S.Oehm und U.Nies im Gespräch
Sigi Oehm, freie Autorin, im Gespräch mit Uli Nies, Tarot & Intuitive life-coach, über Kartenlegen, Astrologie, TV-Astro-Shows und Spiritualität.Herr Nies, Sie beschäftigen sich mit Tarot, wie kamen Sie dazu?
Es fing alles eigentlich damit an, dass ich eine astrologische Lebensanalyse bekam, und mich darin sagen wir zu 80% wiedererkannte.
Das veranlasste mich dazu, mich genauer mit der Astrologie zu befassen. Da ich jedoch auch ein skeptischer Mensch war, fing ich mit Recherchen über die Astrologie an, z.B. las ich das Buch "
Die Akte Astrologie" von Gunther Sachs, in welchem statistisch kausale Zusammenhänge zwischen dem Verhalten der Menschen und der Aussage der Astrologie dargestellt werden.
Doch die Astrologie, so empfand ich es damals, war noch nicht alles, und so kam es, dass ich eines Tages in einem Buchladen mir Tarot-Karten holte.
Heute würde ich sagen, sie wurden mir in die Hände gelegt...
Sie haben sich also auch mit der Astrologie beschäftigt, warum jetzt nicht mehr, sondern nur Tarot?
Nun, ich beschäftige mich am Rande immer noch damit. Allerdings ist die Astrologie, ich sage mal, ein eher starres System, weswegen sie früher ja auch eine Wissenschaft war beziehungsweise auch heute noch so bezeichnet wird.
Sie beinhaltet viel, jedoch geht sie aus meiner Sicht nicht unbedingt auf die jeweiligen menschlichen Aspekte, will sagen Handlungen und Entscheidungen ein, welche Tarot schon mit einbezieht.
Als Beispiel:
Astrologie "sagt": "Etwas ist so und so und Punkt."
Tarot hingegen "sagt": "Sie her, das sind Deine Möglichkeiten, such Dir eine aus, und dann wird sich die Angelegenheit so oder anders entwickeln".
Ich habe dazu ein noch ein Beispiel: Sagen wir die Astrologie liefert uns die Grundfarben Rot, Gelb und Blau.
Nicht mehr aber eben auch nicht weniger, Tarot hingegen zeigt uns das ganze Farbspektrum, inklusive und mit allen Farben und Formen.
Heißt das also, dass Sie darin den Unterschied zwischen Astrologie und Tarot sehen?
Ja, die Astrologie spielt allerdings schon auch eine Rolle mit im Tarot.
Zum Beispiel bedeutet eine Königin der Schwerter im Tarot, dass es sich um eine Frau handelt, welche entweder Zwilling, Waage oder Wassermanneigenschaften aufweist, zumindest jedoch so gefärbt ist. Allerdings wiederum nicht unabdingbar, da ein und dieselbe Person oft verschiedene Facetten ihrer Persönlichkeit aufweist, je nach Stimmung und Gefühlslage, so dass man nicht immer eine absolut eindeutige und abschließende Aussage treffen kann.
Das geht und trifft manchmal zu, jedoch nicht unumstößlich. Außerdem sind auch im Tarot die vier Elemente, Erde, Feuer, Wasser und Luft vertreten.
Hier sind es dementsprechend die Münzen, Stäbe, Kelche und Schwerter, bei der Astrologie die verschiedenen Sternzeichen.
Kurz gesagt könnte man aber sagen, Astrologie kann uns, wie Tarot auch, den "Rohbau" darstellen, die "Inneneinrichtung" hingegen kann uns Tarot allerdings sofort mit aufzeigen, inklusive den dementsprechenden "Renovierungen" und Veränderungen, also das was "unterwusst" oder "unbewusst" in uns steckt.
Also würden Sie das Unter- oder Unbewusstsein als "Inneneinrichtung" bezeichnen?
