafft begeht Hausfriedensbruch und wer Aussortierte Lebensmittel mitnimmt begeht Diebstahl. Dennoch gibt es einige, die „aus dem Müll stehlen" und sich dadurch strafbar machen.
Ein eigenartiges Phänomen, das wirtschaftliche Hintergründe hat. Laut Spiegel.de prangert auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner von der CSU die Sorglosigkeit im Umgang mit guten Lebensmitteln an. Möglicher Weise kann die Politik einen Schritt gegen die Lebensmittelverschwendung machen denn von der Industrie ist eine Initiative in diese Richtung anscheinend nicht zu erwarten. Eine Möglichkeit die ins Auge gefasst wurde ist eine Veränderung der Verpackungbeschaffenheit, wodurch kleinere Mengen abgepackt werden sollen und Anzeigen für den Frischegrad des Inhalts integriert werden sollen. Doch die Kosten dafür wird der Verbraucher zahlen müssen.