Knochenaufbau für Implantate - DC1
Erst einmal vorweg: Der Knochenaufbau ist nicht immer notwendig! Zwar muss ausreichend Knochenvolumen vorliegen (5 mm Breite und 8 mm Höhe), um ein Implantat zu pflanzen, aber häufig sorgt der Körper für den Aufbau ganz von allein. Geht ein Zahn verloren, wartet man im Durchschnitt drei bis sechs Monate, bevor ein Implantat eingefügt wird. Dieses ist die Zeit, die man dem Körper zur Bildung neuer Knochensubstanz gibt. Reicht das neue Knochenvolumen nach diesem Zeitraum nicht aus, erst dann wird ein Knochenaufbau für Implantate von Notwendigkeit.
Womit wir beim vom Patienten gefürchteten Thema angelangt wären: der Knochentransplantation. Denn ist das Knochendefizit sehr groß, erfolgt der Knochenaufbau häufig durch die Entnahme von körpereigenem Gewebe aus dem Unterkiefer-, Kinn- oder Weisheitszahnbereich oder aus dem Beckenkamm. Dieser chirurgische Eingriff ist ein größerer und auch nicht schön zu reden: Der gewonnene Knochen wird mit speziellen Schrauben fixiert und muss in der Regel mehrere Monate einheilen. Hinzu kommt, dass bei einem Knochentransplantat aus der Hüfte neben dem Kieferkammaufbau eine zweite Operation erforderlich ist. Von Seite des Patienten ist in diesem Fall sehr viel Geduld gefragt!
Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle die humane Knochenmatrix bleiben. Diese ist seit 2002 in Deutschland erhältlich und wird aus den Knochen von Spendern gewonnen. Mit ihr kann bereits auf einen der chirurgischen Eingriffe verzichtet werden. Sie zählt zu den Knochenersatzmaterialien, wie es auch noch viele andere alternative Substanzen gibt.
Und jetzt kommen wir zu dem Aspekt, dass es teilweise in der Implantologie auch einfacher geht! Denn mit dem Zurückgreifen auf Ersatzmaterialien kann die Knochentransplantation in vielen Fällen umgangen werden. Was sind Ersatzmaterialien? Zum einen zählen zu ihnen Substanzen tierischer Herkunft (Rind, Schwein). Zum Knochenaufbau für Implantate werden mit ihnen gute Erfolge erzielt. Da jedoch der Gedanke an tierische Materialien im eigenen Körper bei vielen Menschen zu Bedenken führt, entwickelte man Alternativen, die sich in der Implantologie ebenfalls bewährten. Zu diesen gehören Ersatzmaterialien aus Algen sowie synthetische Knochenersatzmaterialien aus dem Labor. Mit allen liegen gute Erfolge vor.
Zusammenfassend kann damit gesagt werden, dass der eigene Knochen, der z. B. durch Absaugen beim Bohren oder durch kleinere Bohrungen im Kieferknochen gewonnen wird, zum Knochenaufbau für Implantate häufig ausreicht. Bei größeren Mengen fehlender Substanz ist Knochenersatzmaterial, im Vergleich zur Knochentransplantation (aus der Hüfte), die kostengünstigere und weniger invasive Alternative.
Unerwähnt möchte ich in diesem Zusammenhang nicht lassen, dass viele Implantologen die Ansicht, vertreten, dass der eigene Knochen in jedem Fall das beste Mittel der Wahl ist, und dass Ersatzmaterialien (ab einem bestimmten Volumen an Aufbaufläche) Grenzen gesetzt sind.
Doch zugleich sollten Sie wissen, dass mit neueren Implantaten immer häufiger ganz auf Kieferaufbauten verzichtet werden kann!
Somit bleibt der Knochenaufbau für Implantate ein individuelles, am Befund orientiertes, Thema. Wichtig ist jedoch, dass Sie sich nicht aus Angst vor Operationen gegen ein Implantat entscheiden, bevor Sie umfassend informiert wurden. Denn eines ist sicher: Ein Implantat erfordert viel Geduld, das ist unbestritten, aber es sorgt auch für das beste Wohlbefinden, das wir Ihnen zahnmedizinisch aktuell bieten können.
Dr. med. dent. Hubert Litter (Master of Science für Implantologie, Master of Science für ästhetisch-rekonstruktive Zahnmedizin)