Kreative Standortfaktoren
Werke und Leistungen der Schriftsteller, Komponisten, Musiker, Bühnenkünstler, Journalisten, Filmemacher und so fort lassen sich als Vielfaltsproduktion umschreiben ohne die keine Filmfirma, kein Musikkonzern, kein Verlag oder Galerist etwa s zu verwerten und zu verbreiten hätte. Alle diese Berufsgruppen haben es gelernt, sich in einem komplizierten Wirtschaftsumfeld mit neuen Technologien zurecht zu finden. Auch diejenigen, die einen zu geringen Frauenanteil am Wirtschaftsleben beklagen, können an der Kultur- und Kreativwirtschaft ihre helle Freude haben. Denn Frauen sind dort in fast allen Teilmärkten stärker als Männer vertreten. Während auf die Gesamtwirtschaft bezogen weniger als 10 % der Frauen als Selbständige registriert werden können, liegt dieser Anteil im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft über 40 %. Insgesamt erwirtschaften in der Kultur- und Kreativwirtschaft über 230.000 Unternehmen und Selbständige ein Umsatzvolumen von über 130 Milliarden Euro.
Grundlage für eine Standortanalyse der Kultur- und Kreativwirtschaft ist zunächst einmal eine möglichst genaue Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes. Für die hierzu nachfolgenden Ausführungen werden Aussagen im Endbericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie hinzugezogen (Vgl. Kultur- und Kreativwirtschaft: Ermittlung der gemeinsamen charakteristischen Definitionselemente der heterogenen Teilbereiche der „Kulturwirtschaft" zur Bestimmung ihrer Perspektiven aus volkswirtschaftlicher Sicht, Köln-Bremen-Berlin 2009). Es wäre verfehlt, die Kultur- und Kreativwirtschaft mit den Augen eines Standortes lediglich als Imagefaktor zu sehen. Zwar ist sie auch das, aber darüber hinaus noch viel mehr: nämlich eine eigenständiges Wirtschaftsfeld mit einem außerordentlich hohen Innovationspotential. Neue Kommunikationstechnologien und Impulse für neue Technologievarianten finden hier ihre bevorzugten Nutzer, Anwender und Entwickler. Dabei erweist sich die Kultur- und Kreativwirtschaft als ein äußerst vielschichtiger Branchenkomplex mit einer fast verwirrenden Anzahl unterschiedlicher Facetten. Diesen allen gemeinsam ist eine Produktion, die im Wesentlichen aus Prototypen, Einzelfertigung und Kleinserien sowie nicht zuletzt immateriellen Produkten besteht. Geprägt wird dies alles von grundlegend verschiedenen Unternehmenstypen, die allesamt ihre eigenen Besonderheiten aufweisen.
Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein Hort der Beschäftigungschancen für Dienstleister, Selbständige und Freiberufler. In kaum einer anderen Branche werden speziell für Frauen derartige Möglichkeiten geboten. Da die Nachfrage trotz Krise nach künstlerischen und kreativen Inhalten steigt, haben wir es mit einer nachhaltigen echten Wachstumsbranche zu tun, deren häufig projektabhängige vernetzte Arbeitsformen auch für andere Wirtschaftsbereiche geradezu Modellcharakter haben können. Zu den Kernbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft zählen: Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Markt für darstellende Künste, Designwirtschaft, Architekturmarkt, Pressemarkt, Werbemarkt, Software/Spieleindustrie. Selbst dieses sind wiederum ihrerseits nur Obergriffe für zahlreiche weitere Teil- und Untermärkte. Mit der Bestimmung von Position und Wirkung dieser Wirtschaftszweige beschäftigt sich im Rahmen einer Reihe von Standort-Publikationen Becker, Jörg: Kultur- und Kreativwirtschaft im Netz der Standortfaktoren, 2009; ISBN 978 3 8391 1635 7.
Dipl.Kfm. Jörg Becker (www.beckinfo.de)