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Kossa, der andere Bunker !

Autor: jobakampe | Erstellt am: 28.10.2010 | Gelesen: 1093
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Beobachtungen, Eindrücke, Feststellungen, aufgeschrieben nach einem Besuch der Bunkeranlage Kossa im Oktober 2010.

Hilfsnachrichtenzentralen=Führungsstellen im Militärbezirk III
Hilfsnachrichtenzentralen=Führungsstellen im Militärbezirk III
Die Webseite des Museums ohne Exkurs in die Geschichte, ein Satz aber im Blickfang, Zitat: „In der letzten Phase des Kalten Krieges war diese Bunkeranlage der geheime Schatz des Warschauer Pakts". Zitat Ende.

Eine tolle, interessante, schlagfertige wie auch magnetisch wirkende Schlagzeile. Was steckt dahinter? Die Neugierde ist groß, welch ein Geheimnis wird hier gelüftet. Die Spannung steigt, keine Aussage, das Geheimnis besteht fort. Den Museumsführer will ich nicht in Not bringen, ein Beitrag mit dem Titel „Gehirn der Heide" im „Spiegel-Online"- Heft 14/ 2010 glaubt das Geheimnis zu lüften.

Dieser Beitrag enthält mehr Antworten, wirft auch viele Fragen auf.  Doch welche Antworten sind das ?.  Sie begleiten mich über zwei Stunden Führung, ziehen sich wie ein roter Faden durch die Anlage. Die Antworten sind mir nicht fremd, bekommen hier ein Gesicht.

Hervorgehoben und betont wird die Rolle Kossa als Armeeführungsstelle im Kriegsfall. Für welche Armee eigentlich ?  Die vermutete Armee gab es hier nicht, ihr Raum der operativen Zweckbestimmung lag weit im Süden der DDR. Eine andere Armee gab es hier auch nicht, weder eine der NVA noch der WGT (Westgruppe der Streitkräfte der UdSSR), also wer sollte von hier geführt werden ?. Kossa, eine Führungsstelle ohne Armee ?, ja das war sie tatsächlich. Keiner der Besucher stellt eine Frage, ich zwinge mich zur Zurückhaltung.

Kossa war keine Armeeführungsstelle, auch war sie nicht der Befehlsgewalt der Vereinten Streitkräfte unterstellt. So aber wird sie uns angeboten. Alles was irgendwie zur NVA gehört wird hier dem Oberkommando unterstellt, die NVA war schließlich eine Koalitionsarmee. Differenzierungen zwischen Bündnis- und nationalen Aufgaben im Kriegsfall sind nicht zu vernehmen. Die inzwischen vorhandene Literatur, auch zur Rolle Kossa, wird offensichtlich missachtet oder ist nicht bekannt. Man muss sie nur lesen.

Die Anlage Kossa hatte rein nationale Aufgaben zu erfüllen. Sie war die Führungsstelle eines Territorialen Militärbezirkes, konkret für die Südbezirke der DDR. Ihre Hauptaufgabe bestand in der Vorbereitung und Organisation der Aufstellung so genannter Ersatz- und Ausbildungsbrigaden sowie deren Führung. Das Personal für die Führungsstelle kam aus dem Bestand des Kommandos des Militärbezirkes III Leipzig, dessen Auflösung für den Kriegsfall ohnehin vorgesehen war. Die Hauptkräfte des Kommandos bildeten die Führung der 3.Armee, die im Bestand der 1.Front in der Westrichtung ihren Raum operativer Zweckbestimmung hätte einnehmen müssen. Unverständlich warum das den Besuchern nicht vermittelt wird. Unbekannt kann das nicht sein, oder wäre das schädlich für die Anziehungskraft des Museums ?. Die Anlage bleibt auch als Territoriale Führungsstelle interessant.  

