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König Salomo - Mythos der Bibel

Autor: Rabast | Erstellt am: 21.02.2010 | Gelesen: 19427
Kategorie: Kunst - Kultur & Religion | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Salomo und Herodes - zwei Erbauer des Tempels in Jerusalem

Abraham von Schnorr von Carolsfeld
Abraham von Schnorr von Carolsfeld
Der Königshof mit seinem Reichtum hat zu allen Zeiten eine Faszination ausgeübt. In der deutschen Märchenvorstellung liegt das königliche Schloss hinter dem Wald, weit sichtbar herausgehoben auf einem Berg. Der König lebt in Reichtum und Luxus.

Der Märchenkönig ist sozusagen der Vorgänger der Lotto-Millionärs, der den Rest seines Lebens in einer Traumvilla verbringt. Geld ist im Überfluss vorhanden, Reichtum wohin man blickt. Ob mit oder ohne Reichtum, den Königshäusern der Gegenwart ist das Interesse der Massenmedien noch immer sicher.

Auch in der Bibel wird von einem prächtigen König erzählt. Es ist Salomo. Sein Vater David war auch schon König. Statt seinen Palast zu genießen, führte er immer Krieg. Die Zeichen des Krieges umgeben Salomo zwar auch, allerdings sind sie Zierde und vergoldet. Gold ist Symbol für Glanz und zeitlosen Wert. Salomo lebt in Luxus und Reichtum.

I.) Die Schilderung: Salomos Ruhm

Mit dem „Salomonischen Urteil" ist die Weisheit dieses Königs in die Geschichte eingegangen. Salomo beweist große psychologische Fähigkeit in seiner Funktion als Richter. Er beendet einen Streit zwischen zwei Frauen. Diese wohnten im gleichen Haus und hatten beide ein Kind geboren. Die eine Frau hatte ihr Kind im Schlaf erdrückt. Danach hatte sie ihr totes Kind mit dem lebenden der andern Frau ausgetauscht. In diesem Streit sollte der König Recht sprechen. Salomo deutet an, das lebende Kind mit dem Schwert zu halbieren, damit beide Frauen gleichen Anteil bekommen. In dieser Situation zieht die eine der Frauen ihren Anspruch zurück, damit das Kind am Leben bleibt. Salomo erkannte in ihr die wahre Mutter.

In der Malerei wird Salomo auch mit einem Instrument in der Hand dargestellt. Salomo war Dichter und Sänger. Etliche Psalmen im biblischen Buch Psalter werden Salomo zugeschrieben. Die Angabe im ersten Königsbuch (5,12) mit 1.000 Psalmen und 3.000 Sprüchen soll beeindruckend wirken.

Als beeindruckend schildert die Bibel auch Salomos Palast. Die Wände sind mit goldüberzogenen Schilden geschmückt. Salomo hielt prächtig Hof. Wie es in der Bibel heißt, übertraf Salomo „alle anderen Könige der Erde an Reichtum und Klugheit".

Obwohl es während seiner Regierungszeit keinen Krieg gab, leistete sich Salomo eine große Armee, das Statussymbol aller großen Herrscher der Welt. Genannt werden 1.400 Streitwagen mit 4.000 Pferden und 12.000 Wagenkämpfer. Solche Angaben tragen die Züge von märchenhafter Übertreibung.

Was wäre ein König ohne den Reichtum an Frauen? Überschwänglich nennt die Bibel Zahlen: Salomo hatte 700 Ehefrauen und 300 Nebenfrauen. Wir erfahren weiter „König Salomo hatte außer einer ägyptischen Prinzessin noch viele andere ausländische Frauen aus den Völkern der Moabiter, Ammoniter, Edomiter, Phönizier und Hethiter." Und dann gab es noch die Affäre mit der legendären Königin von Saba. Aus welchem Land mag die Dame stammen, die mit großem Gefolge an den Hof nach Jerusalem gereist kam? Die Königin von Saba konnte sich überzeugen. Es war nicht übertrieben, was sie im fernen Land über Salomos Hofhaltung gehört hatte. An Reichtum konnte sie mithalten. Sie schenkte ihm 85 Zentner Gold (im ersten Buch der Könige sind es sogar 120 Zentner), viele Edelsteine und so kostbares Öl, wie es nie wieder nach Jerusalem gelangte. Salomo seinerseits erfüllte der fremden Königin jeden Wunsch.

