James Bond 007
In Casino hat der Bösewicht immer viele
Chips. Er schiebt einen Großteil hiervor in den Mitte des Tisches und Pokerrunde erstarrt. Alle geben ihr Blatt auf, nur James Bond nicht. Gelassen verzweifacht er seinen Einsatz, gewinnt viel Geld, flirtet mit der Freundin des Bösewichts und lässt sich dann einen Martini kommen.
Geschüttelt, nicht gerührt, " war seine Devise. Die Szene ist Bestandteil jedes James Bond Films. Sie gehört schon lange zum kulturellen Erbe der modernen Gesellschaft. Er hat nur eine Berechtigung zum Töten, sondern gewinnt immer beim Pokern und beim Roulettespiel. Soweit die Fiktion.
In der wirklichen Welt ist 007 zum berühmtesten Opfer des Casino-Kapitalismus geworden. Die Zeitung „Financial Times" zeigte vor kurzem auf, wie dies geschah. James Bond kommt nicht aus Großbritannien, sondern aus Hollywood, streng genommen aus der Filmgesellschaft MGM. Ihr gehört zusammen mit der Familie Broccoli die Rechte an James Bond.
Die Geschichte von MGM würde gut in eine Episode von James Bond passen. Die Firma wurden von Louis Mayer gegründet. Er war korpulent, rauchte Zigarren und hatte ein Faible für attraktive Frauen. Zudem hatte er das Talent, seine Umwelt zu terrorisieren. Doch er war erfolgreich, der durch seinen Tod nicht getrübt werden konnte.
Klassiker wie "Dr. Schiwago", "The Good, the Bad and the Ugly" und "Das Schweigen der Lämmer." stammen von MGM. Nach Meyers Tod wurde MGM zum Spielball unterschiedlicher Besitzer. Der leicht dubiose Milliardär Kerkorian besaß die Filmgesellschaft dreimal.
Der Gründer von CNN war auch einmal der Besitzer von MGM, allerdings nur knapp 11 Wochen. Heute ist das Unternehmen im Besitz eines Konsortiums von Private Equity Firmen. Aber warum gab es so viele Besitzer? Der Goldesel von MGM ist das Archiv, das etwa 4.000 Filme enthält.
Jede TV-Station, die einen Klassiker von MGM vorführt, muss einen Gebühr entrichten. So hat die Firma einen permanenten Cashflow, dies ruft wiederum Spekulanten auf den Plan. Eine Firma mit einem überschaubaren Einkommen ist das perfekte Opfer für ein Leveraged Buyout.
Beim LBO kauft man ein Unternehmen mithilfe von Bankkrediten und danach müssen die Zinsen aus eigenem Einkommen entrichtet werden. Mit einem permanenten Cashflow wissen diese Leute genau, wie weit sie gehen können. MGM hat noch ein zweites Ass im Ärmel. Sein Archiv war das Zünglein an der Waage, als darüber entschieden werden sollte, ob Blu-Ray oder HD-DVD der Nachfolger des allmählich veralteten DVD-Formats werden sollte.
Als Kerkorian vor sechs Jahren MGM wieder einmal verkaufen wollte, war auch Sony beim Bieten dabei. Der Unterhaltungskonzern aus Japan hatte hoch gepokert und gewann, denn sein Format Blu-Ray konnte sich durchsetzen. Sony konnte dann seine Beteiligung mit Gewinn weiterverkaufen.
Für die neuen Besitzer von MGM dagegen war das Ganze doch eine Nummer zu groß. Das Unternehmen steckt bis zum Hals in Schulden und muss nun jeden Cent für Zinszahlungen ausgeben. Es ist unmöglich geworden, neue Produktionen aus eigener Tasche zu finanzieren.
Als es darum ging, eine neuen Bond Film zum machen, sprach MGM bei der Investmentbank Goldman Sachs zwecks Finanzierung vor, alles schien reibungslos abzulaufen. Dann kam die Finanzkrise und die Bank hatte auf einmal ganz andere Probleme und distanzierte sie. Seit diesem Zeitpunkt wartet Agent 007 im Casino des Finanzkapitalismus auf rosigere Zeiten.