Wenn wir bei dieser vereinfachten bildlichen Darstellung bleiben wollen: Ja. Wobei wir uns einmal anschauen müssen was Unbewusstsein überhaupt meint. Manchmal tun wir einfach Dinge, ohne zu überlegen, wir handeln einfach, ohne genau zu wissen warum, wir handeln aus unserem Bauch, also dem Unbewusstsein heraus.
Ein Beispiel:
Eine Mutter, die ihr Kind liebt, weiß immer, wie es ihm geht, egal wo auf der Welt sich dieses Kind befindet, und sollte etwas einmal nicht in Ordnung mit diesem Kind sein, so weiß/spürt die Mutter dieses auch, unbewusst...
...man könnte es auch Intuition nennen...!?
Ja, selbstverständlich.
Wenn wir also bei der bildlichen Darstellung dieser "Inneneinrichtung" bleiben, dann wirken ja in unserer "Einrichtung" verschiedene Kräfte: Farben, Formen und Personen. Wie stellen Sie das in Beziehung?
Oh, ein ganz weites und interessantes Feld.
Alles was uns umgibt, wirkt auf unser Bewusstsein und Unbewusstsein. Dies „verursacht" zum Beispiel unter anderem Stimmungen. Stellen Sie sich vor, Sie kommen in einen absolut komplett schwarz gestrichenen Raum. Sie fühlen sich sofort klein, eingeengt und werden höchst wahrscheinlich sogar depressiv.
Es ist unmöglich sich in solch einem Raum wirklich glücklich zu fühlen. Es gab im Übrigen dazu ein Experiment mit aggressiven Gefängnisinsassen. Sie wurden in eine komplett rosa gestrichene Zelle inhaftiert. Man fand heraus, dass diese Menschen innerhalb kürzester Zeit sehr ruhig und ausgeglichen wurden, manchmal sogar anfingen zu weinen. Man erklärte dies, indem mit der Farbe rosa das kleine, unschuldige Kind im Menschen angesprochen wird, beziehungsweise wieder in Erinnerung gerufen wird.
Man könnte also sagen, Farben wirken direkt auf unsere Seele, unser wahres Ich. Des weiteren sind solche Wirkungskräfte auch in Formen und in Bezug auf andere Menschen übertragbar. Wenn zum Beispiel sich ein Mensch in einem Wirkungsfeld einer Gruppierung befindet, so wirkt die ganze Gruppe auch direkt auf diesen Menschen. Nehmen wir mal als Beispiel Abhängige, -Alkohol oder Drogenabhängige.
Meist ist dann auch der "Freundeskreis" oder besser "Bekanntenkreis" ebenfalls abhängig. Diese Menschen befinden sich in einer, ich nenne es mal "Wirkungsblase" und werden immer wieder mit diesen Wirkungskräften der Droge konfrontiert. Da die Sucht selbst eine sehr große Kraft und Einfluss auf diese Menschen hat, werden sie auch immer wieder dazu zurückkehren, solange sie sich in dieser "Wirkungsblase" und im Umfeld davon aufhalten.
Es ist sehr schwer sich aus eigener Kraft aus dieser „Wirkungsblase" zu "entfernen". Das erklärt auch, warum zum Beispiel bei Alkohol- oder Drogenabhängigen während und nach einer Therapie dem Süchtigen zumindest empfohlen wird, sich komplett von dieser Gruppierung zurückzuziehen und zu trennen.
Selbstverständlich "erkennt" der Abhängige dies nicht, oder "will" es auch nicht "erkennen". Denn die Wirkungskraft der Droge oder dieser Gruppierung, ich meine damit diesen Freundes- und Bekanntenkreis, haben ja subjektiv gesehen auf diesen abhängigen Menschen, keine negative Auswirkung, im Gegenteil: Der Abhängige empfindet es ja meist als positiv, weil eben die Drogen eine "angenehme" Wirkung und Stimmung auf den Betroffenen haben beziehungsweise erzeugen.
