Klar, die Welt dreht sich auch nach Absolvieren der Schulzeiten weiter. Sind wir aber deshalb unentrinnbar dazu verdammt, uns mit jedem noch kleinen Raster mit zu drehen? Wohl eher nicht ! Denn wozu sollte eine (hoffentlich gute) Schule wohl auch sonst eine solide Grundlage gelegt haben, wenn daraus nicht ein zumindest individuell betrachtet kleiner Freiheitsspielraum hervorgegangen wäre. Der dann einem gut ausgebildeten Schüler ermöglicht hätte, sich nicht gleich mit jedem Fähnchen eines angeblich aktuellen Zeitgeistes mitdrehen zu müssen.
Kommen wir einmal zu dem, was angeblich einmal Bismarck gesagt haben soll. Bei Richtern und Gesetzen sehe er vier Möglichkeiten, nämlich:
- Gute Gesetze und gute Richter,
- Gute Gesetze und schlechte Richter,
- Schlechte Gesetze und schlechte Richter und schlussendlich
- Schlechte Gesetze und gute Richter.
Für den letzten Fall soll Bismarck der Meinung gewesen sein, dass gute Richter selbst schlechte Gesetze bei weitem aufwiegen und überkompensieren könnten. Ohne dies auf die Gegenwart übertragen dann weiter diskutieren zu wollen, drängt sich eine analoge Überlegung auf. Denn wie wäre die Sachlage beispielsweise bei Schule und Schülern? D.h.
- Gute Schule und gute Schüler,
- Gute Schule und schlechte Schüler,
- Schlechte Schule und schlechte Schüler, sowie
- Schlechte Schule und gute Schüler?
Ob ein Schüler wirklich gut oder schlecht ist, sei dabei nicht allein anhand seiner Noten, sondern auch anhand seiner zuvor bereits erwähnten und systematisierten „soft skills", insbesondere anhand seiner Sozialkompetenz gemessen. Wäre Bismarck auch dann wohl der Meinung gewesen, dass in diesem Sinne gute Schüler auch eine schlechte Schule wettmachen und überkompensieren können ? Da die maximale gut-gut-Kombination in der Realität nicht immer anzutreffen ist, wäre dies eine vielleicht überlegenswerte Frage.
Vgl hierzu ausführliche Ausführungen von Becker, Jörg: Es steht eine Schule im Hanauer Land – Hohe Landesschule ist sie seit alters genannt, 2010, ISBN 9783839199176.Kurz und gut, man gelangt direkt oder indirekt zur Frage der Rendite. Bezüglich der Bildung allgemein und der Schule im Besonderen. Auf konkrete Einzelfälle bezogen könnte man den Eindruck gewinnen, dass solche Fragen eigentlich niemand so recht interessieren. Die Schule nicht oder kaum und deren Schüler schon gar nicht. Unter Verweis auf zuvor dokumentierte Sextaner-Aufnahmeprüfungen war man zumindest seinerzeit genau darüber im Bilde, was man gesät hatte. Ob und wie diese Aussaat dann aufgegangen ist, meinte man anhand der später abgelegten Prüfungszeugnisse ablesen zu können. Doch spätestens mit dem Abitur gilt wieder jener Schluss eines alten Schüler-Liedes, nämlich: Und kommt einst der Tag, da es zum letzten mal schellt, ade Sinussatz a.c.i., Magistri valete wir fahr´n in die Welt, ohne Cäsar und Geometrie. Danach aber verflüchtigen sich die Spuren ehemaliger Schüler mehr oder weniger schnell. Da speziell die Rendite dessen, was die Schule geleistet hat, erst im späteren Leben anfällt, die Kontakte hierzu aber abgebrochen sind, weiß die Schule nur sehr wenig über ihr „Produkt" Ausbildung, wie sich dieses unter welchen Bedingungen im Praxiseinsatz verhält und hoffentlich bewährt. Überspitzt formuliert, steuert die Schule ihre Prozesse über weite Strecken quasi im Blindflug. Keine wirtschaftliche denkende Organisation könnte sich eigentlich solches leisten. Zumindest heute scheint sich solche Erkenntnis auf breiterer Basis durchzusetzen. Abzulesen ist diese Entwicklung an vermehrten Versuchen zur fundierten Kalkulation von Bildungs-Renditen. Grundlage hierfür könnte ein großer Satz sein: „Das Schulwesen gehe allen anderen Dingen voran"!
Vgl. Becker, Jörg: Es steht eine Schule im Hanauer Land – Hohe Landesschule ist sie seit alters genannt, 2010, ISBN 9783839199176.Jörg Becker
www.beckinfo.de