Japanische Tempel
Im Japanurlaub fremde Religionen kennenlernen
Japan ist ein Land, das uns leider völlig fremd erscheint. Über Jahrhunderte entwickelte Japan eigene Geschichte und war durch seine geografische Lage von der Welt abgeschnitten. Nur wenige asiatische Länder nahmen Einfluss auf die Entwicklung Japans. Nicht nur auf der kulturellen Ebene findet man deutliche Unterschiede zu Europa. Besonders was die Religion angeht, begeben sich Besucher im
Japanurlaub auf ein unbekanntes Terrain.
Über
80% Japaner bezeichnen sich als Buddhisten. Über
70% der Japaner sehen sich selbst als Schintoisten und 1% der japanischen Bevölkerung wird den Christen zugerechnet. Man muss kein mathematisches Genie sein, um zu sehen, dass an dieser Berechnung etwas nicht stimmt. Während bei uns jeder nur einer Religion zugehörig sein darf, finden die Japaner nicht schlimm, sich aus dem breiten
Angebot an Religionen das herauszuholen, was den Bedürfnissen jeden einzelnen entspricht. Das führt dazu, dass sich ein großer Anteil der Bevölkerung in Japan zu mehreren Glaubensrichtungen bekennt. Sie sind also
Buddhisten und
Schintoisten zugleich, die meisten heiraten nach dem schintoistischen Brauch und lassen sich buddhistisch beerdigen. Viele schicken ihre Kinder sogar auf christliche Universitäten und feiern Weihnachten.
Viele Touristen, die nach
Japan reisen, möchten auch die Traditionen und Bräche kennenlernen. Dazu gehören nicht nur Besuche den Tempeln oder Schreine,
Buddhismus und
Schintoismus spielen auch eine bedeutsame Rolle in der japanischen Geschichte.
Am Anfang der schintoistischen Glaubens steht die japanische Schöpfungsgeschichte, die erzählt, dass das Götterpaar Izanagi und Izanami die Sonnengöttin Amaterasu zeugten, sowie die japanischen Inseln und das Leben auf ihnen. Es ist eine alte Geschichte vom Kampf des Guten gegen das Böse und des Lichtes gegen die Finsternis.
Schintoismus unterscheidet sich ganz deutlich von anderen Religionen. Beispielweise kann kein Gaijin, auf Japanisch Ausländer, im
Japanurlaub zum Schintoismus übertreten. Nur durch die Geburt als Japaner kann man ein Schintoist werden. Dieser Glauben kennt zwar unzählige Götter, aber es kennt keine klare und strenge Moralgebote, keine Heilige Schrift und auch keine spezifische Verhaltensweise von ihren Priestern. Schintoismus kennt keine Gottesdienste, nicht einmal Gebete. Wodurch sich uns eine Frage stellt, ob man
Schintoismus als eine echte Religion bezeichnen darf. Trotzdem werden schintoistische Rituale bei offiziellen Anlässen in Japan heute immer noch vollzogen. Beim Hausbau, Hoteleröffnungen, Einweihung von Gebäuden, oder wenn die Ernte eingefahren wird. Die Schintopriester halten eine Art Zeremonie, in dem das Böse ferngehalten werden soll und die Götter günstig bestimmt werden.
Buddhismus ist unserer Anforderung an ein Glauben schon viel näher. Die buddhistischen Tempeln, die Gebete der Mönche, Kerzen und Räucherstäbchen schaffen eine Stimmung, die auch wir aus den Götterhäusern kennen. Buddhismus stammt ursprünglich aus Nordindien und kam über China nach Japan. Anfangs galt es als eine Lehre für den Kaiserhof und den Adel, während sich das einfache Volk mit dem Schintoismus genügen musste. Erst viele Jahre später stutzte sich auch das Volk diesen Glauben auf seine einfachen Bedürfnisse zurecht. Mittelweile ist Buddhismus zu viertgrößten Religion weltweit geworden. Nach der buddhistischen Lehre unterwirft sich jedes Lebewesen einem Kreislauf des Lebens. Der Grundstein des Glaubens sind die Vier Wahrheiten. Erstens, dass das Leben vom Leid geprägt ist, zweitens dass dieses Leiden durch Begierde verursacht wird, drittens dass diese Begierde durch Meditationen bezwungen werden kann und viertens dass man unter Beachtung der ersten drei Punkte ein tugendhaftes Leben führt, in dessen Mittelpunkt Erkenntnis und Rücksichtnahme stehen.
Für viele
Touristen auf einer Japan Reise mag es paradox erscheinen, mit zwei Religionen zu leben. Für Japaner stellt es allerdings kein Widerspruch dar, weil
Schintoismus und
Buddhismus in ihrem Leben nur die sozialen Bedürfnisse erfüllen, der religiöse Gedanke tritt immer mehr in Hintergrund und spiel im alltäglichen Leben eine geringe Rolle.
Anke Westhof