Der überschwängliche Bericht der Bibel spart nicht an Superlativen. Der Verbrauch von Lebensmitteln am Hof muss immens gewesen sein. Da werden täglich 750 Zentner Mehl verbraucht. Neben Geflügel und Rehen werden täglich 100 Schafe und 30 Rinder verzehrt. Hunger musste offenbar niemand leiden. Es fehlte an nichts.

Salomos größte Tat: der Tempelbau

Der Bau des Tempels in Jerusalem wird auf Salomo zurückgeführt. Die Zahl der Arbeiter versetzt in Staunen: 80.000 Steinbrecher waren in Judas Bergen tätig sowie 70.000 Lastträger für den Transport; dafür wurden 3.600 Aufseher gebraucht. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Es entstand der prächtigste Tempel in Jerusalem. Vorher gab es nichts Vergleichbares.

In dem neuen Gebäude wird das Heiligtum der Gesetzesreligion untergebracht: Die beiden Steintafeln mit den 10 Geboten. Sie stammen von Moses. Wurden sie bisher in einem provisorischen Holzkasten (Lade) aufbewahrt, so finden sie von nun an in einem Tempel einen würdigen Platz. Sie werden im Allerheiligsten aufbewahrt, einem Innenraum des Tempels, der nicht öffentlich zugänglich ist.

Zur Ausstattung dieses Raumes gehören zwei große Keruben. Sie breiten ihre Flügel über den Gesetzestafeln aus. Diese Engelsfiguren waren mit Gold überzogen."

II.) Die Interpretation: Ein Anachronismus

Die biblische Schilderung des König Salomo und seiner Taten trägt unrealistische Züge oder ist eine phantasievolle Übertreibung. Das lässt uns nach Gründen fragen. Beginnen wir bei den zuletzt genannten Engelsfiguren. Wie kommen die Kerubenfiguren, die doch erst ein halbes Jahrtausend später bei Esra auftauchen in den Tempel des Salomo?

Die Keruben stammen aus der Geisteswelt Mesopotamiens. Ezechiel hat sie in die Bibel gebracht. Er beginnt sein Buch mit der Landung Gottes in einem Raumfahrzeug. Dieses wird von vier Keruben gelenkt. Diese Chauffeure und Bodyguards des Höchsten finden sich als figürliche Darstellungen im Allerheiligsten des salomonischen Tempels. Eine Darstellung der geflügelten Gestalten ist erlaubt. Es ist jedoch untersagt, ein Abbild von Gott selbst zu machen.[1]

Nehmen wir einmal an, die Königsdynastie David mit seinem Sohn Salomo hat um das Jahr 1000 v.Chr. regiert. Den angenommenen Einheitsgott Israels hat es um diese Zeit noch nicht gegeben! Der Monotheismus ist erst eine Entscheidung der abrahamitischen Religion aus dem 5.Jahrhundert. Ein historischer Salomo hat alle möglichen Götter Palästinas verehrt. Er hat mehrfach mit dem Wechsel der Frau die Verehrung eines Gottes gewechselt. Für verschiedene Götter hat er ein Heiligtum errichtet. Das Königsbuch nennt Kemosch, den Gott der Moabiter, Milkom, den Gott der Ammoniter und Astarte, die Göttin der Phönizier. Für die abrahamitische Religion ist das Wichtige an dieser Überlieferung, dass der Erbauer des Tempels in Jerusalem als Vorbild erscheint. Salomo wird zum bedeutendsten König auf der ganzen Erde hoch stilisiert.

Die Erzählung von Salomos Tempelbau ist ein typisches Beispiel für die Neuinterpretation älterer Überlieferungen, ein „Umbruch der Religion" [3]ii. Wir können davon ausgehen, dass es mündliche Erzählungen über einen König Salomo aus grauer Vorzeit gegeben hat.

Auch bedeutet Mythos nicht automatisch, dass der Protagonist überhaupt nicht existiert hat. Doch ist der historische Kern eines Salomo sehr viel nüchterner zu sehen.[2] Aus dem Blickwinkel der abrahamitischen Religion wird etwa um das Jahr 500 v.Chr. herum eine alte Erzählung dichterisch neu gestaltet. Sie wird zu einem Lobpreis auf Salomo.

