Weihnachten ist für die meisten ein Fest der Besinnung und des Friedens. Plätzchen werden gebacken und Geschenke besorgt und übergeben. Für so manch einen gehört auch der Kirchgang dazu und der Besuch eines Weihnachtsmarktes ist dabei.
Für Kinder, die in
Pflegefamilien aufwachsen, ist dieses Fest jedoch der pure Stress. Sie sind aus ihren
Herkunftsfamilien genommen worden, weil eben diese Selbstverständlichkeiten für sie nicht dazu gehörten. Oft haben sie nicht genug zu essen gehabt, sind bei fremden Menschen herum gereicht worden und
Harmonie ist ein Zustand, den sie nie kennen gelernt haben. Schlimmstenfalls sind sie vernachlässigt und/oder missbraucht worden und haben an ihre Kindheit und an
Weihnachtsfeste die schlimmsten
Erinnerungen. Wen wundert es da, dass sie mit der Situation zu Weihnachten nicht zurecht kommen? Sie können schöne, harmonische Situationen nicht ertragen und tun alles dazu, um sie zu zerstören. Sie reagieren nervös, aggressiv und ungehalten. Auch das ruhige, harmonische Beisammensein in der
Familie ist ihnen fremd und sie tun alles, um immer im Mittelpunkt zu stehen.
Pflegeeltern sind sich dieser Tatsache durchaus bewusst und versuchen, die Situation zu entschärfen. So gibt es wenig, dafür aber
sinnvolle Geschenke, die alters- und entwicklungsentsprechend sind. Es kommt nicht auf den Wert an, sondern darauf, ob sie mit den Geschenken umgehen können.
Leider finden es
Jugendämter auch häufig angemessen,
Pflegekinder Weihnachten bei ihren
leiblichen Eltern verbringen zu lassen. Dadurch kommen die Kinder in genau die Situation, wegen der man sie von der
Herkunftsfamilie getrennt haben. Die Wiedereingewöhnung in die
Pflegefamilie nach den Festtagen bereitet den meisten deshalb auch große Schwierigkeiten.
Der Autor
LehrerGehrke hat in seiner Geschichte über traumatisierte Pflegekinder unter dem Titel
Traumaweihnacht eine Situation beschrieben, die bei Kindern zu
seelischen Verletzungen führt, die sie ein Leben lang nicht loswerden. In berührenden Worten schildert er seine eigenen Erfahrungen mit dem Weihnachtsfest, das immer von
Entbehrungen seiner Eltern aus dem
Weltkrieg geprägt war und stellt sie der realistischen Geschichte von Kindern gegenüber, die am Weihnachtsfest einen
Mordanschlag im Elternhaus miterleben mussten. Er beschreibt detailliert die Folgen, die sich für die Kinder und die Pflegefamilie ergeben und stellt zum Schluss die Frage nach der
Professionalität, die den
Pflegeeltern immer wieder abverlangt wird. Für
Lehrer,
Erzieher und Mitarbeiter des
Jugendamtes ist diese Beschreibung ein Lehrstück für das Verständnis von
traumatisierten Kindern.
Ralph Gehrke