Die Ausgrabungen von Malia
Reißende Flüsse, zerklüftete Gebirge, hochgelegene Ebenen, seltene Pflanzen, außergewöhnliche Ausgrabungen und herzliche Gastgeber - das alles und mehr bietet die griechische Insel Kreta, deren Faszination sich ein Besucher kaum entziehen kann.Wenn man am Fenster der im Landeanflug befindlichen Maschine auf der richtige Seite sitzt und den Anblick des mitten im riesigen Meeres liegenden Gebirges genießen kann, das in der Landessprache "i kriti" heißt und ansonsten einfach als Kreta bezeichnet wird, dann ist man schon in diesem Moment der Magie dieser griechischen Insel verfallen. Was man beim Blick aus dem Flugzeug bereits sehen kann sind die vier markanten Gebirgsmassive und Bergketten, bei denen es sich um die Weißen Berge, das Ida-Massiv, das Lassithi-Gebirge und die Thripti-Berge handelt. Lang und schmal erscheint sie aus der Luft, und dies ist sie auch. Kreta zieht sich von Ost nach West über eine Länge von 255 km hin und ist dabei an ihrer schmalsten Stelle gerade mal 12 km breit.
Die Maschine setzt zur Landung an und kurz vor dem Aufsetzen auf dem Flugplatz von
Iraklion sieht man noch deutlicher die faszinierenden Farben des Meeres, auf denen der leichte Wind mit den Wellen spielt. Endlich ist man wieder an dem Ort, den die Europäer gern als die Wiege ihres Kontinents bezeichnen und den Sonnenhungrige und Bergwanderer gleichermaßen verehren. Kreta gehört zu den meistbesuchten Zielen im östlichen Mittelmeerraum und wird wohl auch der begehrteste touristische Ort Griechenlands sein, wenn man von Athen absieht. Wenn wir schon beim Ranking sind, dann sollte man auch erwähnen, dass Kreta die fünftgrößte Insel im Mittelmeer ist. Nur Sizilien, Sardinien, Zypern und Korsika laufen ihr mit größeren Flächen den Rang ab.
Als Pflanzenliebhaber kommt man besonders gern im Frühjahr auf diese Mittelmeerinsel. Immerhin gibt es hier fast 5700 Pflanzenarten, die gerade in dieser Jahreszeit ihren berauschenden Duft und den farbenreichen Anblick nicht nur an den Insektenreichtum verschenken, sondern vielmehr den staunenden Wanderer fast den Blick auf Weg, Steine und Steilküsten vergessen lassen. Auch wenn man es kaum glauben mag, aber in unserer deutschen Heimat gibt es nicht einmal die Hälfte dieser Artenvielfalt zu sehen.
Aber nicht nur die vielen Pflanzen, die Olivenhaine und Zitrusplantagen, die oft kunstvoll geschichteten Trockensteinmauern am Wegesrand und das herzliche Lächeln der Gastgeber lassen den Besucher seine sonstigen Alltagssorgen vergessen. Die Spuren einer durch Jahrtausende geprägten Geschichte, denen man auf Kreta fast bei jedem Schritt begegnet, lassen uns an die Wurzeln unserer eigenen Kultur und Kunst denken. Es spielt keine Rolle, ob man die Ausgrabungen der riesigen Anlage von Knossos oder lieber die fast romantische Ruhe des antiken Bergdorfes Lato
im Osten Kretas besucht, man fühlt sich der Wiege Europas wahrlich nahe.
Und man freut sich mit jedem Wanderschritt, dass man auf der Sonneninsel weilt. Und man ist sich sicher, dass man wiederkommen wird.
Jürgen Gobel