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Lebens-Lügen dank individueller Abwehrmechanismen. (77)

Autor: WolfgangSchwalm | Erstellt am: 20.10.2011 | Gelesen: 647
Kategorie: Wissenschaft - Forschung & Technik | Bewertung: rateArateArateBrateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Selbst-Täuschung als Überlebens-Strategie für Individuen und Gruppen.

Mitsu tomoe: Himmel, Sonne, Erde, Mensch
Mitsu tomoe: Himmel, Sonne, Erde, Mensch

Sie alle kennen die Situation. Am Familientisch sitzt anlässlich Weihnachten oder eines Geburtstages die ganze Familie. Die älteren Familienmitglieder loben die guten alten Zeiten. Die Älteren erinnern sich zwar nicht mehr genau was sie letzte Woche lasen. Aber an Ereignisse von vor 40 Jahren erinnern sie sich angeblich genau. So funktioniert jedes Gehirn nun mal. Man lobt. Man kritisiert. Und plötzlich sagt ein Enkel: "War der Onkel Hans nicht Nazi und in der Waffen-SS?" ...

… Jetzt erregen sich die älteren Familienmitglieder. " ... !" Was ist passiert? Etwas, was alle 1938 und auch noch 1945 wussten, wurde verdrängt (´Persilschein für die Amis für Onkel Hans´). Es lebte sich prächtig mit der Neuinterpretation des familiären ´1000-jährigen Reiches´. "Und heute kommt dieser junge ... , der noch nichts geleistet hat, und verbreitet Lügen über unsere ehrenwerte Familie!" "Nie nicht war jemand aus unserer Familie jemals bei ...!" "Klar war der ...!"

Nun fallen auch alle weiteren Lebens-Lügen der Reihe nach zusammen. Wer kennt das nicht?

Eine Darstellung der Tricks und Strategien, mit denen sich das ICH vor schmerzhaften Wahrheiten schützt: Die unerträgliche Realität wird ausgesperrt, dafür Realitätsverlust in Kauf genommen, und das endet oft in der Lebenslüge [Selbst-Betrug].

Quelle, (C) by Daniel Goleman: Lebenslügen, ISBN 3-453-13025-1

Theater und Film beschäftigten sich oft mit diesem Thema. Hier 3 unterschiedliche Themen-Bearbeitungen als Beispiele:

1. „Nehmen Sie einem Durchschnittsmenschen die Lebenslügen, und Sie nehmen ihm zu gleicher Zeit das Glück." (Henrik Ibsen (1828-1906) "Die Wildente")

2. Tod eines Handlungsreisenden ist das bekannteste Drama Arthur Millers aus dem Jahre 1949:

Das Drama beschreibt exemplarisch einen in jungen Jahren erfolgreichen und im Alter erfolglosen Verkäufer Willy Lohman (Fluch des Vertriebs), der den ausbleibenden Erfolg bis hin zum Verlust seines Arbeitsplatzes durch den neuen jungen Chef durch eine einzige Lebenslüge nach dem Motto mehr Schein als Sein zu kaschieren sucht.

3. Jenseits von Eden mit James Byron Dean (1931-1955)

"..., dass der Vater den Sohn nicht mochte." Genau dieses Leitmotiv durchzog auch Elia Kazans geplantes Drama Jenseits von Eden. ... Als der Vater bei einer Spekulation fast sein gesamtes Vermögen verliert, hofft Cal vergeblich, seine Liebe und Anerkennung mit einem großzügigen Geldgeschenk zu gewinnen, doch er wird wie schon oft in seinem Leben vom Vater zurückgestoßen. Aus Rache eröffnet Cal seinem Bruder Aron die Wahrheit über die totgeglaubte Mutter, die ein gutgehendes Bordell in der Stadt betreibt [Lebenslüge: Unsere Mutter ist tot.]. Aron bricht zusammen, betrinkt sich und meldet sich freiwillig für den Kriegsdienst. Die Nachricht über Arons Schicksal ist für den Vater zu viel, und er bricht mit einem Schlaganfall zusammen.

