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Hilfe bei chronischen Schmerzen

Autor: FSchulte1957 | Erstellt am: 13.01.2015 | Gelesen: 631
Kategorie: Gesundheit - Medizin & Chirurgie | Bewertung: rateArateBrateBrateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Menschen mit chronischem Schmerzen sind in ihrer Lebenqualität stark eingeschränkt.

Schmerzen
Schmerzen

In Deutschland leben 15 Millionen Menschen mit chronischen oder immer wiederkehrenden Schmerzen. Dies entspricht in etwa 17 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die bisher größte Studie über chronische Schmerzen in 16 Ländern hat ergeben, dass etwa 19 Prozent der Menschen in Europa chronische Schmerzen haben. Betroffene fühlen sich in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt.

Ein Großteil der Schmerzpatienten leidet unter Schmerzen des Bewegungsapparates. Verursacht werden diese durch rheumatische Erkrankungen, Osteoporose, degenerative oder entzündliche Gelenker-krankungen, meistens jedoch durch Rückenleiden.

Etwa 22 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer in Deutschland leiden unter Rückenschmerzen, die mindestens drei Monate anhalten und sich täglich oder fast täglich bemerkbar machen. Etwa ein Drittel aller 60-Jährigen mit Verschleißerscheinungen der Gelenke hat Schmerzen.

Neben all diesen Krankheiten des Bewegungsapparates können auch Erkrankungen des Nervensystems und Krebserkrankungen zu chronischen Schmerzen führen.

Mehr als 430.000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich an Krebs und leiden bereits in einem frühen Stadium der Erkrankung an Schmerzen.

Starke akute Schmerzen treten häufig nach Unfällen und Operationen auf.

Darüber hinaus können Schmerzen vom Nervensystem erlernt werden. Eine Ursache ist dann nicht mehr festzustellen. Dem Betroffenen kann es passieren, als Simulant betrachtet zu werden.

Therapie oft unzureichend

Chronische Schmerzen treten vorwiegend im mittleren Lebensalter zwischen 45-64 Jahren auf. Ungefähr 20 Prozent aller Patienten in hausärztlichen Praxen leiden unter chronischen Schmerzen. Annähernd 50 Prozent der Betroffenen warten über ein Jahr auf eine Diagnose. Je später sich ein Betroffener in Behandlung begibt, desto ungünstiger ist die Prognose. In vielen Fällen dauert es sehr lange, bis eine adäquate Therapie gefunden wird.

Beeinträchtigte Lebensqualität

Sabine S. leidet seit 10 Jahren unter anfallsartig auftretenden Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen. Die Schmerattacken dauern jeweils 3 Tage, an denen sie im abgedunkelten Zimmer im Bett liegt. Die Anfälle erleidet sie oft am Wochenende, so dass sie bei Verabredungen nie weiß, ob sie sie einhalten kann. Ihre Hausärztin diagnostiziert Migräne und empfiehlt ein leichtes Schmerzmittel sowie ein Medikament gegen die Übelkeit. Ein späterer Versuch mit Triptanen gegen Migräne führt nicht zum Erfolg. Die Anfälle treten immer häufiger auf. Suizidgedanken sind die Folge.

Sabine S. ist verzweifelt und probiert vieles aus, um Linderung zu erfahren. Sie begibt sich in homöopathische Behandlung und wird u.a. mit Akupunktur behandelt. Sie fährt zur Kur und wechselt ihren anstrengenden Arbeitsplatz. Nichts hilft auf Dauer. Schließlich landet sie in einer Schmerzambulanz und wird dort mit der niedrigen Dosierung eines Antidepressivums behandelt. Die Diagnose lautet diesmal Spannungskopfschmerzen.

Die Behandlung wirkt. Sabine S. erfährt eine deutliche Linderung. Parallel dazu wird ihre eine psychologische Behandlung empfohlen. Frau S. lernt, ihre Schmerzen positiv zu beeinflussen. Ihre Lebensqualität und ihre Lebensfreude nehmen zu.

