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Ich will leben, wir alle wollen leben

Autor: Angel | Erstellt am: 07.04.2010 | Gelesen: 768
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Wird die Wirtschaftkrise noch schlimmer, oder geht sie vorbei und lässt uns relativ ungeschoren davon kommen?

Geld fürs Brot - siepmannH pixelio
Geld fürs Brot - siepmannH pixelio
Deutet etwas darauf hin, dass die wirtschaftliche Krise so schlimm werden könnte, dass unser aller Leben tatsächlich in Gefahr gerät?
Wenn ein „Nein" die Antwort ist, dann ist ja alles in Ordnung und wir müssen uns nur darauf einstellen, dass jene, die arbeitslos werden, ein paar Schwierigkeiten bekommen und einfach den Gürtel etwas enger schnallen müssen. Irgendwann sind die schlechten Zeiten dann wieder vorbei und es geht allen wieder besser. Wir können das Thema abhaken und uns erfreulicheren Dingen zuwenden. Letztlich können wir einfach so weitermachen und weiter denken wie bisher.

Es ist auch möglich zu glauben, dass die bevorstehenden Zeiten ganz und gar nicht so harmlos werden und sich dabei zu denken, dass dagegen nun einfach nichts zu machen ist. Denn so war es ja schon immer: auf die fetten Jahre folgen die mageren Jahren, Konjunkturhoch und dann das Konjunkturtief, mal ein pralles Leben und danach die Rechnung. Wer so denkt, befindet sich in prominenter Gesellschaft. Hochdekorierte, altgediente Giganten der Wirtschaft und Politik denken so und lehnen sich ruhig im Sessel in den Talkshows zurück. Diejenigen, die aktuell im Amte sind und im Scheinwerferlicht Rede und Antwort stehen sollen, wirken hingegen weniger entspannt. Ihnen sieht man die Anspannung und die Furcht an. Sie müssen noch denken, dass man gegen diese Krise doch angehen kann. Sie müssen noch die Hoffnung verbreiten, dass ihre Konjunkturprogramme, Gesetzesverschärfungen, Enteignungswellen, fachmännische Worthülsen und komplizierte Expertenanalysen gemixt mit ein paar aufmunternden Worten das Unheil in seinem Lauf aufhalten können und werden. Sie sehen den Tsunami vor sich auftürmen und fangen mit Schäufelchen und Eimerchen an, wie verrückt zu schippen. Das kostet enorm viel Kraft und lässt sie recht schnell glauben, sie würden alles Menschenmögliche tun, um den Tsunami zu verhindern.

Werden uns die nationalen und internationalen Kraftakte der aktuellen Politikergarde mit samt ihren Beratern und Weisen helfen, das Leben zu bewahren? Können sie den bevorstehenden Zusammenbruch der Produktion und Arbeitsteilung in eine moderate und vorübergehende Wirtschaftskrise umwandeln?

Ich glaube das nicht. Doch ich will leben, das weiß ich genau.

Wenn mich die Politiker und ihre Milliarden-Maßnahmen nicht retten werden, bin ich dann auf mich alleine gestellt? Hilft es mir, wenn ich mir eine Campingausrüstung zulege und mich mit allem Pipapo auf Survival trimme? Wen zurücklassen und wohin flüchten? In den Süden, wo einem die Hungernden schon lange entgegen gelaufen kommen? In den Norden, wo die Tannen hoch und die Wälder weit sind? Werde ich alleine auf die Idee kommen, gen Norden zu ziehen? Sind die anderen, welche auch diese Route nehmen, meine Feinde oder vereinen wir uns zu einem solidarischen Zug? Wenn wir uns nicht gegenseitig für ein paar Konserven umbringen, hätten wir dann nicht gleich friedlich in der Heimat bleiben können? Wie viele Beeren ernähren wie viele Menschen?

Ich will leben und das heißt nicht, länger als andere zu vegetieren.