Im Rahmen ihrer psycho-somatischen (Körper-Seele (Psyche, EQ)-Geist (IQ)) Gesundheit verfügen alle Menschen über Möglichkeiten, diese Gesundheit zu beeinflussen (Selbst-Heilung vs. Selbst-Zerstörung).

Jeder Körper beeinflusst un-bewußt, mittels eines ganzheitlichen psycho-somatischen Fließgleichgewichts und positiv-negativem Feedbacks (Natur = 1 Umwandlungskreislauf), seine natürliche Selbst-Erhaltung (ES). Dies insbesonders auch gegenüber die Gruppen-Werte (Moralen, Über-ICH) und -Normen (Gesetze, Über-ICH) in allen Gesellschaften. Daraus bildet sich die inpiduelle Persönlichkeit: Das ICH: ES - Über-ICH = ICH

Unser ICH besteht aus:

  • Geist (emotio, ES, Transzendenz + ratio) + Materie (In-Form-ation)
  • Prozess + Struktur
  • Welle- + Teil-Prinzip

Die Persönlichkeits-Ausprägung führt zu unterschiedlichen emotionalen und körperlichen Zuständen (Körper-Seele-Geist). Das emotionale Lust-Frust-Prinzip korrespondiert mit dem ...

... Abwehrmechanismus... ein Begriff aus der Psychoanalyse. Mit ihm werden psychische Vorgänge bezeichnet, die den Zweck haben, miteinander in Konflikt stehende psychische Tendenzen (Triebe, Wünsche, Motive, Werte) mental so zu bewältigen bzw. zu kompensieren, dass die resultierende seelische Verfassung konfliktfreier ist.

In der Theoriesprache der freudschen [Tiefen-]Psychoanalyse bezeichnet der Begriff weitgehend unbewusst ablaufende Reaktionen, die das Ich zur Abwehr unerwünschter Triebimpulse des ES oder unangenehmer Affekte entwickelt. Die Abwehr gehört im psychoanalytischen Modell zu den ICH-Funktionen. Abwehrmechanismen werden in reifere (z. B. Verdrängung) und unreifere (z. B. Spaltung) unterteilt und sind die Voraussetzung zur Bewältigung unbewusster psychischer Konflikte und damit Grundlage der Fähigkeit zur Selbststeuerung. Sie werden der bewussten Problembewältigung bzw. Konfliktverarbeitung gegenübergestellt, die als Bewältigungsstrategie bezeichnet wird.