Als solche unterschied sich die zu lösende Aufgabe wesentlich von der einer Armeeführungsstelle (Feldführung im Kriegsfall oder vorbereitet wie z.B. Mosel), nicht nur inhaltlich, sondern auch hinsichtlich des Umfangs an technischer Ausrüstung. Die Ausführungen des Museumsführers dringen an die Ohren. Die Aufmerksamkeit der Besucher ist mehr auf die technischen Geräte fixiert. Ich denke an die Organisation der Nachrichtenverbindungen innerhalb einer Armee, das System von Nachrichten-, Hilfs- und Stütznachrichtenzentralen, die in der Summe zu bildenden Nachrichtenkanäle aller Übertragungsarten. Sie ins Verhältnis gesetzt zu den hier bestehenden technischen Einrichtungen, da passt und stimmt Vieles nicht zu den Ausführungen.  Die kleine Fernsprechvermittlung, der Bereich Spezialnachrichtentechnik, Funkempfangsraum, die Übertragungstechnik usw.. In vielen Räumen stehen Endgeräte für Regierungs- WTsch- Verbindungen, den Betriebsraum einer Vermittlung gibt es nicht.  Ähnlich verhält es sich mit den zur Verfügung stehenden Arbeitsplätzen für alle Dienste einer Armeeführung.

Operativ-strategische und taktische Lagen auf topographische Arbeitskarten und andere Schemen sind zu sehen. Sie haben ihren Ursprung nicht hier in dieser Anlage, haben keinen Bezug zu den Aufgaben, die eigentlich zu lösen gewesen wären.  Wie sollten sie auch !,  Leider fehlen oft zeitliche Zuordnung und Ausarbeitungsvermerke.  Hier wurden weder ein dritter Weltkrieg vorbereitet, noch Armeen und Verbände auf der Karte „verheizt", keine Kernwaffeneinsatzplanungen betrieben oder ähnlich.

Das strategische Troposphären- Nachrichtensystem „BARS" des Warschauer Vertrages scheint die nachrichtentechnische Wunderwaffe, hier geplant, entwickelt und geführt, so mein Eindruck. Bis zur Wende 1990 hatte hier nicht einmal jemand Kenntnis von dem System. Es gab weder einen Bezug dazu, noch hätte man von hier mit einer Troposphärenfunkstation durch große Atompilze hindurch Nachrichten versenden können und direkte Nachrichtenverbindungen nach Moskau und Ost-Berlin gab es von hier auch nicht.

Ich fühle mich in einem anderen, fremden Bunker. Mit meinem Eintrittsgeld unterstütze ich zwar das Museum, bin am Ende enttäuscht, individuell lasse ich das den Museumsführer wissen. Er hat die Führung methodisch gut und interessant erzählend, durchgeführt. Mit Rücksicht auf seine Autorität stelle ich keine Fragen.

Andere Besucher mögen das anders sehen, fühlen sich gut informiert, fahren beeindruckt nach Hause. Ein Interesse an der Aufklärung des „geheimen Schatzes" oder an der militärischen Aufgabe der Anlage war nicht zu erkennen. Vielmehr interessierten die ingenieurtechnischen Ausbauten und technischen Einrichtungen.

Mich wird die Art und Weise der Vermittlung von Militärgeschichte der DDR noch lange beschäftigen, insbesondere dann wenn ich sie erlebbar gestaltet sehe, wie hier während der Besichtigung. Ich fühle mich herausgefordert zu reagieren und tue es kritisch. Gründe für meine Enttäuschung gibt es viele. Es sind nicht nur die Aussagen und Antworten o.a. Beitrages. Es ist auch die Verantwortung aller, ob als Zeitzeuge, Betreiber eines Museums, Autors usw., die wir gegenüber Besuchern, Interessierten, Lesern, der Nachwelt haben, das zu vermitteln und zu hinterlassen, was sich tatsächlich in der Geschichte vollzogen hat. Und mit dieser Verantwortung steht es nicht immer zum Besten.

Geheimnisse um die Anlage Kossa gibt es heute nicht mehr, sie alle sind gelüftet, auch die des „geheimen Schatzes", den es weder gab, noch der Anlage unterstellt werden kann.

Abschlussepisode (gehört/ unbestätigt): Irgendwann zu Zeiten der DDR haben zwei sowjetische Generale die Anlage besichtigt. Der Bericht eines Zeitzeugen darüber nach der politischen Wende ist die Geburtsstunde für den "geheimen Schatz".
 
 
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