Die kurze Kunstgeschichte und Kostümgeschichte der Kelten zeigt folgende Bereiche auf: Herkunft der Kelten, Geografische Ausbreitung, Geschichtsschreibung, Wirtschaft, Religion, Architektur (Grabbauten), Keltische Kunst, Schmuck, Textilien, Kleidung der Frauen, Krieger und Männer, Frisur, Kopfbedeckung, Fußbekleidung und Kosmetik.
1. Herkunft der Kelten
Die Herkunft (1200 v. Chr. - 5. Jh. n. Chr.) der Kelten lässt sich nur sehr schwer rekonstruieren, zumal es die Kelten, also das keltische Volk, nie gegeben hat. Die Kelten waren nie zentral organisiert, bildeten nie einen einheitlichen Staat mit gemeinsamem Staatsoberhaupt, sondern es handelte sich um einzelne Stämme, die unabhängig von einander existierten und sich einzig durch kulturelle Gemeinsamkeiten und/oder Ähnlichkeiten in Bezug auf die Sprache auszeichneten.
Als gesichert gilt, dass die Kelten Nachfahren mitteleuropäischer Stämme der Bronzezeit waren und sich insbesondere aus der spätbronzezeitlichen „Urnenfeldkultur" entwickelten. Zu dieser zählten verschiedene Stämme Mitteleuropas, die bei der Bestattung ihrer Toten nicht der ägäischen Begräbniskultur der Erdbestattung folgten, sondern ihre Toten verbrannten und in Urnen beisetzten.[1]
2. Geografische Ausbreitung
Die Kelten waren insgesamt große Eroberer. Von ihrem mitteleuropäischen Stammland ausgehend, breiteten die keltischen Stämme sich schnell in ganz Europa aus (von Irland, Schottland, Südostengland, Nordspanien und Frankreich im Westen bis nach Westungarn, Slowenien und Nordkroatien im Osten; von Oberitalien im Süden bis zum nördlichen Rand der deutschen Mittelgebirge). Funde belegen, dass die keltischen Stämme auch bis nach Anatolien (heutige Türkei) vorgedrungen sein müssen.
Zu den bedeutendsten Zentren der keltischen Kultur gehörten die Hallstatt-Kultur (ab ca. 800 v. Chr.), die im Donaugebiet angesiedelt war, sowie die französisch-schweizerische La-Tène-Kultur (ab ca. 500 v. Chr.). In der Mitte des 19. Jhs. wurden an diesen beiden Orten bedeutende Funde gemacht.[2]
3. Die Kelten im Spiegel der antiken Geschichtsschreibung
Die Bezeichnung „Kelten" geht auf den antiken griechischen Historiografen Herodot (ca. 484 v. Chr. – ca. 430 v. Chr.) zurück, der die Angehörigen der keltischen Stämme „keltoi" taufte, was übersetzt „die Tapferen" oder „die Kühnen" bedeutet. Doch auch wenn dieser Titel zunächst erst einmal positiv klingt, zeichneten die antiken Geschichtsschreiber ein sehr negatives Bild der kriegerischen Kelten. Den Griechen wie auch den Römern galten die Kelten aufgrund ihrer Angriffe auf Delphi und Rom als erklärte Feinde der zivilisierten Welt, als grausame und blutrünstige Barbaren. Die antiken Geschichtsschreiber [z. B. Herodots, Gaius Julius Caesars (100 v. Chr. - 44 v. Chr.) oder Diodorus Siculus (1. Jh. v. Chr.)] reduzieren ihre Darstellung der Kelten oft auf ihr „wildes" Aussehen und die Grausamkeit ihrer Opferrituale.
Obwohl eindeutig von Vorurteilen geprägt, sind die Aussagen der antiken römischen und griechischen Geschichtsschreiber von zentraler Bedeutung für die moderne Wissenschaft, da die Kelten selbst kein einziges Schriftstück hinterlassen haben.[3]
4. Wirtschaft
Die keltischen Stämme betrieben Landwirtschaft und Viehzucht schon früh sehr erfolgreich. Daneben war vor allem die Metallindustrie für den wirtschaftlichen Erfolg der Kelten verantwortlich: Besonders ihre hervorragenden Kenntnisse in Bezug auf die Gewinnung und Verarbeitung von Metallen, besonders von Eisenerz, brachten ihnen, v.a. in der Eisenzeit, große wirtschaftliche Vorteile. Neben dem so wichtigen Eisen förderten die Kelten auch noch Kupfer und Zinn sowie Gold und Silber.