  • Verdrängung: Hat die Aufgabe hat, das ICH (Bewusstsein) vor einem bedrohlichen Einfluss zu schützen. Wie die Dissoziation radiert auch die Verdrängung keine Erinnerungen aus, sie erschwert nur die bewusste Erinnerung an ein Erlebnis [Lebens-Lüge]. Unerwünschte Es-Impulse, die ein Gefühl von Schuld, Scham oder das Herabsetzen des Selbstwertgefühls hervorrufen, werden durch ICH und Über-ICH in das Unbewusste verdrängt. Von dort aus können sie allerdings in Träumen oder als unbewusste Ersatzhandlungen wieder zutage treten. [Sie manifestieren sich z. B. in Krankheiten, der Reduktion der potentiellen Möglichkeiten (Talente, Ressourcen), der realen Möglichkeiten (Potentiale) und der erbrachten Lebens-Leistungen (Performance)].
  • Reaktionsbildung: Angstbeladene Gefühle oder Motive werden durch entgegengesetzte Gefühle/Motive niedergehalten.
  • Regression: Unbewusster Rückzug auf eine frühere Entwicklungsstufe der ICH-Funktion (Trotzverhalten, Fresslust, Suche nach Versorgung). [Erwachsene geben die Eigenverantwortung an idealisierte Objekte ab: Politiker, Sportler, Sekten-Führer, usw.]
  • Verleugnung: ... Beispielsweise werden Veränderungen in der Umgebung zwar wahrgenommen, aber ihre reale Bedeutung wird emotional nicht erlebt und rational nicht anerkannt.
  • Vermeidung: Triebregungen werden umgangen, indem Schlüsselreize vermieden werden.
  • Verschiebung: Phantasien und Impulse werden von einem Objekt, auf ein anderes verschoben, so dass das ursprüngliche unberührt bleibt (z. B. Aggression gegen eine tadelnde Autoritätsperson wird in Form von Beschimpfungen oder Tritten als Aggressionsverschiebung an einem Hund ausgelassen [Tierquälerei, Rosenkrieg, Mobbing]).
  • Spaltung: Inkompatible Inhalte werden auf mehrere Objekte verteilt. Sowohl die Objekte als auch das Selbst werden in „gut" und „böse" oder „schlecht" aufgeteilt. „Gute" Anteile werden idealisiert, „böse" oder „schlechte" werden entwertet, verdammt oder dämonisiert.
  • Verneinung: Ein Gefühl oder eine Einstellung und deren Vorhandensein wird verneint („Ich empfinde überhaupt nichts für XXX").
  • Ungeschehenmachen: Einsatz faktisch unwirksamer Handlungen und Rituale (z. B. auf Holz klopfen, [Maskottchen] ), denen eine symbolische Kraft zugeschrieben wird, mit dem Ziel, Strafe bei Verbots- und Gebotsübertretungen abzuwenden.
  • Projektion: Übertragung der Missbilligung eigener Unzulänglichkeiten und unmoralischer Wünsche auf andere.
  • Projektive Identifizierung: Das Gegenüber wird (unbewusst) so beeinflusst, dass es bestimmte Erwartungen erfüllt. Negative Selbstanteile (in der Regel Aggressionen) werden erst abgespalten, dann auf das Gegenüber projiziert. Es handelt sich um einen für sogenannte Borderline-Störungen typischen Abwehrmechanismus, der die Schwierigkeiten, sich der Psychodynamik der Betroffenen gegenüber abzugrenzen, besser verständlich macht.
  • Introjektion: Einverleibung äußerer Werte in die ICH-Struktur, sodass das Inpiduum Bedrohungen nicht mehr als Drohungen von außen erleben muss.
  • Identifikation: Stärkung des Selbst-Wert-Gefühls durch Identifikation mit einer Person oder Institution von höherem Rang. [Stockholm-Syndrom].
  • Intellektualisierung: Entfernung vom unmittelbaren konfliktuösen Erleben durch Abstraktionsbildung und theoretisches Analysieren, Philosophieren über Dinge, die eine verborgene emotionale Bedeutung für die Person haben.
  • Rationalisierung: Rational-logische Handlungsmotive werden als alleinige Beweggründe für Handlungen angegeben oder vorgeschoben. Gefühlshafte Anteile an Entscheidungen werden ignoriert oder unterbewertet.
  • Sublimierung: Nicht erfüllte Triebwünsche werden durch gesellschaftlich höher bewertete Ersatzhandlungen ersetzt und damit befriedigt (Kunst, Wissenschaft, Musik, Sport, exzessive Arbeit, [Religion, Sport, Politik, Kehrwoche]). Nach Freud ist die Sublimierung ein wichtiger Motor für die Kulturentwicklung.
  • Somatisierung: Nicht-Wahrnehmen eines Konflikts in seiner eigentlichen Gestalt, sondern in Form körperlicher Beschwerden. Diese haben jedoch keinen Symbolgehalt.
  • Konversion: Umlagern eines psychischen Konflikts auf somatische Symptome, die eine symbolische Beziehung zum Konflikt haben.
  • Affektualisierung: Ein Ereignis oder Verhalten wird dramatisiert.
  • Entwertung/Idealisierung: Objekte werden unbewusst entwertet oder überhöht.
  • Affekt-Isolierung: Rückzug in die emotionale Passivität um traumatische Erlebnisse zu vermeiden.
  • Autoaggression: Aggressive Impulse werden gegen die eigene Person gerichtet und treffen so nicht die Person, der sie ursprünglich galten, um die Beziehung zu dieser Person nicht zu gefährden. Das interpersonelle Feld wird so von Störungen freigehalten, ein interpersoneller Konflikt wird zulasten eines intrapsychischen Konflikts vermieden.
  • Isolierung: Abtrennung emotionaler Regungen von angstbeladenen Situationen oder Trennung unverträglicher Strebungen durch straffe Zergliederung. Isolierung tritt häufig bei Zwangsneurosen auf.