Sich dann auch noch emotional von den „Freunden" dieser Gruppierung zu "lösen", bedeutet zusätzlich zur Sucht, der physischen und psychischen, auch noch eine emotionale Trennung von den Menschen beziehungsweise "Freunden". Wobei meiner Meinung nach dies keine wirklichen und ehrlichen Freundschaften sind, da diese Beziehungen fast immer unter dem Einfluss von und nur durch Drogen aufgebaut wurden, also durch eine "verfälschte" und "vernebelte" Sicht auf andere und sich selbst.
Umgangssprachlich kennen Sie bestimmt ja solche Definitionen wie "Saufkumpel" oder "Kifferkumpel" und das sagt, denke ich, ja schon eine ganze Menge aus. Die Folgen dieser Wirkungskräfte, der Drogen und den Menschen in dieser "Wirkungsblase", merkt der Betroffene dann vielleicht erst nach Jahren, oder eben leider manchmal auch gar nicht. Davon mal abgesehen ist jede Sucht immer auch eine Suche oder Flucht nach beziehungsweise von Emotionen.
Wir sehen also: Farben, Formen, Menschen etc. erzeugen Stimmungen, Gefühle, ja, auch Süchte oder Sehnsüchte, welche sich dann in unserem Verhalten, Einsichten und Stimmungen nach außen und in unserem Inneren spiegeln...
...in der Tat ein sehr großes und weites Feld.
Aber, um auf das Tarot zurückzukommen, bedeutet dies, dass sich unsere Stimmungen und Emotionen auch in den Karten wiederspiegeln?
Ja, auch. Sie spiegeln derzeitige Stimmungen, Gefühle und die daraus möglichen resultierenden Tendenzen. Sie zeigen uns aber auch auf, unabhängig von unseren Stimmungen, welche Möglichkeiten und Optionen wir zusätzlich haben.
Daraus resultierend würde mich interessieren, wie Sie als Tarotberater ihre eigenen Stimmungen/Färbungen ausschließen können...
Voll und ganz ausschließen kann ich das natürlich nicht, dass kann niemand, dass macht mich ja auch zu dem, was ich bin.
Aber manchmal deute ich nur die Bilder der Karten entsprechend, und manchmal bekomme ich, ich nenne es "Input", „Bilder" oder „Gedanken", welche ich dann entsprechend interpretiere. Wenn solch eine Situation entsteht, geht meine Beratung weg von einem Legesystem der Karten.
Ich deute dann sehr intuitiv.
Für mich sind die Karten bei einer Beratung also ein "Werkzeug", mit dem ich in die Thematik des Ratsuchenenden sozusagen "eintauchen" kann...
...aber sind dann nicht unbedingt die Karten das "Werkzeug", sondern Sie als Berater das "Werkzeug" des Fragenden und würden Sie sich dann eher als, sagen wir "Medium", bezeichnen?
Nun, Begriffe wie „Medium", „hellfühlig", „hellseherisch" etc. sind meiner Meinung nach, "vorbelastet", und das nicht immer positiv. Wenn ich sage ich bin „hellfühlig", dann mag das vielleicht stimmen, aber viele Menschen assoziieren damit eine bestimmte Gruppe, wie sie auch zum Beispiel von den Fernsehanstalten geprägt wird.
Damit und deswegen tue ich mich auch schwer mit diesen Begriffen und der dazugehörigen Entsprechung. Für mich reicht es einfach aus, wenn ich sage, ich bekomme "Input von oben" -oder von wo auch immer her. (lacht). Und es ist auch nicht so bei allen Beratungen, das sollte ich vielleicht betonen. Es gibt durchaus Ratsuchende, da würde der gesunde Menschenverstand schon selber die Antwort liefern, dann erhalte ich auch diesen "Input" nicht, oder zumindest nicht in dem Umfang. Wird aber zum Beispiel hingegen nach einem spirituellen Weg gefragt, so wird dieser "Input" auch „stärker".
