Island macht seit Wochen mit Schlagzeilen von sich reden, die besonders deutsche Sparer negativ treffen. Immerhin sind es rund 30.800 Sparer, die über 300 Millionen Euro bei der isländischen Kaupthing Bank angelegt haben und seit der Einfrierung ihrer Konten sowie der Verstaatlichung der Bank auf die Rückzahlung ihres angelegten Geldes durch den isländischen Sicherungsfonds warten.
Heute nun macht Island erneut von sich reden. Die Zentralbank von Island hat den Leitzinssatz um ganze 600 Basispunkte auf nunmehr 18 Prozent erhöht. Zum Vergleich: der Leitzinssatz der EZB liegt derzeit bei 3,75 Prozent und wurde erst vor wenigen Wochen um 50 Basispunkte gesenkt.
Unter Experten gilt der isländische Staat als quasi bankrott, zumindest jedoch als wirtschaftlich stark angeschlagen. Der Internationale Währungsfonds rechnet mit einem negativen Wachstum des isländischen Bruttoinlandsproduktes von 10 Prozent für das Jahr 2009.
Auch wenn seit der Verstaatlichung insbesondere der Kaupthing Bank immer wieder spöttische Stimmen zu hören sind, die Anleger hätten es ja wissen müssen, muss dazu gesagt werden, dass der normale Anleger die wirtschaftliche Brisanz Islands gar nicht einschätzen konnte.
Wer sein Geld auf einem Tagesgeldkonto anlegt, geht davon aus, dass die vorhandenen Sicherungssysteme funktionieren werden. Dazu kommen unzählige Auszeichnungen, welche das Tagesgeldangebot der Kaupthing Bank in der Fachpresse bekommen hat.
Besonders makaber dabei: das Fachmagazin „GELDidee" führt die Kaupthing Bank in seiner Ausgabe 11/2008 immer noch als Spitzenreiter beim Festgeld an und das ohne Hinweis auf eine Begrenzung der Einlagensicherung oder die wirtschaftliche Lage Islands.
Ferade solche Beispiele zeigen, dass auch Fachpublikationen ihre redaktionelle Arbeit an vielen Stellen verbessern müssen, denn wer seinen Lesern Konten empfiehlt, sollte wenigstens auf deren Schwachstellen hinweisen oder deren Aktualität prüfen.
Daniel Franke