Intimchirurgie ist der neue Trend aus den USA. Mehr Lust auf Sex durch eine
Straffung der Vagina? Kein Problem. Ein neues
Jungfernhäutchen oder
ästhetischere Schamlippen? Gerne doch. Nichts scheint unmöglich – aber nicht alles ist ethisch unumstritten. So gibt es auch unter den ästhetisch-plastischen Chirurgen Ärzte, die sich bewusst mit dem Thema auseinandersetzen und persönliche Grenzen definieren. Wir haben einmal nachgefragt.
1. Herr Dr. Pfefferkorn, würden Sie sagen, dass Intimchirurgie zu den derzeitigen Trends im Bereich der Schönheitschirurgie zählt?Man kann feststellen, dass die Scheu vor dieser Art von Operation abnimmt. Seit einem Jahr sind die Zahlen an Eingriffen im Intimbereich stark steigend. Die Intim-OPs sind schon fast Routine geworden. Ich selber führe im Schnitt derzeit 5 Intimbereichs-Operationen pro Monat durch, vergleichbare Zahlen berichten auch meine Kollegen. Der Trend kommt aus den USA, wo es mittlerweile eine der ganz normalen Lifestyle-Operationen ist. Sicherlich fördert auch die mehr und mehr verbreitete Intimrasur diesen Trend.
2. Wer kommt zu Ihnen und was für Wünsche werden an Sie herangetragen?Es kommen fast ausschließlich Frauen zu mir. Die meisten wünschen sich eine Verkleinerung der inneren Schamlippen, wenn diese über die äußeren Schamlippen herausragen. An zweiter Stelle stehen Fettabsaugungen des Venushügels. Ich meine aber auch, dass die ästhetischen Aspekte in Deutschland noch im Hintergrund stehen. Vornehmlich haben die Patientinnen Schmerzen beim Sport, z. B. beim Fahrradfahren, Laufen oder Joggen, wenn die überhängenden Schamlippen schmerzhafte Reibungen verursachen. Oder es liegen funktionelle Beschwerden, beispielsweise beim Geschlechtsverkehr, vor.
3. Was sind die Risiken speziell von Eingriffen im Intimbereich?Wie bei allen chirurgischen Eingriffen muss man im Extremfall mit Blutungen, Infektionen, oder Narbenbildung rechnen. Bedenklich sind vor Allem Eingriffe, die im Inneren des Körpers vorgenommen werden: Bei Scheidenstraffungen bleiben beispielsweise gleich mehrere Narben, die bei Reibung Schmerzen verursachen können. Es laufen hier viele sensible Nervenendungen zusammen. Im schlechtesten Fall muss man bei Eingriffen in der Scheide mit Nervenschädigungen rechnen, die bis zur Taubheit führen können. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich vorher bewusst über die Risiken zu informieren, und diese dann mit dem erwarteten Zugewinn abzugleichen.
4. Wie wird operiert und wie lange müssen die Patienten in der Klinik bleiben?Die Operationen werden zu 95% ambulant und unter lokaler Betäubung durchgeführt. Alles in Allem handelt es sich meistens um eher kleine Eingriffe.
5. Wo ist für Sie die Grenze – bzw. wo haben Sie ethische Bedenken?Schwierig wird es immer dann, wenn es sich um eine ausschließlich ästhetisch motivierte Operation handelt. So würde ich beispielsweise von einer Unterfütterung der großen Schamlippen abraten. Fraglich ist in meinen Augen auch die Wiederherstellung des Hymens. Die Sicherheit und das spätere Wohlbefinden des Patienten stehen für mich grundsätzlich im Vordergrund. Wenn ich hier Bedenken habe, sage ich das gerade heraus. Ich sehe mich hier auch als Berater, der den Patientinnen mit einer ehrlichen Meinung zur Seite steht. Wenn ich die OP für mich persönlich ablehne, dann führe ich sie konsequent auch nicht durch.
Dr. med. Stephan Pfefferkorn ist Facharzt für Ästhetische und plastische Chirurgie und leitet die
www.beautymedclinic.de in Schwabach, Regelsbacher Str. 9 am Stadtkrankenhaus, Telefon 09122-188190.