Mit Karl-Theodor zu Guttenberg verliert die deutsche Politik einen ihrer wichtigsten Sympathieträger. Denn zu Guttenberg hat es geschafft, dass sich endlich auch mal wieder junge Menschen für die Politik interessiert haben.
Doch hat dieser Rücktritt wirklich nur etwas mit der Doktorarbeit zu tun? Zu Guttenberg hatte von Anfang an so gut wie alle Menschen auf seiner Seite, er wurde sogar als neuer Bundeskanzler gesehen. Doch so ein schneller Erfolg bringt leider auch Neider mit sich. Nehmen wir das Beispiel der Gorch Fock. So hat zu Guttenberg nur so gehandelt, wie es eigentlich der Normalfall ist. Wenn in einem normalen Betrieb so etwas passieren würde, dann würden diese Mitarbeiter doch ebenfalls entlassen werden. Es ist auf keinen Fall in Ordnung, dass über die Hälfte der Arbeit ein Plagiat ist, denn wenn ein "kleiner" Student das machen würde, wäre er nicht nur seinen Doktortitel los, sondern auch die berufliche Karriere wäre ein einziges Desaster. Zu Guttenberg hätte sich meiner Ansicht nach darüber im klaren sein müssen, dass so etwas keines Falls in Ordnung ist, so verlangt er doch von seinen eigenen Studenten Ehrlichkeit und eine mühevolle Arbeit. Auch die Begründung, dass er Familie habe, ist auf der einen Seite natürlich logisch, auf der anderen Seite haben viele Studenten eine Familie und Kinder und bei ihnen würde ein solcher Fehler ebenfalls nicht toleriert werden. Doch zu Guttenberg hat offensichtlich aus seinen Fehlern gelernt. So hat er seinen Doktortitel "zurück gegeben" und gravierende Fehler eingeräumt. Ob dann ausgerechnet ein Rücktritt die beste Möglichkeit ist, bleibt fraglich. Denn damit gibt er sich im Grunde genommen all seinen Gegnern und auch insbesondere den Medien gegenüber geschlagen. Die Begründung, dass seine Glaubwürdigkeit gelitten hätte, ist vielleicht gar nicht mal so unwahr, aber trotzdem waren nach seinem Rücktritt noch über 85% der deutschen Bundesbürger der Meinung, dass dies ein Fehler gewesen sei. Denn sein Vertrauen hat bestimmt gelitten, aber dies kann man wieder aufbauen, so hat sogar die Bundeskanzlerin Angela Merkel bis zu letzt hinter einem ihrer wichtigsten Minister gestanden.
Was jedoch ist jetzt mit seinen Ideen und seinen Reformen? Gut, er hat begonnen, die Wehrpflicht zu verändern. Man könnte fast sagen, dass ihm mit dem Ende der Wehrpflicht eine kleine Revolution gelungen ist, denn kaum ein anderer Politiker wäre vermutlich auf diese Idee gekommen, oder hätte versucht, diese umzusetzen, denn dafür braucht es starke Nerven und eine extreme Willenskraft, die zu Guttenberg zumindest nach Außen hin immer wieder hatte und auch eingesetzt hat.
Mit zu Guttenberg hat die deutsche Politik heute auf jeden Fall einen sehr wichtigen Politiker verloren. Vielleicht hat er menschlich mit seiner Doktorarbeit einen großen Fehler begangen, aber zu Guttenberg hat die Massen mobilisiert und sie zum mitmachen gebracht. Er hat die Menschen mit seiner Art begeistert, denn er war eben ein Politiker, der nah an den Menschen war. Ich selbst war vor dem großen Wahlkampf bei einer Veranstaltung zu Guttenbergs und war begeistert über seine lockere, natürliche Art und Weise.
Wir dürfen gespannt sein, wer diesen Platz in den nächsten Tagen besetzen darf. Fraglich ist, ob dieser die Pläne von zu Guttenberg so weiter führt, wie er sich das vorgestellt hat.
01. März 2011, Désirée-Sophie Lepell