Ein weiterer wichtiger Rohstoff, den die Kelten unter Tage gewannen, war Salz. Die Stollen von Hallstatt, was so viel wie "Salzstadt" heißt, wurden zum Teil mehr als 200 Meter tief in die Erde getrieben.
Der Rohstoffreichtum und die gut funktionierende Landwirtschaft bildeten das Fundament für den Aufbau eines weit verzweigten Netzes von Handelsbeziehungen. So exportierten die Kelten z.B. Zinn und Salz in den gesamten Mittelmeerraum.[4]
5. Religion
Insgesamt gibt es über die Stellung und den Charakter der keltischen Götter nur sehr wenige gesicherte Erkenntnisse. Aus den verschiedenen bildlichen Darstellungen und den Berichten antiker Autoren über keltische Rituale lässt sich dennoch ablesen, dass die Kelten viele Mythen besessen haben müssen: Göttersagen, mythische Erzählungen über Begegnungen von Göttern und Menschen etc. Leider lassen sich die einzelnen Fäden aus heutiger Sicht nicht mehr zusammenführen: Die antiken Quellen sind unzuverlässig, originale (keltische) Überlieferungen fehlen ganz und die bildlichen Darstellungen bleiben kryptisch.[5]
Einzig über die Rolle der keltischen Priester, der Druiden, lassen sich auf der Grundlage antiker griechischer und römischer Texte zuverlässige Aussagen treffen. Wie Julius Caesar in „De bello gallico" [Bericht des Feldherrn Julius Cäsar über den Gallischen Krieg (58 bis 51/50 v. Chr.)] berichtet, hatten die Druiden neben den adligen Kriegern die höchste gesellschaftliche Position inne. Sie waren nicht nur für die Durchführung religiöser Riten zuständig, sondern agierten auch als Heiler, Richter und Lehrer, die ihr Wissen aber nur mündlich an ihre Schüler weitergaben. Caesar berichtet weiterhin von einigen Privilegien, die nur den Druiden zukamen: So waren die Druiden laut seiner Darstellung von der Steuerpflicht befreit und mussten auch nicht im Krieg kämpfen.[6]
6. Kurzer historischer Abriss
Hallstatt A und B: 1200-800 v. Chr.: Bronzezeit: Die keltische Kultur wird geboren; ab ca. 1000 v. Chr. beginnen keltische Stämme (v.a. im österreichischen Hallstatt) mit dem Abbau von Salz, das sie zum Konservieren ihrer Nahrungsmittel benutzen; dies ermöglicht sowohl den Handel mit anderen Länder als auch Wanderungen in entfernte Gebiete.[7]
Hallstatt C und D: 800-475 v. Chr.: Eisenzeit: Eisen wird zum wichtigsten Metall und die Kelten erweisen sich als sehr geschickt in seiner Verarbeitung; keltische Stämme lassen sich in Süddeutschland, Frankreich, der Schweiz sowie einigen Teilen der Iberischen Halbinsel nieder. Vor allem die französischen Kelten (Gallier) unterhalten rege Handelsbeziehungen zu den Griechen, die dadurch einen großen Einfluss auf die keltische Kultur ausüben.
La Tène-Kultur: 500-15 v. Chr.: Eisenzeit und Frühantike: Funde im Schweizer Ausgrabungsort La Tène (Neuenburger See) zeugen von großem Fortschritt im Vergleich zur Hallstatt-Kultur; der griechische Einfluss hat sich zurückgebildet zugunsten einer eigenständigen keltischen Kultur; der Handel wird ausgebaut, u.a. auf die etruskischen Siedlungen in der Poebene.
400 v. Chr.: Nördlich der Alpen setzen keltische Massenwanderungen ein; die mitteleuropäischen keltischen Stämme dringen immer weiter Richtung Süden vor; es folgt die Eroberung Italiens, u.a. der etruskischen Stadt Clusium (Toscana) und schließlich der gesamten Poebene; nahezu zeitgleich erobern keltische Stämme auch das Donaubecken im Osten, während andere Keltenstämme sich weiter nach Süden ausbreiten und Makedonien und Griechenland angreifen.
