Indikator für Standortvergleich
Die Anwendung von Kaufkraftkennziffern erfolgt insbesondere für Standortforschung, Kontrolle der regionalen Potenzialausschöpfung, Vertriebsplanung, Marktreservenanalyse, Umsatzplanung.Kaufkraft ist ein bestimmender Indikator zur Beurteilung von Entwicklungspotenzialen eines Standortes.Die Kaufkraft ist sowohl in einzelnen Teilgebieten Deutschlands als auch im Vergleich zu anderen Ländern insgesamt sehr unterschiedlich. Eine Standortanalyse ohne entsprechende Kaufkraftanalyse bleibt ein Torso. Denn die Kaufkraft ist ein bestimmender Indikator zur Beurteilung von Entwicklungspotenzialen eines Standortes. Der Begriff „Kaufkraft" umfasst all jene Einkommensteile, die den privaten Haushalten tatsächlich zur Verfügung stehen und ist besonders dort von Bedeutung, wo es sich um ausgesprochene Konsumartikel handelt. Die Kaufkraft ist am Wohnort der Einkommensbezieher erfasst: Nettoeinkommen (aus unselbständiger und selbständiger Arbeit, aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, Kapitalvermögen und Vermietung/Verpachtung), Gemeindeanteile an der Lohn- und Einkommensteuer, Renten und Pensionen, Arbeitslosengeld und –hilfe, Kindergeld, Sozialhilfe, Wohngeld. Kaufkraftziffern sagen nichts darüber aus, wo dieses Geld ausgegeben wird. Insofern dürfen Kaufkraft-Kennziffern nicht mit Umsatzkennziffern oder anderen auf die Umsätze des Handels bezogenen Kennziffern verwechselt werden.
Basis für die Berechnung der Kaufkraft sind Ergebnisse der amtlichen Lohn- und Einkommensteuerstatistik, die in regelmäßigen Abständen von den Statistischen Landesämtern veröffentlicht wird. Hier sind alle Einkünfte aus nichtselbständiger und selbständiger Arbeit als Bruttoeinkommen sowie Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung für jede einzelne Gemeinde der Bundesrepublik nachgewiesen. Davon müssen die Lohn- und Einkommensteuern abgezogen werden, um den Nettobetrag zu erhalten. Damit ist die Kaufkraft noch nicht vollständig: d.h. die Lohn- und Einkommensteuerstatistik wird um die staatlichen Transferleistungen wie Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe, Kindergeld, Wohngeld, BaföG, Sozialhilfe, Renten und Pensionen ergänzt. Schließlich müssen die Ergebnisse dieser Auswertungen mit volkswirtschaftlichen Informationen von Wirtschaftsforschungsinstituten und deren Prognosen für das laufende Jahr verknüpft und in das aktuelle Jahr projiziert werden.
Die Kaufkraft ist der wichtigste Indikator für das Konsumpotential der am Standort lebenden Wohnbevölkerung.
Vgl. hierzu insbesondere Becker, Jörg: Standortindikatoren I., ISBN 978 3 8391 1823 8
Dipl.Kfm. Jörg Becker (www.beckinfo.de)