3 Keramikmesser von Böker im Messerblock
Keramikmesser werden oft als Alternative für herkömmliche Kochmesser aus Stahl genannt. Wegen Ihrer Schärfe, wegen der Tatsache, dass sie nicht nachgeschärft werden müßten. Ist diesen Werbeversprechen zu glauben? Das häufigste Gegenargument ist die hohe Bruchgefahr, wenn es einmal hinfällt, dann zerspringt es - so heißt oft bei den Zweiflern.
Meine Erfahrungen mit Keramikmessern sehen folgendermaßen aus:
Ein Keramikmesser ist auf jeden Fall eine sinnvolle Erfahrung zum normalen Kochmesser aus Stahl, allerdings muß man sich über einige Einschränkungen im Klaren sein.
Die heutigen Keramikmesser sind High-Tech Produkte. Wenn man Keramik hört, dann denkt man erst mal an die Haltshaltskeramik, an Vasen und Schüsseln. Damit haben die Keramikmesser aber überhaupt nichts zu tun. Die für die Messer verwendete Keramik muß man eher mit Produkten in Zusammenhang bringen, wo große Härte verlangt wird, etwa in der Medizintechnik, im Automobilbau und in der Luft- und Raumfahrt. Die Klingen bestehen in erster Linie aus Zirkoniumdioxyd, sie werden unter hohem Druck und bei hohen Temperaturen gefertigt. Die so erreichte Härte übertrifft die Härte von Stahl und sorgt für eine hohe Schärfe. Weiterhin ist ein Nachschärfen nicht mehr wie bei Stahlmessern nötig, denn die Härte bedingt ein sehr langes Andauern der Schärfe.
Werbeversprechen von lebenslanger Schärfe dürften allerdigs etwas übertrieben sein. Nach meiner Erfahrung muß man schon nach einiger Zeit die Schärfe erneuern, dies ist bei meinen Messern, die ich täglich benutzte, etwa nach einem Jahr der Fall. Ein Stahlmesser muß bekanntenmaßen bei ständiger intensiver Bentzung, fast täglich nachgeschärft werden.
Ein großer Vorteil ist das geringere Gewicht im Gegensatz zu herkömmlichen Messern. Die Leichtigkeit ist schon ein sehr gutes Argument, wenn man viel in der Küche arbeitet, da geht das Schneiden wesentlich einfacher.
Die große Härte und Schärfe bedingen im Gegenzug auch die schon eingangs genannte Bruchgefahr. Weicherer Stahl ist biegsamer und somit weniger bruchgefährdet. Die sehr harte Keramik muß deshalb mit Überlegung benutzt werden. Wenn ein Keramikmesser auf den Boden fällt, dann ist es nicht in jedem Fall zerbrochen. Es muß schon sehr ungünstig auf einen sehr harten Bodenbelag aufschlagen. In vielen Fällen, etwa auf weicheren Holz- Kork- oder Kunststoffböden passiert oft überhaupt nichts. Auf Steinböden ist die Bruchgefahr natürlich höher.
Wen nun etwas passiert, dann ist das nicht immer ein Totalverlust. Oft sind nur kleine Ausbrüche zu verzeichnen, die man wieder beischleifen, reparieren kann. Die führenden Hersteller von Keremikmessern bieten da meist einen Schleifservice an. Dieser Schärfservice ist zudem bei manchen Herstellern (für von ihnen hergestellte Messer natürlich) kostenfrei, bitte erkundigen Sie sich bei Ihrem Händler. Es fällt lediglich Porto an.
Dann ist beim Arbeiten zu beachten, dass man das Messer nicht verkantet, dass man nichts hartes wie Knochen bearbeitet und immer eine vernünftige Schneidunterlage - ein Schneidbrett aus Holz oder Kunstoff - benutzt. Dieser Hinweis gilt übrigens nicht nur für Keramikmesser sondern auch für jedes hochwertige Messer in der Küche.
Bei Beachtung der Hinweise und wenn Sie mit den Einschränkungen leben können, dann werden Sie mit einem
Keramikmesser viel Freude haben.