Implantat bei Patienten
Für mich als erfahrenen
Implantologen, gibt es auf die Frage nach dem besten Zahnersatz nur eine mögliche Antwort: das
Implantat. Warum? Das Implantat trägt zunächst zu einem ästhetisch schönen Erscheinungsbild bei. Es fügt sich in die Reihe der eigenen Zähne, als wäre es eines von ihnen. Doch ein Implantat sieht nicht nur aus wie ein natürlicher Zahn, sondern es funktioniert auch wie ein eigener, und das ist letztendlich das, was einen Zahnmediziner von der
Implantologie überzeugt.
Betrachten wir also die „künstliche Zahnwurzel" rein von der gesundheitlichen Seite, dann überträgt sie (zusammen mit der darauf befestigten Krone) die Kauimpulse auf den Kieferknochen. Als Folge behält der Kiefer samt Muskel seine natürliche Spannkraft. Zugleich wird mit der „künstlichen Zahnwurzel" die vorherige Lücke zwischen den Zähnen wieder gefüllt, so dass der Körper weder auf die Idee kommt, das herumliegende Zahnfleisch, noch den Kieferknochen abzubauen, was beispielsweise bei einer Brücke geschieht. Der Vorteil eines Implantats gegenüber der Brücke liegt zudem darin, dass gesunde Nachbarzähne nicht angeschliffen werden und so vollkommen intakt bleiben.

Betrachtet man nun all die Vorteile in ihrer Summe, ist es umso erstaunlicher, dass ein
Implantat bei Patienten nachwievor mit so vielen Fragezeichen belastet ist. Es scheint, dass es an ausreichend Aufklärung unsererseits mangelt. Zudem wiegen Forenbeiträge schwer, in denen von „komplizierten Knochentransplantationen" die Rede ist, von „Implantatverlust nach langwieriger Behandlung" oder von „Entzündungen mit Schmerzen".
Zugegeben, solch negative Beiträge hinterlassen selbst bei mir, als Implantologe, so manches Mal ein „mulmiges Gefühl". Stecken doch hinter jedem kritischen Bericht ein menschliches Einzelschicksal, ein Patient, dem es eventuell an Aufklärung und Unterstützung mangelte und der jetzt verzweifelt nach dem fachlichen Rat durchs Internet surfen. Andererseits schüren diese Beiträge aber auch Angst vor Implantat-Komplikationen, die zumindest teilweise vermeidbar sind, und die wenigsten Patienten betreffen!
Das Pflanzen eines Implantats in den Kieferknochen ist ein chirurgischer Eingriff, der mit allen möglichen Komplikationen verbunden ist, die zu einem operativen Eingriff zählen. Nur ist die Implantologie heute so weit fortgeschritten, dass Risiken (bis auf ein minimales Restrisiko) vermieden werden können. So können beispielsweise mit Hilfe eines Volumentomographs 3D-Aufnahmen des Kiefers gefertigt werden, die das Einsetzen des Implantats millimetergenau ermöglichen. Zudem kann ein Implantologe mit dem neuen Verfahren fast oder ganz ohne chirurgischen Schnitt arbeiten, so dass Schmerzen und Schwellungen nach der Operation weitestgehend vermieden werden.
Die Gefahr von Entzündungen kann minimiert werden, wenn Zahnfleisch und Zähne vor dem Implantat-Einsatz gesund sind! So sollten keine Parodontose, keine kariösen Zähne und kein Bakterienherd vorliegen. Implantiert werden darf nur in eine gesunde Mundhöhle!
In der Implantologie gibt es Risikogruppen, bei denen im Vorfeld die Entscheidung zu einem Implantat gut abgewägt werden muss, weil ansonsten tatsächlich die Gefahr eines Implantat-Verlusts droht. Zu diesen Risikogruppen zählen starke Raucher. Auch betroffen sind Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), wenn sie zuvor nicht gut eingestellt wurden. Zu dem Zeitpunkt einer Implantat-OP dürfen des Weiteren weder schwere Stoffwechselkrankheiten, noch schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen und auch das Knochenangebot muss ausreichend sein (5 mm breit und 8 mm hoch). Womit wir gleich bei dem nächsten Aspekt, der „Knochentransplantation", wären.
Um erst einmal den vielen Bedenken entgegenzuwirken: Nicht immer ist eine Knochentransplantation für das Pflanzen eines Implantats notwendig! Nur wenn nicht genügend eigenes Knochenvolumen vorliegt, muss der Knochen erst aufgebaut werden. Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten. So wird ein kleines Knochendefizit mit Ersatzmaterialien aufgefüllt. Nur bei großem Knochendefizit erfolgt der Aufbau durch die Entnahme von körpereigenem Gewebe aus dem Unterkiefer-, Kinn- oder Weisheitszahnbereich oder aus dem Beckenkamm.
Ein Fazit: Ein
Implantat ist der hochwertige und aktuell beste Zahnersatz, den man einem Patienten empfehlen kann. Doch sollten vor und während des chirurgischen Eingriffs alle eventuellen Risiken auf ein Minimum reduziert werden, um es dem Patienten so „angenehm" wie möglich zu machen. Auch nach dem Eingriff ist von Seite des Patienten Geduld gefragt, da die „künstliche Zahnwurzel" mehrere Monate einheilen muss, bis die endgültige Krone platziert wird. Doch ist das ganze Prozedere erst überstanden, wird der Patient reichlich belohnt – mit einem neuen Zahn, der agiert wie ein natürlicher Zahn und von dem man lange profitiert!
Dr. med. dent. Hubert Litter (Master of Science für Implantologie, Master of Science für ästhetisch-rekonstruktive Zahnmedizin)