281 v. Chr.: Der keltische Stamm der Galater besiegt erstmals das makedonische Heer; aufgrund von Streitigkeiten teilt sich der Stamm der Galater: Ein Teil zieht weiter Richtung Süden und lässt sich auf dem Gebiet der heutigen Türkei nieder, während der andere Teil versucht, Delphi zu erobern, wobei er vernichtend geschlagen wird.
278/277 v. Chr.: Die Makedonier schlagen die keltischen Verbände und setzen somit der Bedrohung Griechenlands durch die Kelten ein Ende; gleichzeitig gelingt es den nach Kleinasien ausgewanderten Galatern, ihre Position dort zu festigen; sie führen zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen und verdingen sich auch als Söldner für fremde Mächte, wie z.B. Rom; ihre Kriegsdienste für Rom sind dafür verantwortlich, dass sie bis ins 1. Jh. v. Chr. hinein eine wichtige Rolle in Kleinasien spielen.
390 v. Chr.: Europäische Keltenverbände erobern und plündern Rom; einzig die Zahlung eines hohen Lösegeldes kann sie zum Abzug bewegen; es folgen weitere kriegerische Auseinandersetzungen.
232 v. Chr.: Römische Verbände besetzen das Gebiet des keltischen Stammes der Senonen (Adriaküste, südlich des heutigen Riminis).
225 v. Chr.: Schlacht von Telamon (heutige Toskana): Eingeschlossen von zwei römischen Verbänden verlieren fast 70 000 Kelten ihr Leben; in der Folgezeit werden die keltischen Stämme auf der Iberischen Halbinsel und im norditalienischen Alpenvorland durch römische Plünderungszüge immer mehr geschwächt; die in Norditalien noch ansässigen Kelten werden als Provinz „Gallia cisalpina" in das römische Reich eingegliedert.
52 v. Chr.: Cäsar belagert die Armee des Keltenführers Vercingetorix, die sich in der Stadt Alesia eingeschlossen hat; Cäsar lässt einen doppelten Befestigungswall um die Stadt errichten, deren innerer Ring die Flucht der im Verhungern begriffenen, eingeschlossenen Kelten verhindert, während der äußere Ring andere keltische Verbände davon abhält, den Eingeschlossenen zu Hilfe zu kommen; außerdem vergiften die Römer die Brunnen der Stadt.
58 v. Chr.: Die zahlenmäßig überlegenen keltischen Truppen in Alesia müssen kapitulieren.
43 v. Chr.: Römische Verbände, unterstützt von germanischen Hilfstruppen, beginnen mit der Eroberung Britanniens und dringen in der Folge sogar bis nach Schottland vor; die Inselkelten leisten zwar erbittert Widerstand, müssen aber schließlich die Übermacht Roms anerkennen; die Romanisierung setzt ein und erreicht im 1. Jh. n. Chr. ihren Höhepunkt ; bis 61. n. Chr. haben die Römer ein Drittel der britischen Inseln unterworfen; nur Irland, die Isle of Man und die schottischen Highlands können sich erfolgreich widersetzen.
Nach 46 v. Chr.: Unter den römischen Kaisern Julius Caesar und Kaiser Augustus (63 v. Chr – 14 n. Chr.) schreitet die Romanisierung Galliens immer schneller fort und es kommt zur Gründung zahlreicher gallo-römischer Städte, wie z.B. Lugdunum (Lyon); Aufstände keltischer Stämme werden blutig niedergeschlagen; auch die keltischen Alpenvorlandgebiete befinden sich bald in römischer Hand.
Ende des 4. Jhs. n. Chr.: Um Italien vor dem Ansturm der Völkerwanderungen zu schützen, muss Rom seine Verbände aus Britannien abziehen; in der Folge vermischen sich die nicht-romanisierten Kelten aus Irland und Schottland mit den romanisierten Britannien-Kelten; es kommt zu Gebietsstreitigkeiten, in deren Folge ein Waliser Fürst die Angelsachsen nach Britannien holt, um ihm bei der Verteidigung der römisch-keltischen Gebiete zu helfen; damit beginnt die Einflussnahme der Angelsachsen in Britannien.