Eine große Verantwortung, wie kommen Sie damit zurecht?
Meiner Verantwortung bin ich mir durchaus bewusst und einen gewissen emotionalen Abstand muss auch ich, genau wie der Arzt oder die Krankenschwester, nach einer Beratung für mich wieder herstellen. Sie werden auch bei einer Beratung von mir nie hören, das eine Situation unausweichlich grausam und katastrophal, vielleicht auch noch in Verbindung mit dem eigenen Ableben durch einen schrecklichen Unfall ist.
Von solch dunklen Aussagen halte ich nicht viel.
Mir geht es vielmehr um eine wirkliche Hilfestellung in der aktuellen Situation und nicht um sogenannte düstere „Weltuntergangsaussagen".
Denn selbst, nehmen wir mal an es wäre so, was würde es bewirken, zum Beispiel den Weltuntergang zu deuten, außer den Ratsuchen dazu zu bringen, mir zum Beispiel all sein Vermögen zu geben, weil er es ja eh nicht mehr braucht und ihn vielleicht sogar in Untergangs-Panik-Stimmung zu versetzen. Das liegt allerdings überhaupt nicht im Sinne von Tarot, Spiritualität oder meiner Lebens- und Beratungsphillosphie.
Das birgt einen Zwiespalt in sich, oder anders "einen schmalen Grad"... ab wann wirkt es beziehungsweise man manipulierend?
Da unsere Gedanken, die bewussten und die unbewussten, eine außerordentliche Macht auf uns und unser Leben haben, ist der Grad in der Tat schmal. Bei meinen Beratungen zum Beispiel gibt es keine Aussagen wie etwa: "Am 23.03.09 um 11:11 Uhr wird das und das Ereignis eintreten".
Nicht etwa, dass es nicht funktionieren würde. Wenn ich solch eine Aussage machen würde, und sich der Ratsuchende mit seinen Gedanken darauf fixieren bzw. fokussieren würde, würde es wahrscheinlich auch so oder so ähnlich eintreffen, aber nicht, weil ich als Berater so toll war, sondern weil der Ratsuchende dieses Ereignis dann mit der Kraft seiner Gedanken so angezogen hat.
In der Psychologie bezeichnet man so etwas übrigens dann gerne als sogenannte "Selbsterfüllende Prophezeiung".
Wenn ich stattdessen aber alle Möglichkeiten und Perspektiven aufzeige und dem Ratsuchenden selber die Entscheidung überlasse, welchen Weg er nun einschlägt, lege ich die Verantwortung für sein Leben in seine eigenen Hände, und dies ist auch das, zumindest aber mein, Ziel.
Ist es nicht trotzdem wichtig, bei Legungen einen Zeitrahmen festzulegen?
Wenn man keinen Zeitrahmen festlegt, geben die Karten meist einen Ausblick über ca. 3-6 Monate. Man kann den Zeitraum aber auch vor einer Legung bestimmen. Wird zum Beispiel nach einem Wohnungswechsel oder einem Berufsweg gefragt, beleuchten die Karten durchaus auch einen längeren Zeitraum, wohingegen sie sich bei der Frage nach einer vierzehntägigen Reise eben auf diesen Zeitraum beschränken.
Bei manchen Legesystemen sagen die Karten auch selber, wann der Zeitpunkt gekommen ist, die Karten neu zu legen, zum Beispiel wenn die bestimmte Situation oder das Ereignis eingetroffen ist. Zu den Zeiträumen muss ich allerdings noch anmerken, dass die Aussagekraft der Karten sagen wir "verwässerter" wird, je länger der Zeitraum bestimmt wird.
Warum, das ist, denke ich, offensichtlich. Die Karten zeigen Tendenzen und Möglichkeiten auf, die zum Zeitpunkt der Legung sich entsprechen.
