Da lacht er noch: Team iloxx Triathlet Skrzypek auf dem Fahrrad.
Vor zwei Jahren, in der Altersklasse M30, hat es noch nicht ganz gereicht. Das Wetter war zu heiß, die Konkurrenz der 30-Jährigen zu stark.Dieses Jahr soll es klappen. In der neuen Klasse M35 ist Skrzypek nun "der Junge". 427 Athleten umfasst das Feld der 35- bis 39-Jährigen. 17 Hawaii-Tickets sind zu gewinnen. Alexander Skrzypek darf wegen seiner guten Ergebnisse in anderen Veranstaltungen gemeinsam mit den Profis bereits um 6:45 Uhr in den Langener Waldsee springen, 15 Minuten vor dem Hauptfeld. Er erinnert sich an die Hitze vor zwei Jahren. Damals war es so warm, dass überlegt wurde, den Athleten das Tragen von Neopren-Anzügen zu verbieten, damit sie nicht im Wasser dehydrieren. Diese Gefahr besteht heute nicht.
Für einen Julitag ist es eigentlich viel zu kalt und es regnet immer wieder. Für einen Triathlon dagegen ist das Wetter genau richtig. Durch den frühen Start hat Skrzypek keine größeren Probleme beim Schwimmen. Die Pros sind ohnehin nicht das Maß, an dem er sich misst, die Meute, die im Wasser auf den ersten paar hundert Metern mit Händen und Füßen um die besten Positionen kämpfen wird, kommt erst eine viertel Stunde nach ihm.
Nach einer Stunde und 43 Sekunden hat er seine schwächste Disziplin geschafft. Die 3,8 km-Strecke ist durchschwommen und Skrzypek klettert etwa als sechzigster seiner Klasse aus dem See. Im Laufen wird der Neoprenanzug, der nicht nur vor Kälte schützt, sondern auch für Auftrieb sorgt, ausgezogen, das Rennrad gesucht, die Klicker-Schuhe sind bereits in den Pedalen. Der Wechsel klappt hervorragend, es geht auf die 180 km lange Radstrecke rund um den Taunus.
Extra für diese Saison hat Skrzypek sich ein neues Fahrrad von Cube zugelegt. Er nennt es liebevoll-kämpferisch "Mein Schwert", weil er damit quasi die Luft zerteilt. Um noch einmal ein paar Sekunden rauszuholen, hat er extra für dieses Rennen einen neuen aerodynamisch besseren Helm und neue Carbon-Laufräder besorgt.
Alles läuft super, Skrzypek holt Platz um Platz auf. Fährt mit fast 40 km/h auf die erste Steigung zu. Die Beine sind locker, die niedrigen Temperaturen machen ihm nicht zu schaffen. er hält sich brav an seinen Essens- und Trinkplan, um nicht auf einen Hungerast zu kommen. In Enkheim bei Kilometer 22 passiert es. Er sieht den ersten Anstieg, den die Athleten ehrfürchtig „The Beast" nennen vor sich und... der Vorderreifen verliert Luft.
Ruhe bewahren, nicht stürzen, rechts ranfahren, tief durchatmen und Reifen untersuchen. Ein etwa ein Zentimeter großer Riss ist im Mantel. Skrzypek hat für den Fall der Fälle immer eine Dose Pannenspray dabei. Er hadert vor jedem Rennen mit sich, ob er das Spray mit nehmen soll. Gebraucht hat er es noch nie. Und auch wenn die Dose nur ein paar hundert Gramm wiegt, ein paar hundert Gramm mal 180 Kilometer sind auch ein paar Kalorien, die zusätzlich aufgebracht werden müssen.
Aber das ist jetzt egal. Er setzt das Reparaturspray an. Aber das Loch zu groß. Der Kleber hält einfach nicht, wieder und wieder versucht Skrzypek, den Reifen zu flicken. Aber es wird nichts. Der nächste Bike-Service ist zehn Kilometer weit weg. Diese Strecke ist in Radschuhen nicht zu bewältigen. Und angesichts des Marathons, der noch ansteht, ist barfuß laufen auch keine Option.
Also bleibt nur, auf ein Pannenfahrzeug zu warten. Mittlerweile waren die Temperaturen doch schon zu spüren. Ein paar netten Polizisten bieten Skrzypek an, sich in den Streifenwagen zu setzen, bis der Mobile Bike Service kommt. Nach über einer Stunde war immer noch nichts vom Pannenhelfer zu sehen. Stattdessen kommt der "Besenwagen" des Veranstalters, der liegengebliebene Athleten einsammelt. Das war's mit Hawaii.
Zurück im Hotel bietet der Veranstalter einen Startplatz für den Ironman Regensburg am 07.08.2011 an. Die Saison ist noch nicht verloren.
Alexander Skrzypek arbeitet hauptberuflich bei seinem Sponsor
iloxx AG Paketdienst und Logistik. Bei iloxx stieg Alexander Skrzypek innerhalb kürzester Zeit vom einfachen Vertiebsmitarbeiter zum Teamleiter Vertrieb Firmenkunden auf.
Jörg Popow