Ergometer
Wussten Sie, dass das erste Fahrradergometer 1896 von einem französischen Medizinstudenten konstruiert wurde? Der Student Elisée Bouny sollte den bestmöglichen Krafteinsatz beim Radfahren anhand eines Trittkraftmessers untersuchen und nach einer Reihe von Experimenten entstand daraus das Fahrradergometer. Es war zwar einfach nur ein aufgebocktes Fahrrad, bei dem das Vorderrad fehlte und anstelle des Hinterrads ein Schwungrad aus Eisen eingesetzt wurde, aber schon damals konnte man den Pedalwiderstand und die Tretgeschwindigkeit messen. Zu der Zeit hätte der Medizinstudent wohl nicht geglaubt, dass das Ergometer eines der beliebtesten Home-Fitnessgeräte werden würde.
Heute gibt es verschiedene Arten von Ergometern, welche alle die Gemeinsamkeit haben, dass die genaue Leistung in Watt angegeben wird und somit ein kontrolliertes Training unter ärztlichen Vorgaben möglich ist. Zwei der bekanntesten Ergometern sind das herkömmliche Fahrradergometer, das einem normalen Fahrrad auf der Straße ähnelt, und das Sitzergometer, auch Liegeergometer oder Recumbent Bike genannt. Welche sind nun die entscheidenden Unterschiede zwischen diesen beiden Geräten? Und bietet ein Sitzergometer mehr Vorteile als ein herkömmliches Ergometer? Diese Fragen werden in dem nachfolgenden Artikel beantwortet.
Trainingsart und Zielgruppe
Das am weitesten verbreitete Ergometer ist das, bei dem man auf einem hohen Fahrradsattel aufrecht sitzend auf die Pedale tritt, und so das echte Fahrradfahren auf der Straße simuliert. Der Bewegungsablauf ist uns schon seit unserer Kindheit bekannt und vertraut, denn die meisten von uns haben schon als Kinder das Fahrradfahren unter das wachsame Auge der Eltern gelernt. Daher fühlen wir uns sofort wohl, wenn wir uns auf einem Fahrradergometer setzen, und müssen uns nicht auf ungewöhnliche Bewegungen umstellen.
Beim Sitzergometer dagegen, ist der Sitz viel tiefer positioniert und die Pedale und das Schwungrad liegen viel weiter vorne, sodass die Beine nach vorne gestreckt werden. Somit ist der Bewegungsablauf am Anfang etwas ungewohnt. Der große Vorteil an dieser Konstruktion liegt aber in der Entlastung der Wirbelsäule während des Trainings. Zudem ist der Sitz viel breiter und bequemer als beim normalen Fahrradergometer und zusätzlich mit einer Rückenlehne ausgestattet, die die Wirbelsäule unterstützt. So haben Menschen mit Rücken- und Gelenkbeschwerden die Möglichkeit ihr Herz-Kreislaufsystem zu trainieren, ohne dass ihr Rücken und Hüftgelenke belastet werden. Auch für Menschen mit Übergewicht ist es viel einfacher auf einen tiefen und breiten Sitz zu steigen, als auf dem kleinen, hohen Sattel des normalen Ergometers.
Für beide Arten von Ergometern hat man also verschiedene Zielgruppen. Die Zielgruppe des Liegeergometers sind Menschen mit Rücken- oder Gewichtsproblemen. Wenn man jedoch nicht solche Probleme hat, stellt das herkömmliche Fahrradergometer die bessere Wahl dar, weil man ein viel intensiveres und abwechslungsreiches Workout betreiben kann. Man ist in seiner Gesamtbewegung nicht so eingeschränkt und kann seinen Schwerpunkt verlagern: Man kann sich nach vorne lehnen oder aufstehen, um das Hochfahren auf einem Hügel nachzuahmen. Man kann schneller und intensiver auf die Pedale treten und so besser seine Ausdauer steigern und mehr Kalorien verbrennen.
Welche Muskelgruppen werden angesprochen?
Auf dem normalen Ergometer ist die Sitzposition nicht ganz so entspannt und gemütlich wie auf dem Sitzergometer, was besser für die Muskeln ist: Man versucht eine aufrechte Sitzhaltung zu bewahren und dadurch werden viel mehr Muskelgruppen aktiviert. So werden z.B. automatisch die Bauchmuskeln angespannt und geformt.
Andererseits sind auf dem Sitzergometer die Hände beim Training frei und sitzen nicht am Lenker, wodurch man zusätzlich Übungen für den Oberkörper machen kann. Außerdem werden in der angelehnten Position auf dem Liegeergometer die Gesäßmuskeln effizienter trainiert, was für Frauen ein wichtiger Punkt wäre.
PlatzbedarfBevor man ein Liegeergometer kauft, sollte man sich bewusst sein, dass dieses Gerät mehr Platz benötigt, da die Pedale und das Schwungrad nicht unterhalb des Sattels liegen, sondern vor dem Sattel.
PreisDas Liegeergometer ist teurer, da aufgrund seiner Konstruktion mehr Material für die Herstellung verwendet wird. Daher wird man für den gleichen Preis ein hochwertigeres "Stand-Fahrradergometer" bekommen als ein Liegeergometer. Wenn man also nicht aus gesundheitlichen Gründen ein Sitzergometer kaufen muss, ist es wohl besser sich für ein normales Ergometer zu entscheiden, da man mehr für sein Geld bekommt.
FazitEin Sitzergometer ist nicht immer besser als ein normales Fahrradergometer. Es ist lediglich für Menschen mit Rücken-, Gelenkbeschwerden oder Gewichtsproblemen besser geeignet. Für einen Menschen ohne diese Einschränkungen ist das herkömmliche Fahrradergometer die bessere Wahl. Unabhängig davon, welche Geräteart man bevorzugt, sollte man sich vor dem Kauf Erfahrungsberichte, Meinungen, und
Ergometer Tests durchlesen, um das
Ergometer auszusuchen, welches den individuellen Ansprüchen und Bedürfnissen gerecht wird.
Autor: Stefan Hristov