Ende des 5. Jhs. n. Chr.: Einem Keltenführer aus Cornwall gelingt es, die Kelten zu einen und die Ausbreitung der Angelsachsen aufzuhalten; dieser Keltenführer könnte der legendäre König Artus gewesen sein; doch können die Kelten ihre Vormachtsstellung nur etwa 50 Jahre gegen die Angelsachsen verteidigen.
7. Architektur
7.1 Grabbauten
Da die Kelten an ein jenseitiges Leben glaubten, gaben sie ihren Toten sehr viele Grabbeigaben mit. Bei Männern bevorzugte man Kriegsgerät und Waffen als Grabbeigaben, bei Frauen Schmuckstücke. Doch auch Dinge des alltäglichen Bedarfs, wie z.B. Geschirr und Nahrungsmittel fehlten nicht. Die Gräber ärmerer Kelten wiesen meist keinerlei Grabbeigaben auf.
Nicht alle keltischen Stämme übernahmen sofort die Brandbestattung der bronzezeitlichen Urnenfeldkultur. Zunächst war die Körperbestattung durchaus noch üblich.
Die Gräber selbst waren meist als Hügelgräber gestaltet, d.h., dass auf den Gräbern künstliche Erdhügel errichtet wurden.[8]
7.2 Stadt- und Wohnbau
Die Kelten waren, ebenso wie die Etrusker, exzellente Städtebauer. Um sich erfolgreich vor möglichen Feinden schützen zu können, bevorzugten die Kelten für ihre Siedlungen künstliche Hügel, die sie erst mit vielen tausend Tonnen Stein und Erde selbst aufschütteten. Diese befestigten städtischen Siedlungen hießen Oppida und entstanden zahlreich entlang der wichtigsten Handelsstraßen.[9]
7.3 Heiligtümer
Die Kelten zeichneten sich von jeher durch eine große Nähe zur Natur aus, die ihnen heilig war. Daher befanden sich ihre Kultstätten meist abseits der Städte, in Grotten oder auf Hügelkuppen. Aus den antiken Quellen weiß man, dass Bäume in der Mythologie der Kelten eine große Rolle spielten. Dies spiegelt sich bereits in der Etymologie des Wortes „Druide" wider, das auf das keltische Wort für „Eiche" zurückgeht.[10]
In der Frühzeit der keltischen Kultur errichtete man Schreine als Kultstätten, die häufig durch Wall- oder Grabenanlagen von ihrer Umgebung abgesetzt wurden. Die Größe dieser steinernen oder auch hölzernen Schreine konnte stark divergieren. In ihrer näheren Umgebung befanden sich oft Friedhöfe. Die Schrein-Heiligtümer waren sowohl für die Festland- als auch für die Inselkelten typisch.
Zur Zeit der Romanisierung der keltischen Gebiete gingen Elemente des römischen Glaubens in die keltische Mythologie ein. Dies schlug sich auch in der Bauart nieder. Vielfach wurden ältere Holz- oder Erdbauten von Bauten aus Stein abgelöst. Aber die hölzerne Bauart starb nicht ganz aus, wie die Halle von Emuin Macha eindrucksvoll belegt: Sie war in der Form eines Rundbaus gestaltet, der einen Durchmesser von 40 Metern aufwies und auf einem zwölf Meter hohen 200-jährigen Eichenbaum ruhte, der als Mittelpfeiler diente.
Bei den keltischen Steinkreisen schließlich handelte es sich um ganz besondere Heiligtümer. Die Druiden nutzten sie für astrologische Voraussagen und zur Berechnung des Kalenders. Durch die Jahrhunderte hindurch wurden immer wieder Vermutungen laut, dass auch die Errichtung von Stonehange auf die Kelten zurückginge, jedoch gibt es dafür keine stichhaltigen Beweise.[11]
8. Keltische Kunst
Der Beginn der keltischen Kunst wird heute mit dem Aufkommen der Hallstatt-Kultur, etwa um die Mitte des 6. Jhs. v. Chr., gleichgesetzt (auch: frühkeltische Kunst). Das Kunstschaffen dieser Phase konzentrierte sich auf kunsthandwerkliche Arbeiten und Plastiken. Die Kelten schufen wertvolle Grabbeigaben aus Gold, Bronze und Eisen (z. B. Fürstengrab von Hochdorf). Die Ornamentik ließ vielfach einen großen Einfluss der Mittelmeerkulturen erkennen, so z.B. des Etruskischen, und speiste sich vornehmlich aus pflanzlichen Motiven (z.B. Lotosblüten oder Palmettenmuster). Im Osten Bayerns und in Österreich wurden auch abstrakte geometrische Muster verwandt. Im hessischen Glauberg fand man die lebensgroße Sandsteinstatue eines keltischen Fürsten.
