Standortindikator Kaufkraft
Die Kaufkraft ist die wichtigste Kennziffer zur regionalen Potenzialbestimmung. Kaufkraft alleine sichert aber noch keinen Markterfolg, aber ohne Kaufkraft sind alle Marketingmaßnahmen umsonst. Im Vordergrund steht die einzelhandelsrelevante Kaufkraft.Der Umsatz mit höherwertigen Verbrauchs- und Gebrauchsgütern sowie mit Reisen und Dienstleistungen, Immobilien, die Nutzung von Freizeitangeboten, der Kauf von Neuwagen etc. sind unmittelbar abhängig von der Höhe der Kaufkraft. Deshalb eignet sich die Kaufkraft zur regionalen Potenzialberechnung für alle Unternehmen, die direkt oder indirekt an den Endverbraucher verkaufen. Grundsätzlich ist bei der Verwendung von Kaufkraftkennziffern als Indikatoren zu prüfen, ob der Absatz eines Produktes oder einer Dienstleistung auch tatsächlich primär vom verfügbaren Einkommen der Wohnbevölkerung abhängt. Gegebenenfalls sind noch weitere Einflussfaktoren zu berücksichtigen. In vielen Fällen empfiehlt sich die Berechnung einer speziellen Absatzkennziffer.
Die Kaufkraft ist der wichtigste Indikator für das Konsumpotential der am Standort lebenden Wohnbevölkerung.
Vgl. hierzu insbesondere Becker, Jörg: Standortindikatoren I., ISBN 978 3 8391 1823 8Entwicklungstendenzen im Konsumverhalten:- - Wunsch nach Bequemlichkeit und Zeiteffizienz (z.B. Bringservice, E-Commerce)
- - Wunsch nach dem „Besonderen" (wachsende Anzahl von Individualisten und
Genießern (z.B. Luxus-, Nostalgie-Produkte)- - Einkaufen als Teil der Freizeit (z.B. ergänzende Sport-, Kultur-,
Gastronomieangebote erwünscht)- - hohe Qualitätsansprüche (z.B. Service, lange Garantiezeit)
- - zunehmende Bedeutung der Inhäusigkeit („Cocooning": z.B. höhere Ausgaben für Wohnungsausstattung
- - preisbewusstes Einkaufen als Reaktion auf wirtschaftliche Zwänge
Bei der einzelhandelsrelevanten Kaufkraft werden alle Ausgaben, die nicht in den stationären Einzelhandel fließen (z.B. Mieten, Versicherungen, Autokosten, Heizung, Reisen usw.) aus der Kaufkraft heraus gerechnet. Damit ist die einzelhandelsrelevante Kaufkraft vor allem relevant als Potentialausgabe für den stationären Einzelhandel mit Konsumartikeln. Sie kommt vor allem bei Einzugsgebietsanalysen, Standortplanung im Einzelhandel zum Einsatz.
Vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Altersstruktur der Bevölkerung gelten Senioren als kaufkräftige, qualitätsbewusste und kritische Konsumenten. Dabei bedürfen sie keiner Etikettierung und Sonderbehandlung, die sich an den oft nur vermeintlichen Defiziten älterer Menschen orientiert. Erforderlich sind vielmehr entsprechend gestaltete Einkaufsmöglichkeiten und eine Service- und Beratungsqualität, die den Ansprüchen dieser Kundengruppe gerecht wird. Hiervon können Fachgeschäfte mit gehobenen Angeboten, benutzerfreundlichen Produkten, guter Servicequalität und einer übersichtlichen Geschäftsausstattung profitieren.
Dipl.Kfm. Jörg Becker (www.beckinfo.de)