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Jugendliche begleiten - Was Pädagogen wissen sollten

Autor: JoachimArmbrust | Erstellt am: 24.12.2011 | Gelesen: 418
Kategorie: Familie - Freunde & Beziehung | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Jugendliche begleiten und beraten hat für die erwachsenen Bezugspersonen im Nahbereich der Jugendlichen ganz eindeutig Grenzen

Jugendliche begleiten
Jugendliche begleiten
Notwendige Hausaufgaben der Eltern / der Pädagogen sind deshalb: So wichtig es ist, als Pädagoge/in oder als Eltern in der Begleitung kleiner Kinder, sich in diese einzufühlen, sich den subjektiven Spürraum der Kinder transparent zu machen, um spüren und fühlen zu können, wo sie stehen, wo sie sich be-wegen und vor allen Dingen, was sie bewegt, so wichtig ist es mit zunehmendem Alter der Kinder, darauf zu achten, dass wir Erwachsenen nicht anfangen für die Kinder zu spüren. Es ist nicht hilfreich, wenn wir die Not unserer Kinder fast wie eine eigene Not übernehmen und dann anfangen, zu versuchen, von außen zu steuern, um die Not aus der Welt zu schaffen, die uns fast wie eine eigene bedrängt Es geht hier nicht darum, dass wir für die Jugendlichen tätig werden und Abhilfe schaffen. Vielmehr müssen wir hier aushalten lernen, ohne unsere Wach-heit und unsere aufmerksame Begleitenergie preiszugeben, dass wir die Situation nicht für die Jugendlichen lösen können. Wir müssen den Klimmzug vollbringen, zu spüren, wo sie stehen, was es eigentlich in ihrem Leben braucht, aber auch auszuhalten, und abzuwarten, bis sie selbst ins Spüren und ins tätig werden kommen, um ihre Situation zu verändern.

Wir können sie hier einzig immer wieder in Kontakt mit unserem Erleben und unserer empfundenen Sorge bringen, ohne dass wir die Situation über den Berg tragen können.

Die Kinder bringen etwas mit, was angelegt ist, was sich aus ihrem Wesen ergibt und es gibt Facetten und Tendenzen, die es erst noch zu entwickeln gilt. Die Auseinandersetzungs-spannung, die sich daraus ergibt, muss nach und nach von den Kindern selbst getragen werden, wenn sie erwachsen werden wollen. Zwischen dem Eröffnen von Möglichkeiten durch uns Erwachsene und dem Aushalten des Selbsterprobens durch die Kinder / Jugendlichen müssen wir Begleiter unseren Weg finden. Mit zunehmendem Alter der Jugendlichen wehren sie sich, wenn wir uns in sie einfühlen, als ob es sich um unser Leben handelt. Sie verbieten sich das, denn es ist ihr Leben und niemand anderes als sie selbst muss es tragen.

Wenn Erwachsene hier die Grenze überschreiten, ergeben sich allerlei zerstörerische Impulse, die auch rückwirken. Dann finden auch die Jugendlichen allerhand Peinlichkeiten an uns Erwachsenen, für die sie sich schämen, weil sie die Grenze zwischen du und ich nach unserem Vorbild verwischen.

In den letzten Tagen hatte ich immer wieder Gespräche mit einer guten Freundin, deren Sohn sich in der Schule immer sehr schwer getan hat. Es geht für ihn im Moment darum, den Haupt-schulabschluss zu schaffen, damit er eine einigermaßen begehbare Ausgangssituation hat, um zu einer Ausbildung und einem Beruf zu kommen.

Einerseits ging sie immer wieder in die Verantwortung, um ihn zum Lernen zu animieren und um ihm in die Lernverantwortung zu helfen. Andererseits unterstützte sie ihn ganz praktisch bei der Erstellung einer Buchpräsentation, die er noch vor sich hat. Andererseits forderte sie ihn auf, zu überlegen, wie es weitergehen soll und zeichnete ihm voraus, dass er, wenn er den Abschluss nicht schafft, im Berufsvorbereitungsjahr landen wird, was sie selbst um keinen Preis will. In den Gesprächen wurde deutlich, dass ihn das selbst viel weniger schreckt, wie sie. Und es wurde klar, dass sie, wenn sie das verhindern will, eine klare Position beziehen muss, dass das für sie kein Weg ist und sie diesen auf keinen Fall mittragen will. Die Frage, die sich daraus im Gespräch ergab, war dann, was denn die Konsequenz daraus sein muss, wenn er es dennoch dazu kommen lässt. Hier kippte atmosphärisch die Grundhaltung. Denn sie will keineswegs deshalb mit ihrem Sohn brechen. Sie kam in ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit, weil ihr hier die Hände gebunden sind. In verschiedenen Beratungssituationen, die sie mit ihm aufsuchte, wurde deutlich, dass er ihr zuliebe mitging, sich selbst aber wie ein Besucher der Beratungssituation fühlte und nicht selbst eine Auseinandersetzungsspannung aufbauen und weiterführen wollte. Hier wurde deutlich, dass die Grenze der Mutter erreicht wurde, für ihn tätig zu werden.

