Wert der musischen Bildung
Wie es heute ist mögen andere beurteilen. Das Heute lässt sich aber nur mit dem Wissen verstehen, was gestern gewesen ist. Und um dieses Gestern geht es: Selbst an einer Schule mit Ansprüchen wie die der Hohen Landesschule im Hanauer Land schienen die musischen Fächer allerdings eher Beiwerk zu sein. Musikstunden wurden fast immer ans Ende des täglichen Stundenpensums gesetzt, also dorthin, wo man die einsetzenden Erschöpfungszustände der Schüler vermutete. Obwohl die Aufmerksamkeit wohl eher den Sprachen und den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern galt, kamen diese Fächer letztlich aber trotzdem zu ihrem Recht. Es waren wohl fachlich teilweise überqualifizierte Lehrer, die letztlich dafür sorgten, dass ohne dieses „Beiwerk" auch nichts ging. Lehrer, die Theater und Musik zum Erlebnis machten und mit den von ihnen initiierten Aufführungen immer wieder auch gleichzeitig Zeichen in der Öffentlichkeit setzten. Es ist auch niemand aus jener Zeit bekannt, der bereits damals erkannte, dass musische Bildung auch förderlich für die Leistungsfähigkeit in anderen, für Beruf und Karriere relevanten Fächern sein kann. Eines werden im Nachhinein aber wohl die meisten bestätigen: es wurden Erfahrungsräume und Perspektiven und damit der Zugang zu einer anderen, vielen damals jedenfalls noch fremden Welt eröffnet. Alles in allem: das sogenannte Beiwerk diente (mehr als vieles andere) irgendwie und irgendwo der Entwicklung der Persönlichkeit.
Aus heutiger Sicht möchte man behaupten, dass ohne das „Beiwerk" sogenannter „weicher" Fächer jene sogenannten „harten" Fächer überhaupt nicht zu meistern gewesen wären. Man halte sich einmal jene Stress- und Horror-Vision vor Augen, bei der man Tag für Tag geschlagene sechs Stunden immer nur jeweils dem Lehrstoff von Mathematik, Physik, Chemie und Biologie ausgesetzt gewesen wäre. Vielleicht noch jeden zweiten Tag mit einer saftigen Prüfung garniert. Selbst der damals bekannte Lehrkörper wäre dem wohl nicht gewachsen gewesen. Mit anderen Worten: diese Fächer sind nur möglich, wenn dazwischen auch einmal andere Gehirnregionen angesprochen werden, d.h. ein Schüler vielleicht auch einmal seine Seele baumeln lassen kann. Musische Bildung mag vielleicht nicht den Leistungsgrad in Sprachen und Naturwissenschaften signifikant verbessern, dürfte in vielen Fällen aber zur inneren Zufriedenheit und Ausgeglichenheit beitragen und somit ein wichtiger Verbündeter gegen das bereits im Schultag von heute mögliche Burn-out-Syndrom sein.
Mit diesen und vielen anderen Begebenheiten beschäftigt sich eine Reihe Personal- und Standort-Publikationen, so u.a Becker, Jörg: Es steht eine Schule im Hanauer Land- Hohe Landesschule ist sie seit alters genannt – Brücke über 50 Jahre, 2010, ISBN 978 3 8391 9917 6.
Dipl.Kfm. Jörg Becker> (www.beckinfo.de)