Je länger der Zeitraum ist, desto mehr Möglichkeiten und Entscheidungen nimmt jeder Mensch wahr und trifft diese Entscheidungen.
Als Beispiel:
Jeder weiß, wie sehr sich ein Mensch in seinem Verhalten und seinen Entscheidungen innerhalb von 10 Jahren verändern kann.
Im Alter von 20 haben wir z.B. andere Sichtweisen und Meinungen als im Alter von 30.
Mal unabhängig davon, wer oder was diese Entscheidungen in dieser Zeit prägt.
Bei einem Vortrag wurde mir auch so eine ähnliche Frage gestellt.
Ich machte es an einem Beispiel fest:
Nehmen wir an, wir legen heute die Karten für eine bestimmte berufliche Situation, weil man mit dem Beruf sehr unzufrieden ist. Die Möglichkeiten und Tendenzen werden vom Tarot aufgezeigt. Der Ratsuchende entscheidet sich, aufgrund des Kartenbildes, trotzdem in diesem Beruf erst einmal weiter zu arbeiten. Sollte der Ratsuchende aber plötzlich heute Abend einen riesigen Lottogewinn machen, mal abgesehen davon das wir auch das eventuell "sehen" könnten, so könnte sich das Weiterarbeiten erledigt haben und die Aussage der Karten wäre hinfällig, weil der Ratsuchende eben, aufgrund des neuerlichen finanziellen Backgrounds, sich doch um entscheidet und sich vielleicht selbstständig macht.
Ein ganz banales Beispiel von Hajo Banzhaf beschreibt das noch mal sehr deutlich:
Wenn jemand fragt, ob er eine Prüfung bestehen wird, dann können seine Karten noch so gut sein -wenn er gar nicht erst zur Prüfung geht, wird er sie nicht bestehen...
Wie halten Sie es dann, aufgegriffen aus gängigen TV-Astro- und Kartenshows, mit "Zeitangaben" oder "Keine Frage, alle Antworten?" und was halten Sie von solchen Shows?
Zu den Zeitangaben erwähnte ich ja bereits etwas, und was diese TV-Shows betrifft, versuche ich mal, soweit es mir möglich ist, recht diplomatisch zu antworten... Ich halte nicht all zu viel von diesen Shows!
Ich weiß, das es funktioniert, keine Frage, aber was ist der Sinn hinter solchen Shows?
Nun es gibt zwei Möglichkeiten beziehungsweise Sichtweisen:
Die Erste:
Ich kann möglichst viel Geld verdienen unter dem Deckmantel Menschen helfen zu wollen.
Die Zweite:
Ich kann Menschen versuchen zu helfen oder ihnen Perspektiven und vielleicht neue Sichtweisen aufzeigen, und damit meinen Lebensunterhalt verdienen.
Was glauben Sie, ist der Grundgedanke solcher Shows?
...na ja, augenscheinlich, Ersterer...
...ich denke auch, aber, um es noch mal zu betonen, ich sage nicht, das es nicht funktioniert, oder dass alle Berater schlecht sind, es gibt Ausnahmen, wie zum Beispiel Alex Kara, welcher auch einen shamanistischen Hintergrund hat, doch der Grundgedanke spielt für mich dabei die letztlich entscheidende und wichtigste Rolle.
Ich habe übrigens mal bei einer solchen TV-Show eine Tarot-Karte gezogen, und wollte wissen, was dahinter steckt, beziehungsweise. was ich denn eigentlich davon halten sollte... Nun, die Karte, die ich zog war der "Teufel". Er bedeutet: Unsaubere Geschäfte im weißen Gewand und Machtmissbrauch.
... mehr brauche ich wohl dazu nicht zu sagen.
Wäre es dann nicht besser, den Menschen beziehungsweise den Ratsuchenden in Seminaren Anleitungen zu geben, wie Sie es ja auch tun?