Auf Nachfragen konnte er sehr gut sehen, dass die Mutter aus Liebe zu ihm und aus Sorge um seine Zukunft, immer wieder Energien aktivierte, um seinen Motor in ihrem Sinne zum Laufen zu bringen. Sie war bemüht ihn ins Spüren für seine Situation zu bringen.

Gleichzeitig erörterte sie mit mir, dass sie 14 Tage in Urlaub geht und sie ihn ungern allein zuhause lassen will, weil sie dieser Gedanke beunruhigt. Sie gab zu, Angst zu haben, dass er etwas anstellt, dass ihm die Situation entgleitet usw.

Allerdings hatte er vor Kurzem vier Tage gemeinsam mit dem größeren Bruder sehr gut bewältigt, ohne dass die Mutter da war. Es war klar, dass ihn diese Herausforderung in einen Verantwortungsraum bringt, dem er sich verpflichten muss, will er da bleiben. Sie kann ihm für diese Zeit eine gewisse Summe zur Verfügung stellen, mit der er auskommen muss. Sie kann vereinbaren, unter welchen Bedingungen er Besuch empfangen darf in der Wohnung und wann Schluss sein muss, sie kann von ihm erwarten, dass er sich so verhält, dass er die Nachbarschaft im Auge behält und Rücksicht nimmt usw. Sie kann sogar einen befreundeten Nachbarn bitten, ein Auge auf die Situation zu werfen, für entgleitende Notfälle. Sie könnte ihm hier einen kleinen Garten mit Verantwortung zur Verfügung stellen, um ihm zu ermöglichen, das übernehmen von Verantwortung zu hegen und zu pflegen. Das könnte eine Brücke sein, im Sinne einer Erfolgsgeschichte, dass er sich zutrauen lernt, auch seine Zukunft gestalten zu lernen, und sie nicht untätig entstehen zu lassen.

Wege entstehen beim Gehen. Es gibt keine Antwort im Vor-hinein, wohin der Weg führen wird. Wichtig ist, in einen Le-bensfluss zu kommen, der Schritte ermöglicht, die weiterführen. Alles was mit Verantwortung und Vertrauen zu tun hat, ist in diesem Fall hilfreich und eröffnet neue Perspektiven. Die Situa-tion in die eigenen vorausgedachten Bilder zwingen zu wollen, ist nicht hilfreich. Die uns anvertrauten Jugendlichen werden sich verweigern. Es geht darum, eröffnen zu helfen, Mut zu machen und Vertrauen zu haben, wach zu begleiten, dann aber auch zu überlassen.

Solche offenen Prozesse können lange in der scheinbaren Stagnation verharren, die sich auch dem Jugendlichen selbst unbefriedigend darstellen, aber wir können das nicht beschleunigen. Immer wieder muss sich im Leben von uns Menschen auch ein innerer Leidensdruck, oder ein starker Veränderungswunsch aufbauen, damit wir mal wieder vorwärts geschoben werden oder selbst die Initiative ergreifen können. Ob das Ganze dann gut ausgeht, wie das Ganze ausgeht, kann im Vorhinein auch niemand wissen.

Die Initialzündung für die Übernahme der Gesamtverantwortung der eigenen Lebensgestaltung kann nur aus dem Innenraum des Jugendlichen selbst kommen. Wir können helfen, dass die Flamme am Kochen bleibt, dass er immer wieder in Kontakt kommt mit seinen Entwicklungsthemen, aber wir haben den Zündschlüssel nicht, der hilft den letzten Rucker zu tun, um sich wirklich in der Pflicht zu fühlen gegenüber sich selbst. Dem Lebenswillen auch eine Richtung und eine vorausgedachte Gestalt zu geben, die dann auch verwirklicht werden will ,aus dem eigenen tief gegründeten Herzenswunsch, das kann nur aus dem eigenen Innenraum entstehen.

Jugendliche begleiten
Was Pädagogen wissen sollten
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht
März 2011
Ca. 144 Seiten
12.95 €
ISBN 978-3-525-70121-8

Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Klaus Hurrelmann

Kontakt:
Joachim Armbrust
Praxis für Psychotherapie, Paartherapie, Supervision,
Coaching, Mediation und Prozessgestaltung
Mauerstraße 2
74523 Schwäbisch Hall

Tel.: 0791/71552
E-Mal: joachim.armbrust@t-online.de
URL: www.Punkt-Genau-Seminare.de

 
 
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