Der literarische Zweck der Bearbeitung ist erkennbar: Sie wurde zur Werbung gebraucht.

Der Tempelbau ist das Ziel der abrahamitischen Religion

Wir müssen die mythologische Darstellung des Salomo in dem Kontext der historischen Entstehung der abrahamitischen Religion sehen. Wir vergegenwärtigen uns: Es ist das Ziel und der Glaubensinhalt der abrahamitischen Religion in Babylon, den Tempel in Jerusalem zu bauen. Die Dichtung der abrahamitischen Religion verbiegt ein historisches Faktum. Sie stellt es in ihren Dienst. Den Gläubigen, die für die abrahamitische Religion gewonnen werden sollen, muss verdeutlicht werden, dass ihr alleiniger Gott bereits früher verehrt wurde. Auch wenn das historisch gesehen nicht richtig ist. Den abrahamitischen Gott gibt es erst seit dem 5. Jahrhundert. Historisch betrachtet baut Salomo einen Tempel für einen Gott, den es noch gar nicht gibt. Er schmückt diesen Tempel mit den Engeln, die einem Esra erst 500 Jahre später erschienen sind.

Offene Fragen

Es stellen sich einige weitere Fragen. Aus welcher Zeit mag die sogenannte „Lade" stammen? Auf ihr werden ebenso die beiden geflügelten Kerubenfiguren postiert, wie im Allerheiligsten des Tempels. Mutet es nicht ein wenig seltsam an, dass ein wichtiges heiliges Objekt Jahrhunderte lang in einem Provisorium zugebracht haben soll? Doch aus welcher Zeit stammt die Lade? Aus welcher Zeit stammen die Gesetzestafeln vom Sinai? Von welchem Zeitpunkt an braucht das Volk Gottes diese Gesetze, um in einer gottesstaatlichen Ordnung zu leben? War die Lade ein Vorläufer des Tempels in Jerusalem. Oder bekommt sie nur Patina eines hohen Alters in der Erzählung?

Ausführlicher gehe ich in meinem Buch „Umbruch der Religion" [3] auf die Konturen der abrahamitischen Religion ein.

König Herodes

In einer Abhandlung über Salomo darf ein Blick auf Herodes den Großen nicht fehlen. Dieser hat in Form eines Bauwerks das geistige Vermächtnis der abrahamitischen Religion erfüllt.

Herodes steht am Ende des Zeitabschnitts der abrahamitischen Religion. Er hat den bis dahin eher bescheidenen Jerusalemer Tempel niedergelegt und nach umfangreichen Planierungen einen neuen und größeren Tempel errichtet. Die Einweihung fand etwa um das Jahr 10 v.Chr. statt. In der Realität war dieser der größte Tempel aller Zeiten in Jerusalem. Man muss ihn als baulichen Höhepunkt der zu Ende gehenden abrahamitischen Religion einstufen. Das heutige Judentum verehrt die letzten erhaltenen Grundmauern dieses herodianischen Tempels als Heiligtum. Die "Klagemauer" steht symbolisch für den Tempel Salomos.

Der schlechte Ruf des Königs Herodes stammt aus dem Urchristentum. Mit der Story vom "Kindermord in Bethlehem" des Evangelisten Matthäus hat man ihm den Stempel des blutrünstigen Herrschers eingebrannt. Aber auch das Judentum sieht keinen Anlass, diesem letzten großen Herrscher aus der Zeit der abrahamitischen Religion besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Mit der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n.Chr. geht die Epoche der abrahamitischen Religion endgültig zu Ende.

[1] Jochen Rabast, Engel im Gepäck. Spuren zum Alten Testament, 2009 ISBN 9783837205626
[2] Israel Finkelstein/ Neil Asher Silbermann, David und Salomo, Archäologen entschlüsseln einen Mythos ISBN 340654765
[3] Jochen Rabast, Umbruch der Religion. Von der abrahamitischen Religion zu Judentum, Christentum, Islam, Books on Demand, 2010 ISBN 9783839136829


Dr. Jochen Rabast
 
 
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