RMS-Scriptorin
Kurzbiographie des Künstlers Johann Baptist Joseph Bastiné.
Johann Baptist Joseph Bastiné wird Donnerstag, den 13. Mai 1783 in Löwen geboren und verstirbt Sonntag, den 14. Januar 1844 in Aachen. Er ist ein flämisch deutscher Maler und Gründer der Aachener Zeichenschule (1811–1844).
Ausbildung
Johann Baptist Joseph Bastiné ist der erste Lehrer Alfred Rethels. Bastiné erhält seine Ausbildung auf der Löwener Akademie der Schönen Künste bei ihrem Leiter dem Davidschüler Professor Gitz und ab 1804 in Paris bei Jacques Louis David.
Zeichenschule
Er heiratet die Flämin Theresia van Vlasselaer und gründet 1811 in Aachen seine Zeichenschule, die zu einer „kleinen Akademie" avanciert mit dem Schwerpunkt der Porträtmalerei. Bastinés Studienblätter aus seiner Pariser Zeit und von ihm selbst modellierte Skulpturen dienen als Anschauungsmaterial. Zudem erteilt er von 1814 bis 1844 am Aachener Kaiser-Karls-Gymnasium Zeichenunterricht. Seine selbst angefertigten Repliken antiker Skulpturen und seine Wertlegung auf das Naturstudium bringen seine Zeichenschüler auf ein zeitgemäßes hohes Niveau. Er gilt als Historien-, Porträt-, Landschaftsmaler und Modellierer. Zu Beginn seiner Zeit in Aachen sind nur Johann Ferdinand Jansen (Historien- u. Landschaftsmaler) und Aegidius Johann Peter Joseph Scheuren in Aachen tätig. Im Jahre 1843 existieren neben Bastiné noch die Porträtmaler Eduard Johann Nikolaus Istas, Johann Caspar Nepomuk Scheuren und Professor Carl Schmid sowie seine Schüler Heinrich Franz Carl Billotte, Louis Schleiden, Aloys Hubert Michael Venth und Friedrich Thomas. Von seinen Schülern treten Johann Peter Götting als Historienmaler und Bildhauer, August Adolf Chauvin als Direktor der Kunstakademie in Lüttich und Peter Ludwig Kühnen als Landschaftsmaler hervor. Der bekannteste Eleve von Johann Baptist Joseph Bastiné ist der deutsche spätromantische Historienmaler Alfred Rethel. Er wird am 15. Mai 1816 in Aachen Diepenbenden geboren und verstirbt am 1. Dezember 1859 in Düsseldorf.
Wohnung
1820 befindet sich Bastiné's Aachener Wohnung in dem von Johann Joseph Couven in seinem Rokokostil errichteten ersten Aachener Schauspielhaus am Katschof. 1748 bis 1751 baut Couven das Haus der Tuchmacherzunft, das Gewandhaus in ein Komödienhaus um. Er fügt ein Mansardendach ein, das Platz für den Zuschauerraum bietet. Die Parterrewohnung von Bastiné liegt direkt neben dem Dekorations-Saal. 1826 lässt er sich ein Haus auf der Theaterstraße erbauen. Stadtbaumeister Adam Franz Friedrich Leydel genehmigt am 13. Juli 1826 Bastinés Baugesuch, da das Vorhaben seinem Status als Künstler entspricht. Bis zu seinem Tod wohnt Porträtmaler Bastiné in Aachen auf der Theaterstraße 16. Bastiné verstirbt 60 jährig in der Nacht zum Sonntag, den 14. Januar 1844 in Aachen an einem Lungenschlag. Der Gründer der renommierten Aachener Zeichenschule und der erste Aachener Porträtmaler des 19. Jahrhunderts findet seine letzte Ruhe in einem Reihengrab auf dem Aachener Ostfriedhof.
Werk
Vor 1811 malt Bastiné die Rückkehr des Tobias. Seine Reminiszenz an David und Anleihen bei Salvator Rosa sind offensichtlich. Dieses einzelne Schulwerk steht zu Beginn seines tradierten Oeuvres, das Tendenzen des Klassizismus, Biedermeier und Realismus aufweist. Er behandelt Porträt, Genrethemen und Landschaft. 1900 weist Alfons Fritz nach, dass von Bastiné der Entwurf für das Portikus Relief des Aachener Stadttheaters stammt. Bastiné fertigt eine große Zeichnung nach der Skizze von Karl Friedrich Schinkel an.
Stil
Museumsdirektor Dr. Felix Kuetgens spürt in den Porträts von Bastiné besonders in dem des Tuchfabrikanten Ignaz van Houtem dem Ältern aus dem Jahre 1817 mehr Verwandtschaft mit Bastinés älterem Akademiekollegen Jean-Auguste-Dominique Ingres als mit David. Dies belegt Ingres „Selbstporträt." Bezeichnend für Ingres ist sein Naturstudium. Bastinés Porträt „Oberbürgermeister von Guaita und Tochter" gilt 1817 im Rheinland als das einzige monumentale Doppelbildnis. Bastiné porträtiert Cornelius von Guaita und Tochter Maria Catharina Josepha 1817. Bei diesem Werk inspiriert sich Bastiné bei Ingres „Madame Rivière" und „Caroline Rivière."
