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Krawatte und Politik

Autor: youmee | Erstellt am: 21.11.2010 | Gelesen: 447
Kategorie: Lifestyle - Mode & Schmuck | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Als 1983 die ersten Abgeordneten der Partei Die Grünen im Deutschen Bundestag demonstrativ ohne Krawatte aufliefen, hatte dies einen Aufschrei wutentbrannter Traditionalisten zur Folge.

Als 1983 die ersten Abgeordneten der Partei Die Grünen im Deutschen Bundestag demonstrativ ohne Krawatte aufliefen, hatte dies einen Aufschrei wutentbrannter Traditionalisten zur Folge. Ein Zeichen mangelnden Respekts sei es, der Demokratie nicht würdig. Heute scheint es kaum vorstellbar, dass dieses Stückchen Stoff zum Politikum wurde. Und doch: der Schlips hat eine Geschichte voller politischer Aussagen und Symbolik.

Wurde die Krawatte zu Zeiten von Louis XIV. In Frankreich noch als Höhepunkt höfischer Prachtentfaltung angesehen,so war sie in der Französischen Revolution bereits klassenunterscheidendes Merkmal. Der höfische Adel trug kunstvoll geschlungene Schleifen aus weißer Seide, Louis selbst hielt sich sogar einen „Cravatier", der für den perfekten Sitz seiner Halsbinde zu sorgen hatte.

Die Revolutionäre hingegen hatten anderes im Sinn. Auf ihrem Kampf um Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit banden sie sich Halstücher um, meist aus Baumwolle, oftmals in rot, auch um sich von den Höflingen abzusetzen. Auch in der – bekanntlich gescheiterten, aber sehr einflussreichen – deutschen Revolution von 1848 sah man scharlachfarbene Binder. Das Beispiel der roten Halstücher sollte etwa siebzig Jahre später von bolschewistischen Kämpfern in der russischen Oktoberrevolution wieder aufgenommen werden.

Gerade Angehörige der intellektuellen und künstlerischen Elite waren der Krawatte hingegen oft nicht grün. So verzichtete der frühe Schiller aus Prinzip auf eine Halsbinde und machte damit die Mode des „Schillerkragens" populär.

Um 1900 schließlich entdeckte die Frauenbewegung das männlichste aller Kleidungsstücke, den Schlips, für sich. Frauenrechtlerinnen begannen, als Zeichen ihrer Gleichheitsbestrebungen Krawatte zu tragen – was damals ein Skandal war, gegen den die Auseinandersetzungen von 1983 wie kalter Kaffee wirken.

Da ist es doch ausgesprochen angenehm, dass heute zwar nicht weniger hitzig, aber nur noch unter Stil- und Geschmacksgesichtspunkten über die Krawatte gestritten wird. Und dennoch: der Schlips hat bis heute alle Anfeindungen überlebt – was dafür spricht, dass er einfach Klasse hat.
 
 
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