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Israelische Marine stürmt 'Gaza-Hilfskonvoi'

Autor: akellner | Erstellt am: 03.06.2010 | Gelesen: 564
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Paranoia und Maßlosigkeit als politische Berater: Israel auf See.

Flagge der Marine Israels
Flagge der Marine Israels
Am frühen Montag-Morgen stürmte die israelische Marine Schiffe eines Konvois, der sich mit Hilfslieferungen auf dem Weg nach Gaza-Stadt befand. Per Hubschrauber wurden Schiffe der "Free Gaza"-Initiative geentert, mindestens 16 Menschen wurden dabei durch israelische Soldaten getötet. Während Israel von "Selbstverteidigung gegen anti-israelische Provokation" spricht, ist unbestritten, dass die Militäraktion in internationalen Gewässern stattfand.

Die über 700 Aktivisten des "Free-Gaza"-Konvois wurden nach kurzer Haft aus Israel ausgewiesen; alle Film- und Tonaufnahmen der Erstürmung hat Israel hingegen einbehalten, so dass die exakte Klärung des Vorfalls viel Zeit in Anspruch nehmen wird - wenn Israel denn eine unabhängige Untersuchung überhaupt zulässt.

Der Angriff ist nicht zu rechtfertigen

Es ist allerdings ohnehin unerheblich, inwieweit die Soldaten bei der Erstürmung angegriffen oder provoziert wurden, wie die israelische Armee behauptet. Es ist ebenso irrelevant, ob einzelne Teilnehmer am Hilfskonvoi "israel-feindliche" Ziele verfolgten, oder ob unter den verschiedenen teilnehmenden Hilfsorganisationen solche mit "anti-israelischer" Vergangenheit oder Gegenwart waren. Denn eines steht fest: Der Angriff auf den Konvoi ist nicht zu rechtfertigen.

Weder juristisch - man befand sich auf offener See (was eine gewaltsame Gegenwehr der Aktivisten übrigens legitimiert!) - noch politisch oder moralisch. Es ist dies tatsächlich nichts weiter als eines von mittlerweile ungezählten Beispielen für die Paranoia und Maßlosigkeit der israelischen Führung.

Paranoia und Maßlosigkeit

Die Hartleibigkeit, mit der die Mitglieder der Regierung Israels auf jede - tatsächliche oder nur vermutete - Provokation mit größtmöglicher Härte und Verhältnislosigkeit reagieren, macht fassungslos.

Und die Reaktionen? Bezeichnend ist, dass die vielbeschworene internationale Gemeinschaft bei aller Vorsicht diesmal offenbar lauter protestiert, als beispielsweise nach dem Vernichtungsfeldzug inklusive Phosphor-Bomben gegen Gaza im letzten Jahr. Es sind diesmal schließlich Nicht-Palästinenser unter den Opfern.

Wie lange kann sich Israel noch so verhalten?

Aber die Proteste ändern nichts an der Situation: Das Verhalten Israels ist bei objektiver Betrachtung nur noch mit dem Handeln Nordkoreas zu vergleichen. Der Rechtfertigungsansatz von Verteidigungsminister Ehud Barak, der Nahe Osten sei eben kein Platz für die Schwachen, könnte so auch aus Pjöngjang stammen: Auch dort hält man nichts von internationalen Gewässern, wie die Versenkung eines südkoreanischen Schiffes kürzlich bewies.

Man fragt sich tatsächlich, wie lange es sich Israel noch leisten kann, Verfolgungswahn und Verhältnislosigkeit als politische Leitlinien beizubehalten.

Aller Erfahrung nach leider noch eine lange Zeit. Wie das gemeint ist? Man stelle sich nur einmal die Reaktionen des Westens vor, wenn eine solche Aktion von, sagen wir, der Marine Libyens durchgeführt worden wäre.

Andreas Kellner
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