Mahmoud Ahmadinedschad bei einer Kundgebung in der Provinz
Ihr Traum ist der Gottesstaat, der sich auf der ganzen Welt etabliert, angeführt von dem Stellvertreter des Verborgenen Imams. Sie träumen von der gerechten Gesellschaft nach bestimmten von der Sharia geregelten Verhaltensgeboten und dem derzeit im Iran installierten Velayat-e-faghi Herrschaftssystems. Um ihren Machtanspruch durchzusetzen, definieren sie alle möglichen Feinde, die es zu vernichten gilt. Das hält die zermürbte Volksseele am Kochen und versammelt die Unzufriedenen weltweit und nicht nur in der islamischen Welt.
Sie heißen Mahmoud Ahmadinedschad, Ali Khamenei, Ali Larijani oder Sina Azizi. Ihre Anhänger leben im Iran und im sogenannten schiitischen Halbmond, der sich über den Iran, Irak und Libanon bis nach Palästina zieht. Sie führen den Iran an prominenter Stelle oder wirken als Hetzer im Hintergrund. Zu den Methoden ihre finsteren Ziele einer religiösen Weltdiktatur zu verwirklichen, gehören wie bei vielen Machtprätendenten Lügen, Verdrehung von Tatsachen, Verleumdungen, Folter, willkürliche Verhaftungen, konstruierte Legitimation und Mord in unterschiedlichsten Gewändern. Darüber ist
ausführlich berichtet worden.
Dem Iran wird vorgeworfen Hamas, Hisbollah und Houthis nicht nur ideologisch zu unterstützen, sondern ganz ausdrücklich mit Geld, Waffen und Ausbildung spezifischer Kampfeinheiten. Natürlich leugnen beide Seiten das Verhältnis. Im Iran selbst pfeifen es die Spatzen von den Dächern, wo das Geld aus den Öleinnahmen landet: bei den schiitischen Brüdern in den Kampfzonen. Als im Januar 2009 die israelische Armee in Palästina gegen die Kämpfer der Hamas vordrängten, belagerten in Teheran Tausende von Bassidschi den Flughafen und verlangten von ihrer Regierung nach Palästina ausgeflogen zu werden, um durch Selbstmord-Kommandos ihren Brüdern im Kampf zur Seite zu stehen. Die Bassidschi, eine paramilitärische Einheit, sind eine der Säulen des Regimes in Teheran.
Zurzeit scheint der bewaffnete Kampf der Houthi im Jemen gegen ihre Regierung und gegen den saudischen Nachbarn ein Stellvertreter Krieg zwischen Iran - hinter den Houthis - und den USA - hinter den Saudis - stattzufinden. Deutlich kommen auch die Animositäten zwischen dem schiitisch geführten Land und dem von Sunniten dominierten Jemen in Aktionen Straßennamen in Sana'a und Teheran umzubenennen, zur Geltung. So wurde in Teheran vor kurzem eine Straße nach dem bei den Kämpfen gestorbenen Rebellenführer Hussein Badreddin al-Houthi genannt. Im Gegenzug revanchierte man sich in Sana'a, der Hauptstadt Jemens, mit der Umbenennung der Iran-Straße in Neda-Agha-Soltan-Straße in Erinnerung an die bei friedlichen Protesten in Teheran erschossene Studentin.
Die Führung der Sunniten im Nahen Osten wird zunehmend unruhiger
Die Sunniten sehen sich von den aktiven religiös-politischen Avancen der iranischen Schiiten bedroht. Diese versuchen zweierlei. Einerseits machen sie viel Geschrei um die Situation der Palästinenser, um hier die Speerspitze zu bilden und auch Sunniten weltweit hinter sich zu bringen. Andererseits arbeiten sie an der Tilgung der sunnitischen Gemeinschaften in ihren Territorien. Im Iran gibt es religiöse Erlasse, sogenannte Fatwas, die sich ausdrücklich gegen Sunniten und Sufis, richten. Daraufhin wurde in Zabol, Südiran, eine sunnitische Moschee von aufgehetzten Bassidschi zerstört. Mehrere Gebetshäuser der Sufis, unter anderem in Isfahan, wurden dem Erdboden gleich gemacht. Die Menschen wurden geschlagen, gefoltert, einige in heimtückischen Attacken getötet und andere widerrechtlich eingesperrt. Kein Anwalt durfte sich der Sache annehmen. Als vor 25 Jahren eine Fatwa von Ayatollah Khomeini gegen Salman Rushdie, den Autor der "Satanischen Verse", erging, waren auf der ganzen Welt Muslime aufgerufen für seinen Tod zu sorgen. Das hat in Europa große Wellen geschlagen. Angesichts des kontroversesten Exportschlager Irans, die Weltrevolution, regen sich auch in Europa zunehmend Stimmen, die dem Treiben Irans ein Ende gebieten wollen.