Leben heißt für mich genügend gutes Essen, gute Kleider, ein schönes Zuhause mit Breitband und Energie für Herd, Heizung, PC und Stereo. Für mich alleine wünsche ich mir das nicht, denn das wäre nicht das Leben, das ich mir wünschen könnte. Ich wünsche mir das Gleiche für meine Familie, meine Kinder, meine alten Eltern, meine Nachbarn, meine alle Miteinwohner der Stadt, für alle, die in diesem Land leben, auf dem Kontinent auf der ganzen Welt. Eine Lösung, die nur mich rettet oder meine Familie oder meine Stadt, meine Region, mein Land oder meinen Kontinent gibt es nicht. Wir alle oder keiner. Oder so wenige, die das Land, bei einfachster Bewirtschaftung – ohne nennenswerte Technik und ohne größeres landwirtschaftliches Know How - zu ernähren vermag. Wie viele Millionen, verstreut über die ganze Welt, können das wohl sein?

Ich will leben und das heißt, wir brauchen eine Lösung für alle.

Wir brauchen keine verdrehte Lösung, keine augenscheinliche Lösung, sondern eine tatsächliche Lösung. Worte, die sich nur nach Lösungen anhören taugen nichts, auch wenn sie noch so geschnörkelt oder aggressiv und brutal daher kommen. Lösungen, die schon beim zweiten Gedanken auf logische Abgründe stoßen, taugen auch nichts. Lösungen, die uns nicht verraten, woher das ganze Elend kommt, sind auch keine Lösungen. Ursachen, die nicht wirklich zu den UR-Sachen gezählt werden können, wenn man sie genau durchdenkt, sollten uns auch nicht weiter beschäftigen, denn die Zeit drängt. Wir brauchen eine wirkliche Lösung. Eine Lösung, die die Ursache für das Desaster beseitigt. Denn wenn wir uns jetzt nicht der Lösung zuwenden, dann nimmt die Krise ihren Lauf. Sie weitet sich aus und erfasst immer mehr Bereiche. Erst die Banken, dann die Autobauer, die Zulieferer, die Maschinenbauer, die Rohstoffproduzenten. Keine Branche kann dem Abwärtsstrudel entkommen und wir hören immer nur von weiteren Entlassungen und Produktionsstilllegungen. Auch eine Verstaatlichung kann den Rückgang der Produktion nicht verhindern? Haben wir das schon vergessen? Oder sind die heutigen Marktwirtschaftler die besseren Planwirtschaftler? Ist Merkel die bessere Honeckerin?

Produktionen, die zurückgefahren werden sind alles andere als geeignete Maßnahmen, um verwöhnten Generationen eben mal den übertriebenen Konsum auszutreiben. Produktionen, die zurückgefahren werden, lassen Produzenten sterben und am Ende stirbt auch der Konsument, egal mit wie wenig zu begnügen er bereit gewesen ist. Mit den Produzenten stirbt auch die Technik und das Know How, die Technik bereit zu stellen und zu betreiben. Man frage den Bauern, wie viel Liter Milch er mit seinen Händen morgens den Kühen abringen kann.

Ist es dieses Mal so schlimm? Geht das nicht vorbei, wie bisherige Krisen nach dem letzten großen Krieg? Die Wahrheit, die niemand gerne hören will, steht jeden Tag in der Zeitung. Bald folgen die nächsten größeren Entlassungswellen, mehr Menschen, die keine Arbeit und kein Geld mehr haben. Das macht weitere Produktionseinschränkungen erforderlich und sogar unausweichlich. Denn woher soll es kommen, das Geld, das die Produktion auf heutigem Niveau erst möglich macht? Sind wir bereit, schwere soziale Unruhen über uns ergehen zu lassen? Wollen wir das wirklich erleben? Ich nicht. Denn ich will leben.

Angelika Garbaya
www.freiheitswerk.de
 
 
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