Im Anschluss an die frühkeltische Kunst der Hallstatt-Kultur entwickelte sich das Kunstschaffen der La-Tène-Zeit: Der so genannte „Waldalgesheim-Stil" (um 350 v. Chr.) führt die Tradition der floralen Ornamentik fort und verarbeitete viele Impulse aus der griechischen Rankenornamentik. Der plastische Stil (um 290 v. Chr) brachte schließlich erste figürliche Darstellungen von Menschen und Tieren. Ab ca. 190 v. Chr. gingen die Kelten dazu über, auf die Scheiden ihrer Schwerter abstrakte geometrische Muster zu gravieren; daher der Name Schwertstil. Aus der Zeit der keltischen Wanderungen sind nur wenige Funde erhalten geblieben. Die seit dem 1. Jh. v. Chr. einsetzende Romanisierung der Festlandkelten wirkte sich auch auf die Kunst aus, die nun vielfach eine römische Einflussnahme verriet.[12]
In Britannien war das keltische Kunstschaffen zunächst stark von den Kunstformen des europäischen Festlandes geprägt, das die Kelten mitgebracht hatten, und in der neuen Heimat fortführten. In der Zeit vom 4. bis zum 1. Jh. v. Chr. entwickelte sich in Britannien eine eigene Ornamentik: Neben Kreisen und Flechtmustern gab es auch plastische Motive und Vogelmotive. Die zunehmende Romanisierung (1. Jh. v. Chr.) setzte auch dem britannisch-keltischen Kunstschaffen ein Ende.
Nachdem das keltische Kunstschaffen des europäischen Festlandes und Britanniens schon von der römischen Kultur vereinnahmt worden waren, schufen die irischen Kelten noch sehr eigenständige Metallobjekte. Zudem gab es wenige im Stil der La-Tène-Zeit verzierte Monolithe (z.B. den Stein von Turoe, 3. Jh. n. Chr., Grafschaft Calway). Später vermischten sich irisch-keltische mit germanischen Motiven, und ab dem 7. Jh. n. Chr. fanden auch christliche Elemente Eingang in das keltische Kunstschaffen. [13]
9. Schmuck
Im Grab der Fürstin von Vix (Burgund) fanden Archäologen einen kompletten Hausstand in Form von Grabbeigaben. Darunter befanden sich neben diversen Schmuckstücken (wie z.B. einem Diadem aus Gold und einem Halsband aus Bernstein) auch viele Artikel des häuslichen Bedarfs (wie z.B. ein riesiger Krater (Mischgefäß für Weinkonsum) aus Bronze, mit einer Höhe von 1,64 Metern und einem Gewicht von über 200 Kilogramm[14]).
