Schule = Möglichkeitsraum
Schule als Möglichkeitsraum, der eine Welt öffnet, die man vorher so vielleicht nicht kannte. Der für einen späteren Beruf eine gut sortierte Toolbox mit auf den Weg gibt. Der offen und neugierig auf Neues macht. Schulzeiten = Bruchteil im Lebenszyklus. Die Schule iherseits ist ein Teil des Standort-Ganzen. Für alle Schulzeiten gilt die stets wiederkehrende Kernfrage, ob für sie bildungsfreundliche Rahmenbedingungen wirkten. Wurden beispielsweise die für Schule und Bildung zuständigen Behörden, Verwaltungsstellen und sonstige Bürokratie ihrer Verantwortung gerecht ? War der Lehrkörper hinsichtlich jedem seiner Mitglieder kompetent und qualifiziert ? Kompetenz ist nicht nur in der Bildung, sondern im Leben und in der Wirtschaft allgemein ein weites Feld. Besonders im Möglichkeitsraum für Schulzeiten ist dabei die menschliche Kompetenz mindestens ebenso wichtig wie die fachliche Kompetenz. Ein Möglichkeitsraum, wie er hier verstanden wird, ist somit quasi die Hülle zum Lernen.
Gleichfalls zu den Möglichkeitsräumen zählen aber auch Einrichtungen, Schulhöfe und vieles mehr. Wie auch seinerzeit vor vielen Jahren bereits jener Schulhof der Hohen Landesschule: dieser Raum bot nicht nur Verschnaufpausen in einem langen Schultag. Vor allem war er der Raum, der Möglichkeiten zu Kontakten über Klassengrenzen hinweg bot. Nur auf den ersten Blick war ein solcher Möglichkeitsraum ein ungeordnetes Chaos. In Wirklichkeit jedoch bildete er eine streng gegliederte Ordnung, ja sogar Rangordnung. Glaube nur ja niemand, man hätte sich dort wo man gerade wollte platzieren dürfen. Hier waren gruppendynamische Prozesse allererster Güte im Gange. Zunächst einmal hatte jede Klasse das ihr fest vorgegebene Territorium zu frequentieren. Ohne dass jemand die Funktion eines Platzanweisers ausübte gab es ungeschriebene Regeln. Die einzuhalten waren und gegen die sich auch keiner auflehnte. Warum auch ? Dann gab es eine feste Rangordnung. Nicht etwa, dass Primaner die besten Plätze, von der Ausstattung her waren ohnehin alle gleich, für sich beansprucht hätten. Dagegen aber immer den gleichen Platz. Zu dem man aus den niedrigeren Klassen manchmal sehnsuchtsvoll hinüberschaute und davon träumte, einmal selbst dort stehen zu dürfen. Zudem Primaner selten in offenen Gruppen sondern meist in einem geschlossenen, für Außenstehende geheimnisvoll wirkenden Kreis standen. Quasi wie in einer rundum geschlossenen Wagenburg, um sich gegenüber niederen Ranggruppen abzuschotten.
In der folgenden Publikation von Becker, Jörg: Es steht eine Schule im Hanauer Land – Hohe Landesschule ist sie seit alters genannt, 2010, ISBN 9783839199176 wird über 50 Jahre hinweg ein Bogen von Schulzeiten zu den späteren Berufszeiten gespannt, eine Brücke über die man gehen muss.
Jörg Becker (www.beckinfo.de)