Fast jeder hat irgendwann einmal mit
Rückenschmerzen zu tun: Bei 80% der Deutschen treten sie derzeit laut Statistik zumindest zeitweise auf und jeder sechste Betroffene leidet sogar an chronischen Beschwerden – da wundert es nicht, dass hierzulande
Schmerzen im Rücken der häufigste Grund für eine Arbeitsunfähigkeit und nach Erkältungen der zweithäufigste Grund für Arztbesuche sind. Die Erscheinungsformen und Ursachen für Rückenschmerzen sind vielseitig und häufig können Ärzte bei der Behandlung keinen konkreten Grund ausfindig machen. Eine sinnvolle Alternative zur Schulmedizin bietet hier die
Osteopathie, denn diese versucht, durch manuelle Techniken und eine sorgfältige Analyse der individuellen Beschwerden Aufschluss über die konkreten Ursachen zu erhalten und dadurch die Basis für eine effektive Behandlung zu schaffen.
Was ist Osteopathie?
Bei der
Osteopathie handelt es sich um eine Behandlungsmethode, die Ende des 19. Jahrhunderts von dem US-amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still begründet wurde. Kennzeichnend für die Osteopathie ist es, dass nur mit den Händen untersucht und behandelt wird und hierbei der Fokus grundsätzlich nicht unbedingt auf die Krankheit, sondern auf den Patienten selbst gerichtet wird - mit seiner jeweils ganz individuellen Geschichte, Entwicklung und aktuellen Situation. Dementsprechend wird bei der osteopathischen Therapie davon ausgegangen, dass eine wechselseitige Beeinflussung zwischen Struktur (z.B. Knochen, Muskeln Organe) und Funktion (z.B. Durchblutung, Verdauung) besteht und daher immer beide Bereiche zusammen betrachtet werden sollten. Der Körper wird also sozusagen als „Einheit" verstanden und eine intakte Gesundheit kann somit nur dann erreicht werden, wenn die körperlichen Strukturen ein harmonisches Zusammenspiel bilden und sich der Körper dadurch in einem Zustand der Balance befindet - ist diese nicht gegeben, so entsteht Raum für Krankheiten. Im Normalfall verfügt der Körper nach Ansicht der Osteopathie jedoch über vielfältige Selbstregulierungskräfte (z.B. Narbenbildung, Bakterienabwehr), d.h. er ist in der Lage, sich selbst zu heilen und gesund zu halten. Sind die Selbstheilungskräfte gestört, so unterstützt der Osteopath mittels manueller Techniken den Organismus dabei, diese wieder zu reaktivieren und dadurch die Heilung auf natürlichem Wege wieder in Gang zu bringen.
Behandlung bei Rückenschmerzen
Leidet ein Patient unter Rückenschmerzen, so kann dies vielfältige Ursachen haben: organische oder psychische Gründe, die Folge von z.B. unzureichender Bewegung, Fehl- oder Überlastung. Zudem können auch ganz „normale", zeitlich begrenzte Rückenschmerzen auftreten, z.B. in der Schwangerschaft, aber auch bei Erkältungen, Kiefer- oder Gebissproblemen oder funktionellen Nierenerkrankungen. Welche Gründe auch immer für den jeweiligen Fall zutreffen mögen – wichtig ist es in jedem Fall, sich bei der Behandlung nicht nur auf die Symptome der aktuellen Beschwerden zu konzentrieren, sondern ebenso auf die der Krankheit zu Grunde liegenden Ursachen, denn ansonsten kann es sein, dass die Rückenschmerzen schnell zurückkehren. Die Osteopathie versucht, genau hier Abhilfe zu schaffen, indem – anders als meist in der etablierten Medizin – nicht die Symptome im Vordergrund stehen, sondern den Beschwerden auf den Grund gegangen wird. Dabei wird davon ausgegangen, dass Schmerzen nicht automatisch dort auftreten müssen, wo sich auch die Ursache oder der effektive Behandlungsansatz befindet und so kann möglicherweise, wie bereits erwähnt, z.B. eine Fehlstellung des Kiefergelenks ebenso verantwortlich für Rückenschmerzen sein wie eine gestörte Bewegungsfunktion der Nieren. So wird dementsprechend in der Osteopathie bei Rückenschmerzen immer der gesamte Körper des Patienten genau untersucht, denn nur so werden Ursachen und deren Wirkungen sichtbar.
Diese
osteopathische Methodik hat sich insbesondere bei
chronischen Rückenschmerzen in zahlreichen Fällen bewährt, denn gerade hier wird in einer Medizin, die nur nach Schäden schaut, oftmals keine eindeutige Erklärung gefunden. Sucht ein Patient mit Rückenschmerzen Hilfe bei einem Osteopathen, so steht zu Beginn der Behandlung die so genannte Anamnese, d.h. ein ausführliches Gespräch mit dem Betroffenen, in welchem über die aktuellen Beschwerden und die Krankenvorgeschichte sowie u.a. über Lebensgewohnheiten wie z.B. Ernährung und Hobbys oder Allergien bzw. Unverträglichkeiten gesprochen wird, um ein möglichst detailliertes Bild von dem Patienten und seinem Organismus zu erhalten. Im Anschluss erfolgt eine intensive körperliche Untersuchung, bei der der Therapeut mittels spezieller Handgrifftechniken das Gewebe des Patienten ertastet und auf diesem Wege Funktionsstörungen aufspürt, die sich ihm in Form möglicher Spannungen, schmerzhafter Areale oder Bewegungseinschränkungen zeigen. Hat der Osteopath solche erspürt, versucht er z.B. diese Spannungen ebenfalls ausschließlich mit Hilfe der Hände zu lösen und dadurch die funktionellen Störungen zu beseitigen. Auf diesem Wege stellt die Osteopath sozusagen eine „Hilfe zur Selbsthilfe" dar, denn so wird z.B. durch die Mobilisierung der betroffenen Strukturen das Gleichgewicht des Körpers wieder hergestellt und die Selbstheilungskräfte reaktiviert.
Obwohl die Osteopathie bei Patienten mit Rückenschmerzen zumeist eine sinnvolle und hilfreiche Behandlungsmethode darstellt, ist sie natürlich kein „Wundermittel", sondern hat ihre Grenzen: So sollte sich der bzw. die Betroffene bei starken Rückenschmerzen in Folge von z.B. Wirbelbrüchen, Bandscheibenvorfällen oder rheumatischen Erkrankungen auf jeden Fall zu allererst in die Hände eines Arztes begeben – die Osteopathie ist hier eher als eine sinnvolle Ergänzung zu betrachten, durch die es häufig gelingt, Schmerzen zu lindern und den allgemeinen Gesundheitszustand zu verbessern.
Nina Rust