Auf leisen Sohlen durch Europa
Einige Regierungen in Europa beginnen zu verstehen, dass Iran nicht nur lautes Kampfgetümmel im Nahen Osten unterstützt, sondern massive Geldmittel in den Bau schiitischer Kultureinrichtungen in Europa investiert, um der eigenen Ideologie eine Basis zu schaffen. Die Vorposten der religiös-politischen Revolution werben bei Hochschulprofessoren durch großzügige Geschenke, bei interreligiösen Dialogen und anderen Gelegenheiten mit Engelszungen und friedlichen Absichtsbekundungen für sich. Soziale Programme und finanzielle Zuwendungen für Hilfsbedürftige runden die Mittel der Indoktrinierungsmaschinerie ab, denn gegeben wird nicht nur Geld, sondern auch gleich die Gesamtideologie dazu. Wie sehen Grundzüge davon aus? Es gibt einen obersten religiösen Führer, der sich als Stellvertreter Gottes auf Erden betrachtet. Der bestimmt wie sich der einfache Bürger in allen Lebenslagen zu verhalten hat, was er denken darf, was er anziehen darf und mit wem er sich unterhalten darf. Dafür bekommt er Sicherheit, vom Führer verordnete Einheit und seinen Platz in der Gesellschaft zugewiesen. Wenn einer anfängt, anderes zu glauben oder zu wollen, wird er erhängt, angeblich Gott zu Ehren und von ihm befohlen. Dies ist natürlich sehr holzschnittartig skizziert, wird aber tendenziell in der Islamischen Republik Iran genau so gehandhabt. Zurzeit wird die Todesstrafe sehr häufig und strikt angewandt. Die Absicht im Zusammenhang mit den Demonstrationen seit Juni 2009 scheint klar zu sein: bleibt brav, sonst droht euch der Tod. Eine Atmosphäre der Angst bei den Bürgern soll das Überleben des Regimes im Iran sichern. Wenn es dem Regime gelingen sollte, die Proteste zu unterbinden - dabei ist jedes Mittel recht - kann es sich in der Weltöffentlichkeit brüsten eine angeblich vom Ausland gesteuerte samtene Revolution erstickt zu haben, weil nicht genug Leute dahinter stehen. Dann könnten die Bemühungen Teherans um die Gefolgschaft in Europa wieder intensiver werden.
Kherghe
Regimetreue Medien wie das Weblog
Kherghe kündigen immer wieder die Vernichtung der Gegner im Ausland an. Einer dieser Gegner, der immer wieder in Zusammenhang mit dem britischen Geheimdienst, mit den französischen Diensten genannt oder als Freund der Bahai bezeichnet wird, ist der iranisch stämmige Religionswissenschaftler und Sufi Meister aus Paris Seyed Mostafa Azmayesh. Der setzt sich tatsächlich für die Rechte von Minderheiten im Iran ein und veröffentlicht sowohl aktuelle Ereignisse aus dem Iran, als auch ihre Analysen und Hintergrundbetrachtungen. Via Satellitenfernsehen, überträgt Dorr TV sowohl Kultursendungen über Literatur, Geschichte, Wissenschaft und Kultur von ihm als auch Stellungnahmen zu religiösen Fragen, die im Iran immer auch eine politische Dimension haben. Das nehmen ihm radikale Gruppen alles Übel. Kherghe hat angekündigt, dass man die Anstrengungen intensivieren wolle, um die Sufis zu vernichten und Azmayesh zum Schweigen zu bringen.
Ali Laridschani, der Parlamentspräsident Irans, flankierte am Freitag diese Aufforderung in einem Vortrag vor Bassidschi, die er davor warnte sich mit Sufis abzugeben und anwies sich nur nach den Rechtsgutachten der Großayatollahs zu richten. Zwei dieser Großayatollahs haben deutliche Fatwas gegen Sufis erlassen, die zur Vernichtung von Gebetsstätten auffordern und Sufis als Feinde des Islam bezeichnen. Nur einen Tag später sprach ein ehemaliger Kulturrat der iranischen Botschaft in Deutschland über Sufismus. Die Doppelzüngigkeit ist offensichtlich. Man strebt die Meinungsführerschaft und Interpretationshoheit in allen Themen an.
Ein weiteres Weblog, das gegen Sufis hetzt, ist 'Sufian Saloos'. Die offenen Hetztiraden des Chefredakteurs Sina Azizi gegen Sufis haben ihm tatsächlich wegen Störung der nationalen Einheit und offenem Schüren von Hass gegen Sufis eine Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe eingebracht. Wie Khergheh berichtet, stehen „patriotisch gesinnte Menschen bereit, ihn mit hohen Geldsummen auszulösen, damit er nicht ins Gefängnis muss."
Währenddessen versucht Ali Khamenei die Einheit der Machtelite wieder herzustellen, indem er die Presse diplomatisch aber eindeutig darauf hinweist, dass er keine weiteren Angriffe gegen Haschemi Rafsandschani veröffentlicht sehen will. Rafsandschani, Vorsitzender des Expertenrates, der den obersten Führer ernennt aber auch absetzen kann, hatte sich nach den Wahlen sehr kritisch über Khamenei geäußert, weil der Ahmadinedschad unterstützt hatte. Nach verschiedenen Gesprächen mit Khamenei sind seine Äußerungen gegenüber Ali Khamenei sehr konziliant geworden und er scheint die Proteste nicht mehr zu unterstützen. Dafür revanchiert sich jetzt der oberste Führer damit, die Kampagne zur Diskreditierung Rafsandschanis und seiner Familie, die von Ahmadinedschad geführt wird, aus der Öffentlichkeit heraus zu halten.
Die richtigen Bilder schaffen
Mahmoud Ahmadinedschad reiste neulich nach Täbris, in die Provinz Aserbaidschan. Täbris war die Hauptstadt des ersten schiitischen Staates, der von Ismail I im Jahr 1501 gegründet wurde. Dort sprach er vor Schülern. Um die richtigen Fernsehbilder zu bekommen, sprach er einige lobende Worte über den ansässigen Fußballverein. Die jungen Leute jubelten und das verkauft Ahmadinedschad als vollmundige Unterstützung seiner Politik.
Werden solche Bilder, die durch die iranischen Medien gehen über die weitere Entwicklung der Machtverhältnisse im Nahen Osten bestimmen oder werden die zu erwartenden Proteste am 7. Dezember am Nationalen Tag der Studenten im Iran einen weiteren Dorn in die Hufe des religiös-politischen Schlachtrosses der islamischen Weltrevolution treiben und es zum Straucheln bringen?
Helmut N. Gabel
www.mehriran.de