Na ja, selbstverständlich ist es meiner Meinung nach, „besser".
Sehen Sie, ich kann mir einen Übersetzer z.B. für Chinesisch holen und ihn meinen gesamten chinesischen Schriftverkehr führen lassen. Aber ich brauche diesen Übersetzer dann immer. Wenn ich selber Chinesisch lernen würde, so bräuchte ich diesen Übersetzer nicht mehr. Mal ganz abgesehen davon, dass der Übersetzer manipulierend auf meinen Schriftverkehr wirken könnte, wir sprachen eben ja über Machtmissbrauch und Manipulation...
Welche Voraussetzungen braucht man denn, um das Kartenlegen, beziehungsweise das Deuten zu erlernen?
Es gibt keine besonderen Voraussetzungen, die ein Mensch benötigt, um die Sprache der Karten zu erlernen. Jeder kann es und jeder hat alles was er dazu braucht, bereits in sich. Allerdings braucht es, wie zum Beispiel beim Erlernen einer Fremdsprache schon etwas Zeit und Ausdauer. Es sind immerhin die 22 Karten der großen Arkana und die 56 Karten der kleinen Arkana, also insgesamt 78 Karten. Wobei nur die Karten der großen Arkana die alten überlieferten Symbole sind. Die restlichen 56 Karten der kleinen Arkana kamen erst später hinzu beziehungsweise wurden später illustriert.
Die größten (Anfangs-)Schwierigkeiten, welche in meinen Seminaren auftreten, ist bei einem Legesystem die Karten in Beziehung zu setzen und dann ein abschließendes Gesamtbild zu "kreieren". Das ist für viele manchmal verwirrend, aber mit der Zeit bekommt man, genau wie beim Erlernen einer Fremdsprache, Übung...
...und erhält dann jeder Mensch, der das Kartendeuten erlernt, ich nehme ihre Worte auf, diesen "Input von oben"?
Nun, Kartenlegen funktioniert mit und ohne diesen "Input".
Ich denke, das kommt darauf an, wie sehr sich dieser Mensch darauf, auf diese, nennen wir es "Tiefe", einlässt. Ich kenne Kartenleger, die legen die Karten und deuten auch starr nach den Bildern. Das funktioniert ja. Bei mir ist´s halt zusätzlich auch noch anders. Das jeder Mensch die, ich nenne es mal die Veranlagung zu diesem "Input", dazu in sich trägt, davon bin ich überzeugt. Die Frage ist nur, wie viel davon lässt er für sich zu. Das liegt bei jedem Menschen in seinem, sagen wir mal, eigenen Ermessen.
Das heißt, sie glauben das jeder Mensch, sagen wir mal, eine übersinnliche Veranlagung in sich trägt?
Ja, davon bin ich überzeugt.
Wie man es allerdings jetzt genau „betitelt", ob mit übersinnlicher Veranlagung oder erweitertem Bewusstsein etc. ist meiner Meinung nach nicht relevant.
Und wie könnte ich dann meine Veranlagung dazu, sagen wir, fördern?
Nun, das kommt darauf an. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel könnten Sie sich mit der Chakra-Lehre, dem Sehen oder Spüren der Aura oder mit Shamanismus beschäftigen. Na ja, und eben auch das Studium der Tarot-Karten gehört dazu, oder auch das der Runen usw.
Alles, was in diese Richtung geht, hat seine Berechtigung, und dient dazu sich mit dem, was jeder Mensch im Innen trägt, zu beschäftigen und zu fördern.
Was am Ende dabei herauskommt, dass ist für jeden Menschen individuell. Eine durchaus „mediale" Frau hat mir dazu einmal gesagt: Jeder hat seinen Platz in diesem großen, spirituellen Rad. welchen genau, dass entscheidet er selbst. Ich habe es dann etwas banaler übersetzt: Der eine arbeitet an dieser Baustelle, der andere an jener. Natürlich im spirituellen Sinne...