Die so genannten Torques stellen die wohl berühmtesten Schmuckstücke der Kelten dar und waren in aller Regel aus Edelmetall gefertigt. Zunächst wurden sie sowohl von Männern als auch von Frauen getragen. Seit etwa 300 v. Chr. blieben sie den Männern, vorzugsweise den Kriegern, vorbehalten und wurden als eine Art Ehrenabzeichen für besondere Tapferkeit und außergewöhnliche Leistungen vergeben. Die Enden des Torques wiesen in aller Regel eine überaus kunstvolle Verzierung auf, häufig in Form von Tierköpfen.[15]
Auch das Tragen reich verzierter Gürtelschnallen war nur den Männern vorbehalten. Die Frauen dagegen trugen Gürtelketten, deren einzelne Glieder aus Bronze bestanden. Die oft kunstvoll gearbeiteten Fibeln, die vorwiegend zur Raffung und Fixierung des Stoffes dienten, kamen auch in Verbindung mit Ketten zum Einsatz: Dabei wurden zwei identische Fibeln durch eine Kette miteinander verbunden.[16]
10. Textilien
Auf einer Urne aus dem ungarischen Sopron ist ein vertikaler Gewichtswebstuhl abgebildet und es gibt auch Hinweise darauf, dass es die Kelten waren, die als erste die Brettchenweberei nutzten. Auch Textilfunde aus Hallstadt (Salzkammergut) und aus Hohmichele (Süddeutschland) belegen, dass die Kelten der Weberei mächtig waren. Als Grundbindungsart gilt die Köperbindung, erkennbar an dem stets schräg verlaufenden Grat.[17] Bei dem zum Weben verwendeten Material handelte es sich vorwiegend um Wolle. Obwohl als gesichert angesehen werden darf, dass die Menschen der Eisenzeit, und also auch die Kelten, bereits Leinen kannten, gibt es bisher noch keine Textilfunde, die diese Theorie beweisen könnten. Dies hat auch damit zu tun, dass Leinen sich wesentlich schneller im feuchten Boden zersetzt als Wolle.
Üblich war es, geometrische Muster in den Stoff einzuweben, die wohl auch farblich gestaltet waren. Außerdem gab es bunt karierte Stoffe. Mit der Zeit nahm die künstlerische Fertigkeit der Kelten bei der Textilverarbeitung immer weiter zu und die einzelnen Verfahren wurden komplizierter. Es wurden auch Reste von Seide an Textilien gefunden, die die Kelten entweder aus dem Orient oder aus Griechenland (Kos) importiert haben müssen. Zum Ende der Hohezeit der keltischen Kultur hin, war textile Kleidung kein Luxus mehr, sondern wurde auch von gemeinen Bergwerksarbeitern bei der alltäglichen Arbeit angelegt.[18]
11. Kleidung der Männer
Die Übersetzung der römischen Bezeichnung für das Land der Kelten „Gallia Braccata" bedeutet das Land der kurzen Hosen. Es wird angenommen, dass die Kelten die oft nur knielangen Hosen vom skythischen Reitervolk übernahmen. Die Hosen waren vermutlich aus Wolle und besaßen farbige Streifen, wie Textilfunde aus dem Fürstengrab von Hohmichele beweisen.
Die Kittelbluse, die die keltischen Männer über den Hosen trugen, ähnelte zunächst sehr stark dem Chiton und wurde auch wie dieser an der Schulter mit Hilfe einer Fibel befestigt. Im Hohmichelener Fürstengrab fand man Stoffreste, die stark farbige Stickereien aufwiesen. Besonders beliebt scheinen Kapuzen bei den Kelten gewesen zu sein. Sowohl die bereits beschriebene Kittelbluse besaß eine als auch der „Bardo-Cucullus", ein mantelartiger Umhang, der lediglich eine Öffnung für den Kopf aufwies und auf einigen Darstellungen mit Ärmeln abgebildet ist. Neben dem „Bardo-Cucullus" gab es noch den eigentlichen Umhang, den so genannten Sagum, der auf der rechten Schulter durch eine Fibel gehalten wurde. Die Kanten wurden aller Wahrscheinlichkeit nach mit Hilfe von Brettchenwebbändern befestigt, denen wohl gleichzeitig eine ornamentale Funktion zukam.
Den schriftlichen Überlieferungen der keltischen Nachbarvölker lässt sich entnehmen, dass sich die Kelten bei rituellen Veranstaltungen ganz in Weiß kleideten.[19]
11.1 Frisur und Kopfbedeckung
Der ausgefallene Bart- und Haarschmuck der Kelten erweckte von jeher die Neugier der nicht-keltischen Nachbarn und Handelspartner. Sowohl der römische Kaiser Julius Cäsar als auch antike griechische Historiograf Diodorus erachteten die keltische Haartracht für interessant genug, um detailliert beschrieben zu werden. Von ihnen erfahren wir, dass die Kelten ihr Haupthaar in der Regel lang trugen und im Gesicht nur ein Oberlippenbart stehen blieb, den die Männer aber so lang wachsen ließen, bis er den Mund verdeckte. Von Diodorus erfahren wir außerdem, dass die keltischen Männer ihr Haar so behandelten, dass es dicker wirkte und dass sie es färbten.
