autonet.at testet den Honda CR-Z i-VTEC
Soll man es begrüßen, wenn die Zeit alles weichspült, was uns einst lieb und teuer war? Theoretisch ja. Im Großen und Ganzen auch. Aber wenn aus dem kleinen, heißen Eisen CR-X ein ökologisiertes Gutauto wird, dann hört sich der Spaß auf. Dann muss man umdenken. Worum geht's heute? Nicht mehr um schwarzes Reifengraffity auf den ersten paar Metern nach der Ampel, nicht um Bestzeiten zwischen Wien und Mariazell, nicht um Fuchsschwänze auf hohen Antennen, denn wir haben jetzt eine Sharkfin am Dach. Da lässt sich nichts befestigen, das die Aerodynamik stört.
Vernunft ist Trumpf
Damen und Herren, heute regiert die Vernunft. Heute sind Verbrauchs- und CO2-Werte die Trümpfe im Autoquartett. Wir reden hier nicht von Ausreißern der Porsche-Ferrari-Liga oder den aufgezwirbelten, bourgoisen BMW/Audi/Mercedes-Limousinen, Kombis und SUVs. Wir befinden uns im breiten Volkssegment, da, wo das wahre Leben spielt. Und hier macht ein CR-Z Sinn. Er verbraucht nämlich relativ wenig Treibstoff. Unter seiner aggressiven, fast rotzigen Oberfläche steckt ein braver Charakter, der nichts mehr will, als die Umwelt schonen. Ein kleiner Hybrid mit tapferem 14 PS Elektromotor und 114 PS Benziner. Der schaut zwar aus, als könnte er jederzeit die Welt niederreißen, und dann muss man schon alle Tricks anwenden, um überhaupt mitzukommen: Die Sporttaste bemühen, die Gänge hoch ausdrehen und die Zähne fletschen.
Sparen auf Knopfdruck
In seinem futuristischen Armaturenbrett liegen gut beleuchtet, so dass man sie nachts auch in der Windschutzscheibe sieht, drei Schalter: Sport, Normal und Econ. Im Sport-Modus, dann, wenn sich alle innewohnende Leistung zusammenballt, strahlt die Tourenzähler/Tacho-Kombi in warnendem Rot, als Hinweis, diesen Unfug gefälligst zu lassen und das Kurvenheizen, das dank direkter Lenkung und kurz-exakter Schaltung durchaus Freude bereitet, einzustellen. Und zumindest wieder „normal" zu werden. Denn hier wechselt das Licht von Blau zu Grün, wenn man sparsam unterwegs ist, also beim untertourigen Dahinrollen, bei frühem Schalten und so.
Von wollen und nicht dürfen . . .
Im Econ Zustand verliert der CR-X alle Zähne. Da geht nix weiter. Da wird nur mehr gespart. Und das ist ja alles in Ordnung. Auf 6,5 Liter schraubt der Hybrid mit Bremsenergierekuperation und Start-Stopp System den Verbrauch spielend herunter. Wobei im Vertrauen gesagt auch längere, heftige „Sport"-Phasen daran nichts ändern. Aber warum pflanzt man die ganze Ökotechnik in eine niedere, flache Karosserie, die GTI-Gefühle verströmt, warum kann die Rücksitzbank nur als Stauraum bezeichnet werden, auf der man auch Kinder bei längerer Fahrt martert? Warum ist das alles so sportlich ausformuliert samt schwieriger Rücksicht durch die geteilte Heckglasscheibe, wo man über die Parkpiepserl echt froh ist? Oder der Startknopf! Der ja ohnehin nur scharf wird, wenn man den Zündschlüssel gedreht hat. Im CR-Z streiten ständig Angebot und Nachfrage. Oder umgekehrt. Will man mehr von ihm, fährt er dir mahnend in die Parade. Samt eco-Blümchen als Motivation und Belohnung für umweltgerechtes Fahren. Man will. Aber man darf nicht. Oder so ähnlich.
von Andreas Hochstöger, autonet.at