...und wie viele "Baustellen" haben Sie schon ausprobiert? (lacht)
Nun ja, es waren doch einige. (lacht)
Es begann, wie ja am Anfang bereits erwähnt, über die Astrologie hinweg gesehen, mit den Tarot-Karten. Jedoch wurde ich neugierig, oder eher „wissensdurstig" und bezeichnete mich selbst als "Suchender". Und dann "suchte" ich: Ich beschäftigte mich zum Beispiel mit Pendeln, Verschwörungstheorien, der Chakra-Lehre, Psychologie, dem Handlesen, dem I-Ging, der Antlitzdiagnostik, ein bisschen Shamanismus, las Bücher über spirituelle Themen, wie zum Beispiel Dan Millman´s "Das Geheimnis des friedvollen Kriegers", sah Filme wie "Bleep" oder "The secret", beschäftigte mich mit den verschiedenen Religionen... und kam schließlich doch wieder zurück zu den Tarot-Karten beziehungsweise habe ich sie nie aus der Hand gelegt, denn sie haben mich auf jeder "Baustelle" stets auch immer begleitet.
Also könnte man sagen, dass ich meine persönliche "Bausstelle" schon von Anfang an gefunden hatte, jedoch mir eben auch noch andere ansah.
Ich habe auch von jeder "Baustelle" etwas mitgenommen, so dass ich nicht sage, dass ich mich im Kreis drehte, sondern mir immer etwas mitgegeben wurde. Unter anderem auch die Erkenntnis zum Beispiel, dass ich nicht unbedingt die Karten "brauche", jedoch sie ein sehr nützliches, hilfreiches Werkzeug für mich sein können und sind.
Sie erwähnten gerade Dan Millman... Ich weiß von Ihnen das Sie gerade aus seinen Büchern, viel mitnehmen konnten. Was hat Sie daran so fasziniert und würden Sie sie "Suchenden" weiterempfehlen?
Fasziniert hat mich vor allem die Tatsache, dass es kein Roman, also eine erfundene Geschichte ist, sondern ein Tatsachenbericht in Romanform geschrieben, eine Autobiographie als Roman. Auch erkannte ich ganz eindeutige Parallelen zu meinen persönlichen Erfahrungen, die mir bis dahin zu Teil wurden. Es war und ist, als ob diese Bücher auch meine persönliche Geschichte, zumindest so ähnlich, spiegeln.
Und das nicht etwa nachdem ich die Bücher gelesen hatte, sondern schon vorher. Und weiterempfehlen kann ich diese Bücher selbstverständlich. (lacht)
Aber es gibt auch mit Sicherheit noch andere faszinierende Lektüre in diese Richtung. Ich denke, jeder wird zur rechten Zeit auch dass richtige Buch in
den Händen halten, oder den passenden Film sehen etc., wie es individuell zu diesem, ich greife das Wort auf, "Suchenden" passt.
Denn es geht überhaupt nicht darum den EINEN Weg, also in diesem Falle meinem Weg oder dem Weg von irgendwelchen, selbsternannten "Meistern" zu folgen, sondern für sich selbst den eigenen, individuellen spirituellen Weg zu finden und/oder zu gehen bzw. weiter zu gehen.
Und selbstverständlich gibt es auch Menschen, die einem helfen können, erst einmal diesen Weg zu finden, oder einen weiteren möglichen Weg aufzuzeigen. -Nur- nicht immer finden wir diese in den sich selbst verherrlichenden, sogenannten "Meistern", sondern eben auch in der einfach, komisch gekleidet wirkenden Frau oder in dem älteren Mann mit 3-Tage-Bart, der so gar nicht "meisterhaft" aussieht, nebenan im Supermarkt, in einem Buchladen oder eben auch an einer Tankstelle.