Ab 1818 wird Bastinés Stil pittoresker. Kuetgens vermutet einen englischen Einfluss aufgrund des 1818 in Aachen stattfindenden Monarchenkongresses. Die Gemäldeausstellungen der englischen Künstler Sir Thomas Lawrence (1769–1830) und George Dawe (1781–1829) bieten nicht nur Bastiné sondern auch dem 17 jährigen Billotte Möglichkeiten des Studiums dieser Porträts. Für den „höfischen Bildberichterstatter" Lawrence wird im Aachener Rathaussaal ein Atelier eingerichtet. Als Folge dieser Ereignisse beobachtet Bastiné Kaiser Franz I. Es entsteht sein Porträt Kaiser Franz I. In Bastinés Porträt Stadtbaumeister Leydel aus dem Jahr 1818 sieht Kuetgens den Einfluss von Lawrence. 1824 vollzieht sich bei Bastiné ein Stilwandel vom Klassizismus zum Realismus des Biedermeier. Seine Werke gewinnen an Stofflichkeitsillusion, Detailreichtum, Glanz und Glätte. Dies werden Billottes eigene Stilmittel.
Bastiné signiert nicht alle seine Gemälde. Er setzt adäquate Attribute für den Beruf seiner Porträtierten. Zu seinen Freunden zählt Friedrich Wilhelm von Schadow.
Ausstellungen
1837 im Spätsommer nimmt Johann Baptist Joseph Bastiné an der vierwöchigen ersten Aachener Gemäldeausstellung zeitgenössischer Künstler mit seinem Genre-Bild Nr.8 Ein Knabe mit einem Maikäfer teil. Auch zwei Jahre später 1839 im Kölner Gürzenich stellt er Genrebilder zum Verkauf aus. Sie werfen einen besonderen Blick auf seine Thematik:
- Mädchen, welches einem Vogel singen lehrt Auf Leinwand hoch 1'10'' breit 1'4''.
- Der kleine Verwundete Auf Holz hoch 1'3'' breit 16''.
- Das Mädchen mit dem Apfel Auf Leinwand hoch 1'2'' breit 11''.
- Ein Knabe mit einem Maikäfer Auf Holz hoch 11'', breit 10''.
- Der Verlobungsring Auf Leinwand hoch 2'4'' breit 1'11''.
- Des Räubers Gattin das Kind begrabend Auf Leinwand breit 1'11'' hoch 1'7''."
Bastinés Genrethemen finden sich als Einzeldarstellungen und in seinen Familienbildnissen. Bei Bastiné's Familienbildnissen spielen Ingres Werke eine nicht unbedeutende Rolle. Dies verdeutlicht Ingres Zeichnung „Familie Stamaty" aus dem Jahr 1818.
Technik
Kuetgens schildert, dass Bastiné „seine Modelle meist auf ein ziemlich hohes Podium setzte, während er selbst auf ebener Erde vor der Staffelei stand oder saß und infolgedessen das Auge des Modells auf ihn herabblickte ein Kunstgriff, den wir ihn häufig anwenden sehen und den er in Paris gelernt hatte."
Spätwerk
Obgleich „Gotthard Pastors" Porträt von Bastiné aus dem Jahr 1824 an Davids „Nogaret" (1820) erinnert, hat Bastiné bereits 1816 das Motiv angewandt. Hierbei dürfen Ingres Mesdames Rivière eine Rolle gespielt haben. Pastor lässt sich in spiegelbildlicher Sitzposition und weniger ungezwungener Haltung seines linken Armes darstellen. Das Werk ist malerisch gemäß dem Zeitstil.
1840 greift Billotte in seinem Selbstbildnis Nogarets Werk auf. Aus der lässigen Armhaltung des einstigen Revolutionärs wird sein „Napoleongestus." Zwei Jahre danach porträtiert Bastiné den „Aachener Bürger Joseph Beißel den Jüngeren" und lässt die Kenntnis vom Werk seines Schülers erahnen. Bastiné hat diese kleine Holztafel in den Maßen 22 x 17 cm 1842 signiert und datiert. Bei diesem Porträt handelt es sich um ein Brustbild vor unifarbenen olivgrünen Hintergrund. Der Dargestellte ist in Gehrock und Weste gekleidet. Ungewöhnlich ist die rechteckige Form seines Monokels, dem Zeichen gehobenen Bürgertums. Das Porträt wird 1927 auf der Gedächtnisausstellung zu Ehre von Bastiné gezeigt. Zu dieser Hommage zählen zwei Werke von Billotte: „Der Maler im Kreise seiner Familie" und ein „Selbstbildnis", das zu dem Zeitpunkt seiner Tochter Louise in Aachen gehört. Im 21. Jahrhundert wird das Beissel-Porträt und weitere sechs seiner Werke auf der weltweiten Edition von Kunstauktionen aufgelistet. Das Bild gilt als das letzte Porträtwerk des Künstlers. Bastiné wendet sich der Landschaftsmalerei zu. Es entstehen Landschafts-Miniaturen auf Holztafeln. Nach 1840 greift er mit der „Ziegelei" auf Pappe das Zeitthema Industrie auf. Dies hat sein Schüler Rethel 1834 mit seinem Werk-Porträt „der Harkortschen Fabrik auf Burg Wetter an der Ruhr" bildnerisch thematisiert und initiiert.
© Rosa-Marita Schrouff, alias: RMS-Scriptorin