Hausmusik hat eine lange Tradition und in früheren Zeiten war es nicht ungewöhnlich, wenn es einem jeden Familienmitglied gelang mal besser und mal schlechter ein Musikinstrument zu erlernen um in einer gesellig familiären Stunde gemeinsam zu musizieren und zu singen. Mit Einzug der elektronischen Medien in die heimischen Wohnzimmer geriet diese Routine in vielen Haushalten in Vergessenheit. Das Radiogerät ersetzte die Notwendigkeit, selbst musikalische Darbietungen zu erbringen und der ständig aktivierte Fernsehgerät bot ohnehin eine permanente akustische Hintergrundkulisse, die kaum einladend gewesen wäre, die eigene Wohnung zusätzlich mit den Klängen eigener musikalischer Übungen zu belasten. Gesungen wurde meistens nur noch im Kindergarten und selbst in der Schule war es nicht selten der Musikunterricht der dem Lehrermangel und den Engpässen im Vertretungsplan als erstes zum Opfer fiel.
Insbesondere unter Jugendlichen galt Singen über viele Jahre hinweg als „uncool", war doch der künstlerische Abstand zu jenen Darbietungen, die die eigene Stereoanlage zu erbringen vermochte zu groß. Für pubertierende Jungen galt das Singen ohnehin als Tabuthema, war es doch schon als eine gewisse Leistung, die neu erworbene Stimmlage beim Sprechen zu halten. Mit dem Siegeszug des
Karaoke Singens hat sich dieser Trend gewandelt. Mit dem passenden
Songtext ausgerüstet steht gemäß japanischer Tradition der Spaß an den mehr oder weniger gelungenen Darbietungen im Vordergrund, ob ein jeder Ton auch adäquat getroffen wird, ist nunmehr zweitrangig.
Karaoke wird heute für Spielekonsolen angeboten, aber auch Onlinedienste und Internet Communities haben den
Karaoke Spaß längst für sich entdeckt. Denn am meisten Spaß macht die Gesangskunst erfahrungsgemäß immer dann, wenn sie mit Gleichgesinnten geteilt werden kann.
Andreas Mettler