Gehirnverschmutzung durch Google?
Anfang des vergangenen Jahrhunderts hielt die Industrialisierung Einzug in unsere Gesellschaft. Die Elektrifizierung wurde vorangetrieben, Plastik kam auf und eine Vielzahl der Grundlagen, die unser heutiges Leben ausmachen wurden gelegt. Der Vorteil dieser Errungenschaften liegt auf der Hand, doch die Kehrseite dessen ist ebenfalls unverkennbar. Die Umweltverschmutzung nahm von Beginn an ihren stetigen und verhängnisvollen Lauf. Umgeben von einer intakten Natur waren die Menschen blind für alle Nebenwirkungen der Industrialisierung. Das Wasser beispielsweise zu einem echten Problem werden könnte, war seiner Zeit vollkommen unvorstellbar. Menschen, die damals schon diese Entwicklung vorausgesehen hatten, wurden als dumm und überängstlich dargestellt. Erst jetzt, da Luft wenigstens scheinbar zum Problem geworden ist, wird sich die Gesellschaft der Gefahren bewusst und beginnt zu Handeln.
Es stellt sich aber auch die Frage, wie schlau die Menschen denn nun tatsächlich geworden sind und ob ähnliche Entwicklungen in unserer heutigen Medien und Informationsgesellschaft vermieden werden können.
Viele Menschen verbringen täglich mehrere Stunden vor dem Fernseher. Nicht nur, dass sie dadurch ein Stück ihres Lebens verpassen, sie haben auch ständig eine irreale Welt vor Augen. Doch die eigentliche Gefahr findet zwischen den Zeilen den Weg in unser Denken. Der Schauspieler spielt nur seine Rolle. Je besser und perfekter er das tut umso besser ist das tatsächlich auch für ihn, indem er dadurch mehr Gage verlangen kann. Einige Zuschauer arbeiten diese Tatsache unbewusst in ihre Denkstrukturen ein. Im Ergebnis meinen sie, sie könnten ungelernt bemerkenswerte Erfolge erzielen. Sie glauben, es sei nur eine Frage dessen, wie man sich äußerlich gibt. Wieder wird das eigentliche Problem nicht erkannt. Man redet zwar ständig vom lernen und das es der einzige Weg ist, weiß aber sehr wohl, dass Worte nichts bringen. So wird eine weitere, fehlgeleitete Gruppe von Menschen ihrer Fähigkeiten beraubt und fällt aus dem System.
Die Nebenwirkungen des Fernsehens sind eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem was uns möglicherweise das Internet der Zukunft bringt.
Das Problem heißt Google, Top-10 und Suchmaschinenoptimierung. Hauptsächlich Webseiten, die eine Google-gerechte innere Struktur aufweisen, werden in den Top-10 angezeigt und damit auch von Menschen gesehen. Das heißt heute, im Zeitalter des Web 3.0, werden
Webseiten vor allem so geschrieben, dass sie auch von Maschinen interpretiert und weiterverarbeitet werden können. Diese Maschine heißt dann im Wesentlichen Google, eventuell auch Bing.
Problematisch dabei ist, dass die Nutzer des Internets mit der Zeit diese für Maschinen gemachten Ansätze in ihre Denkstrukturen übernehmen und ihr Leben auf ihnen aufbauen. Das kann zu erheblichen inneren Konflikten führen. Es können Probleme mit dem Umfeld auftreten, weil fest verankerte Erwartungen nicht erfüllt werden. Es kann zu geistiger Verarmung führen, weil die Ansätze für Maschinen heute noch sehr primitiv sind und weil Menschen ihr Wissen gern auslagern. Später kann das Internet und der PC ins Zentrum unseres Daseins rücken, weil das Zusammenwirken von Mensch und Maschine für Einige ausgesprochen berauschende Züge annehmen kann.