Kaum vom republikanischen Präsidentschaftskandidaten MC Cain als Vizepräsidentin nominiert schon wird die gute Sarah Palin Großmutter. Normalerweise ein Grund zur Freude, besonders im Konservativen christlichen Milieu der republikanischen Partei der USA, wenn da nicht ein kleiner Makel wäre.
Die Tochter und werdende Mutter Bristol Palin ist erst 17 Jahre jung und die zukünftige Großmutter Sarah Palin gilt als Erzkonservativ. Sie ist strikte Gegnerin des Rechts auf Abtreibung und bekämpft jegliche Form sexueller Aufklärung in Schulen. Und jetzt das, die eigene Tochter ist Schwanger und dazu auch noch unverheiratet. In den Augen der strammen christlichen Rechten eigentlich ein klares Zeichen das die Eltern mit ihrer Erziehung versagt haben und kaum eine Qualifikation für ein hohes politisches Amt.
Doch die Konservativen sind bekanntlich Meister im Probleme unter den Tisch kehren. Und so versuchen die Pressesprecher alles um das Desaster ins Gegenteil zu verkehren. Sie verbreiten, dass sich die Familie außerordentlich über die gute Nachricht freue und die Tochter selbstverständlich den Kindsvater heiraten wird. Also alles in bester Ordnung.
Das Bristol Palin nur die mediale Spitze von jährlich mehreren tausend ungewollter Teenager Schwangerschaften in den USA ist, darüber wird nicht gesprochen. Auch nicht das die meisten werdenden Mütter nicht in einem solch „gutbehüteten Umfeld" ablaufen, wie bei der Familie der Vizepräsident Kandidatin. Der größte Teil der Teenager Schwangerschaften geschieht im Umfeld der Weißen und Schwarzen Unterklasse. Die meisten jungen Mütter und betroffenen Väter haben keine Ausbildung, kein Geld und mit einem Baby im Arm auch keine Zukunft. Sie vergrößern lediglich die ohnehin schon große amerikanische Unterschicht, die schon lange den Traum vom Tellerwäscher zum Millionär, ausgeträumt hat. Ganz abgesehen davon das die wenigsten Väter bei den von ihnen geschwängerten Mädels bleiben und lieber abhauen.
Ein Grund für die vielen Teenager Schwangerschaften ist die mangelhafte Aufklärung in den Schulen. Dazu kommt eine sehr starke, von den rechten Christen geprägte Bewegung gegen Sex vor der Ehe. Hundertausende Jugendlicher haben bereits gelobt erst in der Hochzeitsnacht Sex zu haben. Äußerliches Zeichen ist ein Ring der zeigt das man zu seinem Wort steht. Das so ein Gelöbnis keinen Wert hat, wenn man frisch verliebt ist und die Hormone ihr Recht fordern, zeigt das Beispiel Bristol Pallin.
So ist diese Schwangerschaft ein Paradebeispiel für die verlogene Moral der konservativen Rechte. Die Führer haben immer das Geld im Notfall ihren Notgeilen Gören aus der Patsche zu helfen. Die Hundertausenden betroffenen Mütter der Unterklasse müssen jedoch selber sehen wie sie mit den ungewollten Kindern zurechtkommen.
Doch wer nun glaubt was geht uns das, ist mir doch egal? In unseren Schulen gibt es doch Sexualaufklärung Unterricht. Außerdem ist es schon lange kein Makel mehr ledig Mutter zu werden. Und heiraten muss auch niemand mehr deswegen.
Doch nach dem wir Pabst sind und auch bei uns wieder mehr über Religion und christliche Werte diskutiert wird, gibt es inzwischen auch Ableger der „kein Sex vor der Ehe" Kampagne aus den USA. Und Politiker wie der Thüringische Ministerpräsident Althaus bekennen sich ganz offen zu den Wertkonservativen Vorstellungen der rechten Christen der USA.
Die Zahlen ungewollter Schwangerschaften steigen auch bei uns und anstatt über eine bessere Aufklärung in den Schule zu sprechen wird inzwischen von einigen Meinungsmachern wieder ganz offen über eine Rückkehr zu den traditionellen christlichen Werten und eine Einschränkung des Rechts auf Abtreibung gefaselt. Das in der guten alten Zeit tausende schwangere Frauen bei missglückten Abtreibungen ums Leben gekommen sind und die beschworene christlichen Werte in Sachen sexueller Enthaltsamkeit noch nie funktioniert haben wird verschwiegen.
Wenn wir heute das heuchlerische Verhalten der möglichen Vizepräsidentin Binden belächeln versuchen bei uns wertkonservative Christen ihre veralteten Moral und Wertvorstellungen auch bei uns wieder mehr Gewicht zu verschaffen.
Populisten wie die ehemalige Tageschausprecherin Eva Herrmann oder der ZDF Kolumnist Dieter Hahne sind die Speerspitze dieser Bewegung. Vordergründig auf die moralische Erneuerung unserer Gesellschaft aus geht's in Wirklichkeit zurück ins Mittelalter. Dann heißt es wieder der Teufel ist Schuld wenn ein Mädchen Schwanger wird und eigentlich gehört die dann zur Abschreckung auf den Scheiterhaufen.