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Industriekletterer - Höhenarbeiter am Seil

Autor: 3XM68 | Erstellt am: 16.08.2010 | Gelesen: 2510
Kategorie: Beruf - Bildung & Karriere | Bewertung: rateArateArateArateArateB
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(Online-Artikel.de) - Durch den Einsatz von Industriekletterern ergeben sich im Vergleich zum Einsatz herkömmlicher Mittel bei der Höhenarbeit zahlreiche Vorteile.

Industriekletterer bei der Arbeit
Industriekletterer bei der Arbeit
Industriekletterer, auch Höhenarbeiter, Gewerbekletterer oder Baukletterer genannt, sind heute ausschließlich speziell ausgebildete Anwender der Seilunterstützten Zugangstechnik. Dieses moderne Verfahren der Arbeitsplatzpositionierung entspricht den Standards der Arbeitssicherheit. Im Gegensatz zum Klettersport ist die Motivation eines Industriekletterers nicht das Erreichen eines persönlichen Ziels, sonder die Lösung eines infrastrukturellen Problems und die Durchführung von Arbeiten in großer Höhe.

Diese Arbeiten sind mit konventionellen Mitteln zur Durchführung von Höhenarbeiten, wie dem Einsatz von Kränen oder dem Aufstellen von Gerüsten, nicht durchführbar oder sehr kostenintensiv. Ist im ersten Fall der Einsatz von Industriekletterern die einzige Möglichkeit, die Arbeiten in großer Höhe durchzuführen, so ist er auch im zweitem Fall angezeigt, da er auf jeden Fall hilft, Kosten zu sparen. Oft ist der Umfang der durchzuführenden Arbeiten so gering, dass die hohen Kosten, die beim Einsatz von Kränen oder beim Aufstellen von Gerüsten entstehen würden, nicht zu rechtfertigen sind.

Ausrüstung und Arbeitsweise

Industriekletterer verwenden bei der Lösung dieser Aufgaben genormte Spezialausrüstung. Dazu gehören Chemiefaserseile, Verbindungselemente wie Karabiner und Bandschlingen, selbstblockierende Abseilgeräte und mitlaufende Auffanggeräte. Zur Absturzsicherung setzen Industriekletterer ein zweites, redundantes Sicherungsseil ein.

Im Gegensatz zum Sportklettern nähern sich Industriekletterer in den meisten Fällen dem jeweiligen Arbeitsbereich von oben an. Sie seilen sich unter Verwendung ihrer Spezialausrüstung von oben ab und führen an der Arbeitsstelle ihre Arbeiten abgesichert aus. Nach Abschluss der Arbeiten seilen sie sich dann zum Boden ab. Nur wenn die örtlichen Gegebenheiten ein Abseilen nicht zulassen, steigen Industriekletterer am Seil wieder zum Ausgangspunkt ihrer Arbeiten auf.

Welche Vorteile ergeben sich beim Einsatz der Seilunterstützten Zugangstechnik

Durch den Einsatz von Industriekletterern werden die Kosten für die Durchführung von Arbeiten in großer Höhe minimiert. Die Geräte- und Materialkosten für teure Kräne oder Gerüste entfallen. Industriekletterer benötigen deutlich weniger Zeit für die Arbeitsvorbereitung, als dies beim Einsatz von Kränen der Fall wäre. Auch die Rüstzeiten, die beim Aufstellen von Gerüsten entstehen, entfallen. Stellplatzgenehmigungen, die im öffentlichem Raum fast immer kostenpflichtig sind, müssen beim Einsatz von Industriekletterern nicht eingeholt werden.

Neben der Minimierung der Kosten sind Industriekletterer wesentlich flexibler und schneller als konventionelle Mittel und können auch auf schwer zugänglichen Baustellen eingesetzt werden, egal ob für einen Kran unzugänglich oder für ein Gerüst zu hoch.

Beim Einsatz von Industriekletterern sind in weitaus geringerem Umfang Maßnahmen zur Absperrung im Bodenbereich notwendig. Die Behinderungen für Fußgänger und den Straßenverkehr unterhalb der Baustelle fallen also ebenfalls geringer aus.

Kurze Geschichte der industriellen Kletterei

Die Geschichte der Industriekletterer beginnt in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. So wurden beim Bau des Hoover-Staudamms (1931 bis 1935) und der Golden Gate Bridge (1933 bis 1937) Industriekletterer eingesetzt. Ein zweites Sicherungsseil setzten Industriekletterer zum ersten Mal bei der Errichtung, Wartung und Sanierung von Bohrinseln in der Nordsee ein (seit 1970). In der DDR wurden Industriekletterer zur Sanierung von Plattenbauten eingesetzt. Dies war notwendig, da bei vielen Plattenbauten Nässe durch den undichten Beton drang und Gerüste oder Hebebühnen nicht im benötigten Umfang zur Verfügung standen.

Nach der Wiedervereinigung kam es in Deutschland aufgrund zu starker Bedenken hinsichtlich des Arbeitsschutzes zur Stagnation auf dem Gebiet der industriellen Kletterei. Erst 1995 erreichten die Künstler Christo und Jeanne-Claude für ihr Projekt "Verhüllter Reichstag" eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz von Industriekletterern. Im gleichen Jahr gründete sich der FISAT (der Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken e.V.) aus Sachverständigen aus Industrie, Wirtschaft, Höhenrettung und Unfallversicherungsträgern. 1997 gab der FISAT Richtlinien zur Sicherheit beim Einsatz von Industriekletterern aus und konnte die Bedenken den Arbeitsschutz betreffend zerstreuen.

Ausbildung und Zertifizierung

Der FISAT gibt nicht nur Richtlinien zur Sicherheit aus, er regelt auch die Ausbildung und die Zertifizierung von Industriekletterern. Seit 1997 können Industriekletterer eine anerkannte Ausbildung machen.

Die Ausbildung zum Industriekletterer findet in Fachbetrieben statt und unterteilt sich heute in drei Level: Seilzugangstechnik Level 1 (Grundausbildung Höhenarbeiter), Seilzugangstechnik Level 2 (Höhenarbeiter) sowie Seilzugangstechnik Level 3 (Aufsichtsführender). Für jedes Level muss ein gesonderter Kurs absolviert werden, an dessen Ende ein FISAT-Zertifizierer eine Prüfung abnimmt. Im Erfolgsfall erhält man ein Zertifikat für das entsprechende Level, welches ein Jahr seine Gültigkeit behält. Nach Ablauf dieses Jahres muss eine Wiederholungsunterweisung entsprechend dem Level des Zertifikates absolviert werden, die das Zertifikat um ein weiteres Jahr verlängert.

Industriekletterer sind aber meist nicht nur speziell ausgebildete Höhenarbeiter, sondern haben darüber hinaus oft noch eine Berufsausbildung im baufachlichen Bereich oder ein Ingenieurstudium abgeschlossen. Somit sind Industriekletterer befähigt, auch anspruchsvolle Arbeiten in großer Höhe sicher und fachgerecht auszuführen.

Industriekletterer sind flexibel einsetzbar - einige Einsatzmöglichkeiten (Auswahl)

Aus der großen Flexibilität der Seilunterstützten Zugangstechniken, der geringen Kosten für den Einsatz von Industriekletterern und ihrer fachlichen Kompetenz ergibt sich ein breites Leistungsspektrum. Industriekletterer können bei Montagearbeiten, Sanierungen, Wartungsarbeiten, Dokumentationen und Baugutachten, der Installation von Werbeträgern sowie bei der Filmproduktion oder bei der Installation von Veranstaltungstechnik eingesetzt werden.

 
 
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