Gefährlicher als jede Schlange ist der Mensch
Man mag meinen, dass die Kenntnis gefährlicher Tiere und Pflanzen, für einen Thailand-Aufenthalt ausreicht. Weit gefehlt! (Und wer über einen Thailand-Urlaub nachdenkt, für den kann das nachfolgende nützlich sein.) Das gilt natürlich auch für einen Bauchredner und Zauberer (
www.dr-brimborius.de), dessen Tätigkeit ohnehin zum Stein des Anstoßes werden könnte.
Religion, Politik und Sitten sind in Thailand nicht nur anders als in Europa. Sie verlangen auch ein durch Erziehung und Übung antrainiertes Verhalten. Es gehört wenig Phantasie dazu, sich auszumalen wie hierzulande ungeeignete Handlungen in Bezug auf Religion, Politik oder Sitten zu ernsthaften Konsequenzen führen, bzw. sogar strafrechtlich geahndet werden. Das ist in Thailand analog, mit dem Unterschied, dass 'Otto Normalverbraucher' nicht unbedingt erkennt, worauf es in Thailand ankommt.

1) Dem Buddhismus begegnet man in Thailand mit vielen Tempeln und Skulpturen, Abb. 4. Um nichts falsch zu machen ist es auch hier am besten zu fragen, ob man etwa fotografieren darf. Wie in Europa gilt: nichts anfassen, nicht auf Skulpturen oder religiöse Anlagen klettern wollen, richtige Kleidung (Herr – lange(!) (Stoff-)Hose, Frau – Knie und Dekolletee und Schultern bedeckt). Das für Thailänder seltsame Wesen 'Ausländer' hat zwar einige 'Narrenfreiheiten', aber eine Anpassung an die Landessitten wird geschätzt und vereinfacht das Leben in Thailand ungemein.

Für europäische Verhältnisse eher ungewöhnlich sind die Geisterhäuschen,
Abb. 5.Die Geister dürfen vielleicht als Teil der Natur aufgefasst werden, der durch menschliche Bauten der Natur weggenommen wird. Diese Wegnahme für menschliche Zwecke soll durch Freundlichkeit, auch Nahrungsspenden für die Geister in friedliche Bahnen gelenkt werden. Beim Tsunami, der (am 26. Dezember 2004) 231 000 Menschenleben forderte, zeigte sich, dass die 'Natur' zurückschlagen kann und man ihr mit einer Mischung von Achtung und Vorsicht zu begegnen hat. Daher hat man die unbekannte, weitgehend unberechenbare Macht zu achten.

Ähnlich ist es mit dem Treten auf Türschwellen, was man vermeiden soll ( dort ist der Sitz von Geistern). Auch betritt man Privaträume oder die Apotheke oder die von mir genutzte Bühne ohne Schuhe. Die
Abb. 6. zeigt die von einem Mönch weg geschubsten Schuhe, die eben nicht auf der selben Fläche wie die Heiligtümer stehen dürfen.
Man kann davon ausgehen, dass die sprichwörtlich thailändische Sanftmut in unversöhnliche Aggression umschlagen wird, wenn das, was einem Thailänder heilig ist, missachtet wird. Die in einem Internetform beschriebene Verwunderung und Enttäuschung über aggressives Verhalten von Thailändern hatte ihr Ursache in einer nicht begriffenen Missachtung Thailändischer Sitten durch 'Farangs' (westliche Ausländer).
2) Der König und das
Königshaus sind entsprechend ihrer Stellung zu achten. Es wird empfohlen, nicht mit einem Fuß auf einen Geldschein zu treten, weil auf diesem der König abgebildet ist. Abb. Zaubertricks, bei denen der Geldschein verbrannt oder zerrissen wird, sollte man lieber nicht mit Thailändischen Banknoten vorführen.
Die
Nationalhymne Thailands wird jeden Morgen (8.00 Uhr) und Abend (18.00 Uhr) und vor bestimmten Veranstaltungen intoniert. Hier folgt man am besten dem Vorbild der Thailänder. Die Thailändische Nationalhymne kann man sich im Internet vorab anhören, um sie zu erkennen und um festzustellen, dass der Komponist eine für uns melodisch eingängige Hymne komponiert hat. (Der Komponist war laut Wikipedia Sohn eines deutschen Emigranten und einer thailändischen Mutter.)
3) Es ist dem Ansehen abträglich, wenn man unkontrollierte, oder gar heftige Emotionen zeigt, etwa schreit, wild gestikuliert usw.
Ein angesehener Mensch ist mit sich und der Welt im reinen und tritt anderen Menschen mit einem offenen, freundlichen Lächeln entgegen. Dieses Lächeln verhindert das Aufkommen von Konflikten, schafft eine harmonische zwischenmenschliche Stimmung und ist für das zwischenmenschliche Zusammenleben mehr als förderlich. Mit der Zeit konnte man erkennen, ob der Gesprächspartner Thailänder oder zum Beispiel Kellner aus Burma, Schneider aus Indien oder Verkäuferin aus Nepal war.
Das Lächeln Thailands ist einzigartig und überzeugend und gekoppelt mit Freundlichkeit und Höflichkeit. Ich hoffe, dass ich das so weit verinnerlicht habe, dass ich mich auch die nächsten 200 Jahre ;-) in Deutschland daran erinnern werde.
Ich möchte Ihnen das an einem (von vielen erlebten Beispielen) verdeutlichen: Beim Fehlen von zwei Handtüchern habe ich mich bemüht, mich möglichst landestypisch an der Rezeption zu verhalten. Für die Kommunikation verwendete ich eine Mischung aus englisch und einigen Worten thailändisch:
„Das Zimmer ist wieder sehr schön.. Heute sind nur zwei Handtücher im Zimmer. Das ist nicht so schlimm („mei pen rei" , 'ei' wie wie das Wort 'Ei' zu sprechen). Kann ich noch zwei Handtücher erhalten?" Die Antwort war: „ja natürlich, ich schicke gleich jemanden vorbei." Fünf Minuten später erschienen zwei Angestellte und übergaben mit einer leichten Verbeugung die gewünschten Handtücher. Mit einem Lächeln, freundlicher, leichter Verbeugung und dem Wort Danke („kopp kun kapp") nahm ich die Handtücher entgegen und alles war in Ordnung.
Wie wäre das in Deutschland?Gast: „Ihre Zimmermädchen haben zwei Handtücher zu wenig gebracht."
Dame an der Rezeption: „Ich lasse Ihnen welche bringen:"
Das Zimmermädchen kommt mit dem Gesichtsausdruck einer gerade erhaltenen, unfreundlichen Belehrung und sagt: „die beiden Handtücher."
Die Antwort des Gastes wäre ein kurzes „Danke" oder ein „wird aber auch Zeit".
Und damit hätten Sie das erreicht, was Sie bestimmt nicht wollten: Das Zimmermädchen würde Sie am liebsten umbringen.