Mit dem selbstgebauten Holzkanu lautlos über den See gleiten - ein ganz besonderes Erlebnis.
Die Finanzkrise hat neben drastischen Auswirkungen auch subtilere: Wenn das Geld nicht mehr so locker sitzt, schrecken viele Menschen vor dem Kauf teurerer Anschaffungen zurück - und machen sie stattdessen selbst. Dabei entdecken viele Leute Fähigkeiten, die sie sich gar nicht zugetraut hätten. Ein durchschnittlicher Heimwerker kann nicht nur einen kaputten Stuhl reparieren oder ein Regal bauen, er kann auch ein Kanu selbst bauen.
Ein Kanu zu bauen ist nicht schwieriger als ein Möbelstück zu bauen - vielleicht mit dem Unterschied, dass man beim Kanubau genauer und sorgfältiger arbeiten muss. Auf dem Wasser ist man schließlich darauf angewiesen, dass alles dicht ist und bleibt.
Wesentlich ist die Auswahl des Bauplans. Denn Kanu ist nicht gleich Kanu: In mehreren tausend Jahren der Kanunutzung, insbesondere aber in den letzten Jahrzehnten haben sich unterschiedliche Kanu-Modelle entwickelt. Manche eignen sich gut für kleinere Flüsse mit ein bisschen Wildwasser, weil sie besonders wendig sind, andere werden eher auf offenen Seen eingesetzt, weil sie den Wind wenig Angriffsfläche bieten. Es gibt ruhige gemächliche Kanus für Angler, Naturfotografen und Familienausflüge und schnelle für Sportpaddler.
Auch der Transport des Kanus zum gewünschten Paddelort will bedacht sein: ein Festkörper-Kanu, ob aus Holz oder anderen Materialien, kann man mit einem geeigneten Dachgepäckträger auf dem Autodach transportieren. Ein Faltkanu kann man auch im Kofferraum, im Zug oder Flugzeug transportieren. Damit ist es besonders interessant für alle, die entweder kein Auto haben oder die häufig mit dem Zug oder Flugzeug in den Urlaub fahren.
Die wichtigsten Tipps zum
Kanubau sowie zum
Faltbootbau betreffen neben der Wahl des Modells vor allem die des Materials. Denn nicht jede Holzart ist für alle Teile des Kanus geeignet. Dabei sollte man auch ökologische Faktoren berücksichtigen: heimische Hölzer sind aus ökologischen Gründen besser geeignet als Tropenhölzer. Wenn man trotzdem Tropenholz verwenden möchte, sollte man auf das FSC-Siegel achten. Sperrholz und Vollholz haben jeweils ihre Vor- und Nachteile. Hier muss jeder selbst abwägen, was er bevorzugt: Sperrholz ist günstiger und leichter zu verarbeiten, ist aber oft mit Formaldehyd verleimt, das auch nach jahrelanger Nutzung noch freigesetzt wird. Zudem ist bei Sperrholz oft in den Innenschichten Tropenholz enthalten - von außen ist dies nicht erkennbar und meist auch nicht deklariert. Sperrholz hat jedoch gegenüber Vollholz den Vorteil, das dafür weniger Rohstoffe verbraucht werden.
Ein Holzkanu ist ein wahres Schmuckstück und hebt sich in jeglicher Hinsicht von Plastikkanus ab. Das Holz isoliert auch im Winter gegen die Wasserkälte und gleitet fast lautlos durchs Wasser. Als Ausflugs- und Reisegebiete mit dem neuen Kanu empfehlen sich zum Beispiel die Müritzer Seenplatte, die Masuren oder Südfrankreich.
Simon Sundstroem