Tatsächlich sind die wild zurückgekämmten Haare und die manchmal an einen Turban erinnernden Haartürme bei den Kelten ganz normal gewesen. Der auf der äußeren Erscheinung der Kelten beruhende Eindruck, der in ganz Griechenland und im gesamten römischen Reich verbreitet war, dass sie barbarische Wilde wären, war vermutlich intendiert: Die Kelten wollten damit möglichen Feinden Furcht einjagen. Und auch das von Diodorus beschriebene Färben der Haare konnte durch Haarfunde belegt werden. An den Haarresten konnten Forscher Spuren einer aus Roteisenerz gewonnenen roten Fettschminke sicherstellen.[20]
Als der römische Einfluss auf die Kelten weiter zunahm, passte sich auch die keltische Frisurenmode immer mehr der römischen an, so dass der römische Kurzhaarschnitt schließlich den keltischen Langhaarschnitt verdrängte.[21]
11.2 Fußbekleidung
Über die keltische Schuhmode ist nur wenig bekannt. Einen Anhaltspunkt bieten Schwertgravuren aus dem 4. Jh. v. Chr., auf denen man keltische Krieger sieht, die strumpfartige Schlupfschuhe mit einer nach gebogenen Spitze tragen. Forscher sind sich aber einig, dass wohl auch die Kelten die in der Bronzezeit weit verbreiteten Bundschuhe trugen und dass auch bei den Kelten als Folge des Aufstiegs des römischen Reiches die Sandale zunehmend an Bedeutung gewann.[22]
11.3 Kleidung der Krieger
In seiner Schilderung der Schlacht von Telamon (Toskana, 225 v. Chr.) berichtet der griechische Geschichtsschreiber Polybios (ca. 200 v. Chr. – 120 v. Chr.) Folgendes von der „Kleidung" der keltischen Krieger:
„Furchterregend aber war auch ihr Anblick und die Bewegung, der nackten, im Vordertreffen stehenden jungen Männer in ihrer Jugendkraft und Schönheit, geschmückt mit goldenen Hals- und Armringen."[23]
Heutige Forscher gehen davon aus, dass der Bericht des Polybios wahrheitsgemäß ist und dass die keltischen Krieger tatsächlich nackt waren. Sie trugen wohl nicht mehr bei sich als ein Schwert, einen Gürtel und einen Halsring, den so genannten Torques (s.o.).[24]
Der Großteil der keltischen Krieger trug zum Schutz lediglich einen aus Leder gefertigten Helm sowie ein Schild aus Weidengeflecht. Besaß ein Krieger einen Helm aus Bronze, so stellte dies einen Hinweis auf seinen hohen sozialen Rang dar. Oft waren diese Helme auch noch mit Tierköpfen oder angeschmiedeten Hörnern verziert. Von dem keltischen Stamm der Britannier ist überliefert, dass sie eine Art Ganzkörper-Kriegsbemalung anlegten, bevor sie in den Krieg zogen: Zu diesem Zweck sollen sich die Britannier den ganzen Körper mit Hilfe von Waid Familie der Kreuzblütengewächse) blau gefärbt haben, um auf ihre Feinde noch gefährlicher zu wirken. Schließlich passte sich jedoch auch die Kriegsbekleidung der Kelten der römischen an.[25]
12. Kleidung der Frauen
Wahrscheinlich trugen die keltischen Frauen ein farbenfrohes, kittelartiges Obergewand aus Wolle, das oftmals noch zusätzlich Seidenstickereien aufwies. Dieses reichte etwa bis zur Mitte der Oberschenkel und wurde durch einen Saum in Form eines Brettchenbandes abgeschlossen. Es wurde wohl auch an den Schultern gefibelt, wie die Gewänder der Römerrinnen. Die Bluse wurde mit Hilfe einer geflochtenen Schnur aus Wolle gerafft. Ergänzt wurde das Ensemble durch einen Rock, der etwa bis zu den Knöcheln der Trägerin reichte, und ebenso wie das Obergewand durch ein Brettchenbad abgeschlossen wurde.[26]