Quelle, (C) by Daniel Goleman: Lebenslügen, ISBN 3-453-13025-1

Die Abwehr-Mechanismen funktionieren auch spontan:

  • Eine Schwangere Tochter kommt mit afrikanischem Freund schwanger nach Hause.
  • Der homosexuelle Sohn outet sich.

Diese Abwehr-Mechanismen, die alle eine Abweichung von der theoretischen ´Normalität´ beschreiben, entscheiden über unser erfolgreiches Erwachsen werden. Wenn wir 100 % natürliche Energie für die ´gesunde´ Persönlichkeits-Entwicklung zugrunde legen, dann hat (geschätzt) ein

  • Bill Gates vielleicht 50 % für sich genutzt (Selbstbestimmt). Die anderen 50 % (Reibungs-Energie-Verlust) benötigte er zur gesellschaftlichen Anpassung (Fremdbestimmt).
  • Bei der Kanzlerin A. Merkel beträgt die Energie-Verteilung vielleicht 45 : 55 (Bremse DDR-Staat).
  • Ein zwangsneurotischer Workaholic hat vielleicht noch eine 30 : 70 Energie-Verteilung.

In Heimen, Anstalten und anderen Versorgungs- und Betreuungs-Systemen finden wir Menschen die einen großen Energie-Anteil allein zum gesunden Überleben benötigen.

Unter ca. 20 % Lebens-Energie übernimmt allmählich unser Selbsterhaltungs- und Immun-System die Aufrechterhaltung unseres Da-Seins. Hier werden wir dann möglicherweise krank.

Dank der Abwehr-Mechanismen konstruieren wir ständig unsere positive Welt (Höhlenbeispiel) und funktioniert unsere Wahr-Nehmung bzw. Kognition mittels eines Filters (Lebenslügen).

Sicher kennen sie das ´Johari-Fenster´.

Das Johari-Fenster ist ein Fenster bewusster und unbewusster Persönlichkeits- und Verhaltensmerkmale zwischen einem Selbst und anderen oder einer Gruppe. Entwickelt wurde es 1955 von den amerikanischen Sozialpsychologen Joseph Luft und Harry Ingham. ... Mit Hilfe des Johari-Fensters wird vor allem der so genannte „blinde Fleck" im Selbstbild eines Menschen illustriert.

  • anderen bekannt und mir bekannt
  • anderen und mir un-bekannt
  • mir un-bekannt aber anderen bekannt
  • mir bekannt aber anderen un-bekannt

Es spielt in der gruppendynamischen Arbeit seit den 1960/70er Jahren eine bedeutsame Rolle zur Demonstration der Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung und gehört zum Standardrepertoire gruppendynamischer Modelle und Verfahren. Systematisch gehört es zur differentiellen und Persönlichkeitspsychologie, zu den Abwehrmechanismen, zur Sozialpsychologie und zur Gruppendynamik.

Quelle, ©: de.wikipedia.org/wiki/... , [Autor-Anmerkungen und -Korrekturen]

Aufgrund der Abwehr-Mechanismen kommunizieren Menschen:

  • auf der Eltern-ICH-Ebene oder
  • komplementär auf der Kind-ICH-Ebene.
  • Nur eigenverantwortliche Menschen kommunizieren auf der Erwachsenen-ICH-Ebene.

Der Umgang mit der eigenen Vergangenheit ist nicht immer leicht: unverarbeitete Kindheits-Ängste, schmerzhafte Erlebnisse oder andere schwerwiegende Erinnerungen werden aus unserem Denken ausgesperrt - in der Hoffnung, zu vergessen. Die Folge ist ein Leben in einem Netz aus Selbst-Täuschung, das immer dichter und bedrohlicher wird.

Quelle, (C) by Daniel Goleman: Lebenslügen, ISBN 3-453-13025-1

Wie heißt es oben: ... weitgehend unbewusst ablaufende Reaktionen, die das ICH zur Abwehr unerwünschter Triebimpulse des ES oder unangenehmer Affekte entwickelt.

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