Manche Menschen kennen die Angst, bei einem Vortrag oder einer Präsentation zu versagen, schon lange. Bei anderen tritt diese Befürchtung plötzlich auf, und dem Betroffenen sind die Ursachen einfach unerklärlich. Trotz tagelanger Vorbereitung, Übungen vor dem Spiegel oder vor vertrauten Personen und umfangreicher Selbstberuhigung steht der Tag des Ereignisses (Rede, Präsentation, Prüfung) wie eine unüberwindbare Hürde im Raum.
Wenn man auf das Ereignis unzureichend vorbereitet ist, verunsichert allein die Tatsache, dass man sich nicht kompetent genug fühlt, um allen Eventualitäten, Fragen und Einwänden souveräne Antworten entgegen zu setzen. Sind aber alle Störfaktoren im Vorfeld ausgeräumt worden und dennoch überfällt Sie die Unsicherheit im entscheidenden Moment, kann es zum plötzlichen Blackout kommen. Im Prüfungskontext kann keine Frage mehr beantwortet werden, das Gelernte ist wie weggezaubert. Am Rednerpult versagt die Stimme, kalter Schweiß überzieht den Körper, und die Hände fangen an zu zittern. Ein Husten, ein Lachen oder ein Gähnen aus dem Publikum bringt den Redner vollkommen aus dem Konzept. Die Präsentation einer neuen Strategie, einer Produktvermarktung oder eines Konzeptes wird zum völligen Desaster, weil die mangelnde Souveränität des Erzählers automatisch mit der Mangelhaftigkeit des Gesagten gleichgesetzt wird.
Vorbereitung ist absolut notwendig, um Sicherheit zu entwickeln. Dennoch weisen Lampenfieber und Präsentationsangst darauf hin, dass unser emotionales Gedächtnis aufgrund eines bereits erlebten, negativen Ereignisses in Alarmbereitschaft versetzt wird. Zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit hat das Gehirn eine negative Emotion abgespeichert, die immer wieder zu Stress führt, sobald wir uns in einer ähnlichen Situation befinden. Alle Informationen, die unser Gehirn im Laufe des Tages aufnimmt, werden im ältesten Teil des Gehirns - im sogenannten limbischen System - mit bereits Erlebtem verglichen und auf eine Fragestellung hin überprüft: Fühlt sich so ähnlich an wie eine positive Erinnerung oder fühlt sich so ähnlich an wie eine negative Erinnerung? Fällt die Entscheidung positiv aus, steht dem Transport der Information in die entsprechenden Schubladen unseres Gehirns nichts mehr im Wege. Die Information wird zu unserem Erfahrungsschatz hinzugefügt. Wird die Information als vergleichbar negativ mit einer bereits erlebten Erfahrung markiert, blockt unser Gehirn den Abtransport. Die Information bleibt stecken. Das Gehirn reagiert mit Stress.
Die Verarbeitung aller Informationen und Ereignisse des Tages erfolgt in der sogenannten REM Phase (Rapid Eye Movement) im Schlaf, wenn unsere Augen schnelle Rechts-Links-Bewegungen ausführen und somit die Zusammenarbeit unserer Gehirnhälften stimuliert wird. Wer kennt das nicht: Sind wir emotional aufgewühlt, erhalten wir häufig den Rat: Schlaf mal einen Nacht darüber! Und in der Tat: Am anderen Morgen erscheint das Erlebte weniger bedrohlich. Unser Gehirn hatte Zeit, die Information zu bearbeiten und unsere Gefühlswelt zu beruhigen.
Im Coaching wurde sich deshalb in den 1990ziger Jahre eine Methode aus der Traumaforschung zunutze gemacht, die auf diesen Erkenntnissen der Hirnforschung aufbaut. Die schnellen Augenbewegungen werden im Wachzustand mit Hilfe einer Winktechnik extern initiiert. Zuvor wurde anhand eines Muskeltests der genaue Zeitpunkt und die Art des Stress bestimmt. Punktgenau kann der Coach mit dieser Methode die Auslöser für Lampenfieber und Präsentationsängste beheben und dem Klienten den Umgang mit solchen Situationen erheblich erleichtern. Diese Methode nennt sich Wingwave in Anlehnung an die Metapher, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings am anderen Ende der Welt große Veränderungen hervorrufen kann. Bekannt geworden ist diese Methode durch das Besser Siegmund Institut in Hamburg, um das sich mit der Zeit eine große Community von Wingwave Coaches in ganz Deutschland versammelt hat (www.besser-siegmund.de und www.wingwave.com).
Dr. Stefanie Mann
Karriere- und Bildungsberatung - Coaching