F&E Aufwendungen in % des Bruttoinlandproduktes
Deutschland lebt vom Export und dieser von Ideen und Wissen. Betrachtet man jedoch die aktuelle Entwicklung so stellt sich die Frage, ob Deutschland eine Verwertungs- und Marktlücke hat.Im internationalen Vergleich liegen die skandinavischen Länder bezüglich der F&E Ausgaben vor Deutschland. Auch die USA weisen einen höheren F&E Aufwand als Deutschland auf.

Betrachtet man forschungsintensive Märkte genauer, so war Deutschland die Apotheke der Welt und hatte eine führende Marktstellung innerhalb der analogen Industrie. Marken wie Saba, Nordmende, Grundig, Metz oder Leica standen für Made in Germany. Sowohl der Pharmamarkt als auch der digitale Markt werden heute von Amerikanern, Japanern und zukünftig wohl auch von Chinesen dominiert. Seien es Intel, Google, Microsoft, Adobe, Yahoo, Apple, Panasonic, Sony, Nintendo, Fujitsu oder Levono im digitalen Markt oder Pfizer, Monsanto, Novartis und andere im Pharmamarkt , die Verwertung findet - Ausnahme SAP und Nokia - global schwerpunktmäßig durch andere statt. Dabei sind Kernelemente der Produkte oder gar ganze Produkte in Deutschland entwickelt worden, wie z.b. das Faxgerät, der MP3 Standard oder der erste Computer von K. Zuse.
Die Verwertungsschwäche insbesondere von Ergebnissen der staatlichen Forschungseinrichtungen (FhG, MPI) und der Universitäten ist dabei nicht nur mit Geldmangel seitens des Staates zu begründen. Ganze High Tech Bereiche werden mit Millionensummen gefördert. Nanotechnologie, Mikrosystemtechnik oder Biotech werden durch Förderprogramme des BMBF unterstützt. Dennoch ist die Schaffung von Unternehmen und Arbeitsplätzen nicht so effizient wie in anderen Ländern.
Die Gründe hierfür sind verschiedener Natur.
- Forschung wird in Deutschland eher der Vorzug vor Unternehmertum gegeben, ganz anders in anderen Ländern.
- die Wertschöpfung findet nicht ausreichend genug durch Kapitalgeber/Investoren, die einen Return erwarten statt
- in Form von Innovationsrenditen (time to profit) wird eher nicht gedacht und gelebt
- das Sicherheitsdenken und der hohe Controllingaufwand führt zu Reibungs- und Zeitverlusten in neuen Märkten
- die technischen Kompetenzen sind hervorragend – die Marketingkompetenzen eher schwach ausgeprägt
- Monitoring- und Foresightsysteme sind eher konservativ und nicht spielerisch ausgelegt
Unternehmen und Staat sind gefordert neue Ansätze für schnellere und vor allem größere – sprich Global Player – Verwertung anzustreben. Am Beispiel der Hochtemperatursupraleitung lässt sich dies recht gut beschreiben. Die Entdeckung der keramischen Materialien fand in Europa statt. Seitdem sind 20 Jahre vergangenen. Von 1989 bis 2001 wurden mehrere hundert Millionen Euro in Deutschland investiert. Als sich die großen Firmen wie Siemens in Teilen zurückzogen und der erwartete Erfolg ausblieb, wurde das Förderprogramm eingestellt. Im Gegensatz dazu sind die Aktivitäten in den USA auf der staatlichen Seite hoch, ebenso in China.
Die 1989 neugegründete Firma American Superconductor Corp. (
www.amsuper.com) hat heute 400 Mitarbeiter und ist seit 1992 an der NASDAQ gelistet. Hätte es in Deutschland nicht die Aktivitäten einiger ehemaliger Siemens Mitarbeiter gegeben, die die Fa. Trithor gründeten (
www.trithor.de heute ZenergyPower), dann würden wir eine Schlüsseltechnologie kaum weiter verfolgen. Besonders die hohe Kapitalmarktaffinität amerikanischer und chinesischer Gründer ist beeindruckend. Hier sollte eine neue Kultur bei den verantwortlichen Aufgebaut werden, denn das Interesse an Deutschen Forschern und Ergebnissen ist weltweit sehr hoch. So sind denn auch die Gründer von Cisco eher Forscher und keine Kapitalmarktexperten, aber die Nähe zu Investoren hat eben zu dieser Erfolgsstory geführt. Im Grunde darf es Cisco nicht geben, denn seit Beginn der industriellen Revolution hatten Firmen wie Siemens, Phillips, AEG oder Alcatel die Kernkompetenz in der Datenübertragung und im Telefonsektor. Berücksichtigt man noch den Handymarkt fällt auch hier auf, dass Firmen wie Siemens Schwierigkeiten haben in neuen Märkten mit starkem Bezug zu Marketing und Konsumenten erfolgreich zu agieren.
Auf der anderen Seite sind Deutsche Mittelständler sehr erfolgreich im IT oder Pharmamarkt aufgestellt. Ihre Leistungen werden global vermarktet und werden stark nachgefragt. Oftmals sind ihre F&E Ressourcen stark begrenzt, wollen diese nicht ein zu hohes unternehmerisches Risiko eingehen. Dies gilt auch für Start ups, die erstmal Cash generieren müssen, um Investoren zu bedienen. Eine Konsequenz könnte sein, daß Deutschland viel in F&E investiert, aber zu wenig an Profit und Marktmacht zurück erhält. Wohlstand, Wissen und weitere Investitionslücken wären die Folge.
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Dr. B. Himmerich, Partner Manzel & Himmerich Consulting