Es gibt ein Fragment eines textilen Gewandes, das wohl auch zu dem oben beschriebenen Rock getragen wurde, wahrscheinlich eine Art Untergewand. Wieder andere textile Fragmente lassen sich eindeutig der Gattung Mantel zuordnen. Es ist davon auszugehen, dass die Mantelformen der Frauen denen der Männer in Bezug auf Schnitt und Stoffwahl sehr ähnlich waren: Es gab sie als Sagum oder in der capeähnlichen Ausführung mit Kapuze.[27]
12.1 Frisur und Kosmetik
Wie Abbildungen belegen, trugen die Frauen der keltischen Frühzeit ihre Haare meist lang bis schulterlang. Ihre Frisuren zeugten von einer ähnlichen Wildheit wie die der keltischen Männer. Als Folge der zunehmenden Romanisierung wechselten die keltischen Frauen zu den Hochsteckfrisuren der Römerinnen.[28]
Der römische Dichter Sextius Propertius (1. Jh. v. Chr.) unterstellt den Keltinnen eine exzessive Nutzung von Kosmetika. In einer seiner Schriften beklagt er sich darüber, dass seine Geliebte so viel Schminke aufgelegt hätte wie eine Keltin.[29]
12.2 Fußbekleidung
Über die Schuhe der Keltinnen ist leider keine Aussage möglich, auch wenn man davon ausgehen kann, dass sie in Form und Farbgebung denen der Männer sehr ähnlich gewesen sein muss.[30]
[1] Vgl.: Koch-Mertens, Wiebke: Der Mensch und seine Kleider. Tei1: Die Kulturgeschichte der Mode bis 1900. Artemis und Winkler. Düsseldorf/Zürich: 2000. S. 113.
[2] Vgl.: Ebd. S. 113.
[3] Vgl.:www.planet-wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,ABF09AD0AE0051C0E034080009B14B8F,,,,,,,,,,,,,,,.html.
[4] Vgl.: Ebd.
[5] Vgl.: www.damals.de/sixcms/detail.php?id=121111.
[6] Vgl.: www.planet-wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,ABF09AD0AE0051C0E034080009B14B8F,,,,,,,,,,,,,,,.html.
[7] Vgl.: www.antikefan.de/kulturen/kelten.html.
[8] Vgl.: http://geschichte.surfbrett.at/kelten/kelten.ausstellung/.
[9] Vgl.: www.geocities.com/lionessberlin/500kelt/521kultu.html.
[10] Vgl.: www.geocities.com/lionessberlin/500kelt/531relig.html.
[11] Vgl.: www.uni-leipzig.de/~prtheol/Queens/35.htm.
[12] http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_721525489/Keltische_Kunst.html.
[13] http://lexikon.meyers.de/meyers/Keltische_Kunst.
[14] Vgl.: http://science.orf.at/science/urban/59665
[15] Vgl.: Koch-Mertens, Wiebke: Der Mensch und seine Kleider. Tei1: Die Kulturgeschichte der Mode bis 1900. Artemis und Winkler. Düsseldorf/Zürich: 2000. S. 117f.
[16] Vgl.: Ebd. S. 118.
[17] Vgl.: www.fashion-base.de/gewebe-grundbindungen.htm.
[18] Vgl.: Koch-Mertens, Wiebke: Der Mensch und seine Kleider. Tei1: Die Kulturgeschichte der Mode bis 1900. Artemis und Winkler. Düsseldorf/Zürich: 2000. S. 113f.
[19] Vgl.: Ebd. S. 114.
[20] Vgl.: Ebd. S. 115.
[21] Vgl.: Ebd. S. 115.
[22] Vgl.: Koch-Mertens, Wiebke: Der Mensch und seine Kleider. Tei1: Die Kulturgeschichte der Mode bis 1900. Artemis und Winkler. Düsseldorf/Zürich: 2000. S. 115.
[23] Vgl.: Ebd. S. 115.
[24] Vgl.: Ebd. S. 115.
[25] Vgl.: Ebd. S. 115.
[26] Vgl.: Ebd. S. 116.
[27] Vgl.: Ebd. S. 116.
[28] Vgl.: Ebd. S. 116f.
[29] Vgl.: Ebd. S. 117.
[30] Vgl.: Ebd. S. 117.