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Inkontinenz und Reizstrom - Vaginalsonde / Analsonde

Autor: RMechling | Erstellt am: 01.11.2009 | Gelesen: 5521
Kategorie: Gesundheit - Medizin & Chirurgie | Bewertung: rateArateArateArateArateB
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(Online-Artikel.de) - Inkontinenz- Vorbeugung/Behandlung mit EMS / Reizstrom.

Vaginalsonde
Vaginalsonde
Belastungsinkontinenz, Stressinkontinenz und die Behandlungs- und Vorbeugungsmöglichkeiten durch Elektrostimulation / Reizstrom.

Feuchte Unterwäsche nach dem Lachen, Husten, Niesen oder Tragen von Lasten - am Anfang wird es ignoriert, später auf das "zunehmende Alter" geschoben. Nach und nach stellt man sich darauf ein, versucht mit Slipeinlagen oder gekreuzten Beinen beim Sitzen dem entgegenzuwirken und mit der Zeit findet man sich damit ab. Was bleibt, ist das Schamgefühl und der deutliche Verlust an Lebenskomfort.

Dabei liegt die mögliche Lösung nicht weit, denn die Ursache liegt oft in der erschlafften Beckenbodenmuskulatur. Diese ist eine der wichtigsten Muskelgruppen und trägt praktisch alle Organe des Beckens und des Rumpfes. Durch entsprechendes Training der Beckenbodenmuskulatur, das im Grunde nichts anderes als Anspannung und Entspannung des Schließmuskels ist, kann man der Inkontinenz entgegengewirken. Außerdem wird auch die Funktion von Blase, Darm, Gebärmutter, Prostata verbessert, was als Nebeneffekt positive Einflüsse auf das Sexualleben haben kann.

Als effektive ergänzende Alternative zu den üblichen Beckenbodenübungen kann die Elektrostimulation der Beckenbodenmuskulatur dienen. Bei der elektrischen Muskelstimulation, auch neuromuskuläre Stimulation genannt, wird die Beckenbodenmuskulatur mittels schwacher prickelnder Stromimpulse dazu angeregt, sich anzuspannen, zu kontrahieren. Hierzu werden Spezial-Elektroden (Vaginalsonde / Analsonde) anal oder rektal eingeführt. Der Blasenschließmuskel, die Scheiden- und Beckenbodenmuskulatur können so nachhaltig trainiert und gestärkt werden. Dadurch können z.B. nächtliche Toilettengänge deutlich reduziert werden, man ist eher in der Lage Urin beim Niesen oder Husten zu halten. Der Einsatz der Sonden kann sich hierbei unter Umständen auch positiv auf die Libido auswirken. Wichtige Voraussetzungen für den Erfolg der Therapie sind die Begleitung durch einen Facharzt sowie die Wahl des richtigen Reizstromgerätes und des Zubehörs.

Für die Elektrostimulation / Reizstromtherapie spricht außerdem die Möglichkeit des Einsatzes in den eigenen vier Wänden und die Überschaubarkeit der Kosten.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist auch der Einsatz von Reizstromgeräten in der Schmerztherapie als TENS (Transkutane elektrische Nerven-Stimulation). Die schmerzhemmende Wirkung von Elektrizität ist bereits seit Jahrtausenden bekannt. Laut Scribonius Largus, dem Verfasser von Compositiones – umfassende Rezeptesammlung, 1 Jh. nach Christus, haben sich bereits die alten Ägypter der Elektrizität des Zitterrochens bei Gichtbehandlung bedient. In Europa wurden elektrotherapeutische Verfahren erstmalig von Christian Heinrich Bischoff (1781 - 1861), dem Pharmakologie-Professor an der Jena-Universität um 1801, zur Behandlung von neurologischen Krankheiten erläutert.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts waren Reizstromgeräte sehr populär. Man setzte diese bereits damals nicht nur zur Schmerzbehandlung, sondern auch in weiteren Gebieten, z.B. bei Inkontinenz. Auch wurden Reizströme bereits um 1900 von Walther Hermann Nernst, dem deutscher Physiker / Chemiker und Chemie-Nobelpreisträger wissenschaftlich untersucht. Die fortschreitende Entwicklung und Produktion von Schmerzmedikamenten ließ die Reizstromgeräte und die damit verbundenen medikament- und nebenwirkungsarmen Schmerbehandlungstherapien etwas in Hintergrund treten.

Durch neue Erkenntnisse, wie z.B. die Kontrollschrankentheorie oder auf Englisch Gate Control Theory (1965, Melzack/Wall) haben Reizstrom-Verfahren wie TENS inzwischen als anerkannte und weit verbreitete Standardverfahren in der Schmerztherapie-Praxis Einzug gehalten.

Die niedrigfrequente akupunkturähnliche TENS wurde in Schweden entwickelt. Hierbei umgingen die schwedischen Ärzte das damalige Verbot der traditionellen Nadelakupunktur, indem sie sich der Reizstrom-Stimulation bedienten. Auf diese Art konnten auch Erkenntnisse der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wie Akupunktur und Akupressur in die moderne Schmerztherapie mit eingebunden werden.

R. Meching
 
 
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