Sie konnten sich also in der Geschichte widerspiegeln. Halten Sie es für wichtig, nach solchen Spiegeln zu suchen, oder ist dies nicht vielmehr die Befriedigung der "Sucht" nach Bestätigung?
Eine wirklich interessante Frage. Es ist nicht so, dass ich, zumindest bewusst, nach diesen Spiegeln gesucht habe, sie wurden mir eher in die Hände gelegt. Zum Beispiel bekam ich das Buch "Die Rückkehr des friedvollen Kriegers" von einem damaligen Freund, nachdem ich über einen längeren Zeitraum mit im viel über sagen wir "Gott und die Welt" philosophiert hatte und meine Sichtweisen und Zusammenhänge dargelegt hatte. Also habe ich nicht direkt nach diesem Buch gesucht, sondern es ist an mich „herangetragen" worden.
Nun, jetzt können Sie sagen, nach dem Gesetz der Anziehung habe ich dieses Buch dann auch, zumindest unbewusst, angezogen. Wie dem auch sei, es half mir jedenfalls, mich und mein Selbst zu spiegeln und war zumindest eine Bestätigung meines bis dahin gegangenen Weges. Das es die "Sucht" nach einer Bestätigung stillte, möchte ich nicht behaupten. Aber es stimmt, ich suchte nach Antworten, und ich bekam sie auch. In diesem Zusammenhang finde ich das Wort „Sucht" allerdings nicht wirklich passend, obwohl es ja das Wort „Suche" irgendwie ja auch beinhaltet...
Gut, um aber wieder auf das Tarot zurück zu kommen: Tarot ist ja auch ein Spiegel unseres Unbewusstseins. Wie halten Sie es denn mit anderen Kartendecks, z.B. Engelkarten oder Lenormand?
Nun, die Lenormand-Karten zum Beispiel sind ja auch so gesehen aus den Tarot-Karten „entstanden".
Aber vielleicht etwas Grundsätzliches zu Kartendecks: Jedes Deck hat seine „Berechtigung" und ist in der Lage, die Informationen, Möglichkeiten und Tendenzen aufzuzeigen, die der Ratsuchende beleuchten will. Sie könnten auch selber Karten zeichnen und für jede Karte eine Eigenschaft festlegen und es wird „funktionieren".
Es gibt keine allgemein gültigen Regeln, auch nicht in Bezug auf Karten-Decks. Ganz nach dem individuellen, sagen wir „Geschmack". Selbstverständlich ist es vielleicht einfacher, mit einem Kartendeck anzufangen, welches, sagen wir, Erfahrungswerte, oder alte überlieferte Symboliken beinhaltet, jedoch ist es nicht zwingend „erforderlich". So wie es grundsätzlich keinen „Zwang" in diesem Zusammenhang gibt. Denn Zwang würde ja nur die persönliche Freiheit und Individualität einschränken, und auch das ist nicht in einem spirituellen Sinne.
Das „Wie", das „Womit" und die „Regeln" bestimmt der Karten-Deuter selbst. Wir müssen uns bewusst machen, dass wir die Karten ja gar nicht „zwingend" „brauchen", sondern nur als ein „Werkzeug" nutzen können, insofern ist es eher unerheblich, mit welchem Deck wir „arbeiten", es kommt halt nur darauf an, welche Bilder wir „übersetzen" können und/oder wollen.
Also würden Sie sagen, alles liegt in unserer eigenen Hand?
Ja, in der Tat. Jeder Mensch hat alles in seiner eigenen Hand und alles liegt in seiner eigenen Verantwortung. Welchen Weg, wie, mit wem oder was und wohin, das entscheidet jeder Mensch für sich selbst. In diesem Zusammenhang halte ich es mit den Worten: „Die Zukunft ist das, was jeder aus ihr macht."
...einen besseren Schlusssatz hätte ich nicht finden können.
Herr Nies, vielen Dank für das interessante und inspirierende Gespräch.
Nichts zu danken, es war mir eine Freude.
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