Wiederbeleben längst vergangener Schulzeiten
Es ist die spaltende Frage nach dem Pro und Contra: welchen Sinn machen, nachdem die diesbezüglichen Schulzeiten längst vergangen sind, überhaupt noch Klassentreffen. Einige ersparen sie sich ganz. Andere versuchen mit aller Macht,sich noch Jahrzehnte später über das inzwischen auch in ihr Leben eingetretene Internet wiederzufinden.Bei einer Zeitreise mit Rückblicken sollte man tunlichst zu vermeiden suchen, durch eine rosarote Brille zu schauen und dabei aus altersbedingter Gefühlsduselei Vergangenes zu verherrlichen. Da unser Gehirn nun einmal so angelegt ist, Negatives im Laufe der Zeit eher auszublenden. Eine Schule mit nur positiven Gegebenheiten wäre denn wohl auch unnatürlich, der Realität wenig entsprechend und damit auch nicht glaubwürdig. Ein Urvater aller Börsenspekulationen hat auf die Frage nach seinen Erfolgen einmal geantwortet: 49 % meiner Geschäfte gehen schief, 51 % bringen Gewinn und von den 2 % Unterschied lebe ich. Dieses Bild könnte man so oder ähnlich auch auf die Schule anwenden: wichtig ist vor allem, dass das Positive überwiegt
Klassentreffen sind somit eigentlich eine Win-Win-Situation. Geht man hin, hat man wenig zu verlieren, kann aber dabei gewinnen. Einen besonderen Charme können Klassentreffen dadurch entwickeln, wenn sie mit besonderen Ereignissen verbunden sind. So heißt es bereits in einem alten Schülerlied der Hohen Landesschule: „Doch führt auch die Fahrt zum entlegensten Riff, uns eint unserer Schuljahre Band, wir halten die Treu´unserem alten, lieben Schiff."
Vgl. Becker, Jörg: Es steht eine Schule im Hanauer Land – Hohe Landesschule ist sie seit alters genannt, 2010, ISBN 9783839199176. Und da innerhalb eines solchen von Treffen zu Treffen verstreichenden Jahres Falten und sonstige missliche Alterserscheinungen noch im Rahmen bleiben, vermeint jeder im Verlauf von zahlreichen dieser Klassentreffen Ergraute, dass er eigentlich gar nicht so viel älter geworden sei. Insofern geht man immer wieder gerne hin. Denn das ansonsten bei einem Wiedersehen dieser Art übliche Erschrecken nach üblichen Begrüßungsformeln wie „Mein Gott, Du hast Dich ja überhaupt nicht verändert", dieses bleibt ihm gnädig erspart.
Obwohl in späteren Jahren meist keine konkreten Negativerlebnisse mehr im Gedächtnis haften geblieben sind, so vermag sich mancher vielleicht doch noch an den speziell vor Versetzungen aufgebauten psychologischen Druck erinnern. Heute würde man von Stress sprechen, dem vor allem die sogenannten „mittelmäßigen" Schüler ausgesetzt waren. Vielleicht dadurch gehärtet, waren es aber auch manchmal diese, die im späteren Berufsleben auf mehr Erfolge verweisen konnten. Die Betriebswirtschaft kennt eine Reihe von Methoden, um die sachliche Ebene zu stärken und emotionale Faktoren wie solche einer möglichen Verherrlichung von Vergangenem auszuschalten. Würde man diese Methoden professionell für ein Abbild einer Schule einsetzen, so müsste für jedes einzelne solcher „Tools" ein weiteres Buch verfasst werden.
Vgl. Becker, Jörg: Es steht eine Schule im Hanauer Land – Hohe Landesschule ist sie seit alters genannt, 2010, ISBN 9783839199176.Jörg Becker
(www.beckinfo.de)