Der Angstkreis

Schmerzen werden als kaum beeinflussbar erlebt. Das erzeugt ein Gefühl der Hilflosigkeit. Betroffene vermeiden Bewegungen und Tätigkeiten, von denen sie erwarten, Schmerzen auslösen. Allerdings: Durch Vermeidung entsteht eine mit Angst verbundene Schmerzerwartung, die die Schmerzen verstärkt.Andere Patienten richten wiederum Ärger auf ihren Körper und bekämpfen ihn, weil sie das Gefühl haben, dass er sie im Stich lässt.Häufig kommt die Angst dazu, dass hinter den Schmerzen eine schwere Krankheit steckt und die Frage, ob auch alles getan wurde, um die Ursache der Beschwerden herauszufinden

Schmerz, der auf akute Verletzungen zurückzuführen ist, verringert sich meist schnell. Es kommt aber vor, dass der Schmerz nach der Heilung bestehen bleibt. Nach 6 Monaten wird dann die Diagnose „Chronischer Schmerz" gestellt. Der Schmerz hat sich im Gehirn gebahnt. Auch wenn die Ursache nicht mehr bestehen sollten, wird der Schmerz weiterhin empfunden. Sie verselbstständigen sich und entwickeln sich zu einer eigenen „Schmerzkrankheit".

Durch effizientes Schmerzmanagement kann diese Entwicklung verhindert werden. Obwohl in den vergangenen Jahren nennenswerte Fortschritte auf dem Gebiet der Schmerztherapie erzielt wurden und effiziente Mittel und Methoden zur Verfügung stehen, erhalten nur etwa 20 Prozent aller Schmerzpatienten eine adäquate Schmerzbehandlung.

Körper, Geist und Seele

Heute geht man vom biopsychosozialen Modell der Schmerzentstehung und Schmerzbewältigung aus. Schmerzen wirken sich auf das Denken, Fühlen und Handeln eines Menschen aus. Körper, Geist und Seele sind gleichermaßen beteiligt. Wer seinen Schmerz nicht nur als körperlich verursacht ansieht, hat gute Chancen auf eine positive Veränderung. Erste Erfolge zeigen sich häufig schnell, wenn die Patienten anfangen, zugrunde liegende Probleme zu erkennen und zu lösen.

Psychologische Schmerzbewältigung ist ein Prozess de Umlernens. Das Gehirn hat den Schmerz erlernt. Es kann lernen, ihn wieder zu verlernen und sich an ihn zu gewöhnen. Das erfordert aber Geduld, regelmäßiges Üben sowie Durchhaltevermögen. Gehirn, das Nervensystem und der Körper müssen trainiert werden, um die Veränderungen im Verhalten und der Schmerzlinderung zu verankern.

Wie das Schmerzsystem funktioniert

Das Schmerzsystem arbeitet wie ein Meldesystem. Schmerzauslöser wirken auf den Organismus. Dadurch werden bestimmte Nervenfasern im Gewebe gereizt. Diese Schmerzmelder heißen Nozizeptoren und sitzen in der Haut, den Organen, Nervenwurzeln und Muskeln. Sie reagieren auf den Reiz und leiten oder hemmen Impulse in Form von chemischen Botenstoffen über die Nervenbahnen an das zentrale Nervensystem, das aus Rückenmark und Gehirn besteht.

In den einzelnen Schaltzentralen werden die Signale aufgenommen und verarbeitet. Aber erst wenn eine gewisse Reizschwelle überwunden wird bzw. wenn hemmende Faktoren ausgeschaltet oder überwunden wurden, wird in den Schmerzzentren eine Erregung ausgelöst und zum Gehirn weiter geleitet.

Der Schmerz tritt nur dann ins Bewusstsein, wenn er vom Gehirn als gefährlich genug eingestuft wird. Ansonsten verpufft die Nachricht. 98 Prozent aller Schmerzimpulse werden vom körpereigenen Schmerzhemmsystem weggehemmt und treten gar nicht erst als Schmerz in das Bewusstsein.

Ob der Organismus, die Bedrohlichkeit als hoch einschätzt, ist von psychologischen Faktoren abhängig, der aktuellen Stimmungslage des Menschen, dem Grad der Aufmerksamkeit bzw. Ablenkung oder von körperlicher Aktivität und von den Erfahrungen, die mit Schmerzen gemacht wurden.

Chronisch gewordener Schmerz und seine Ursachen

Die Ursprünge von chronischem Schmerz können vielfältig sein. Oft lässt sich die Entstehungsursache nicht mehr feststellen. Wenn ein Schmerz trotz körperlicher Heilung seit einem halben Jahr besteht bzw. regelmäßig auftritt, spricht man von einer chronischen Schmerzerkrankung.

Was im Körper passiert

Die Nervenrezeptoren senden weiterhin Schmerzimpulse an das zentrale Nervensystem und an das Gehirn. Dort werden dann als Reaktion immer mehr Schmerzbotenstoffe ausgeschüttet. Wenn derselbe Reiz immer wieder auftritt, reagieren auch die Nervenzellen mit der Zeit immer sensibler. Sie feuern unkontrolliert Signale an das Gehirn. Durch die ständige Reizung verändern sich der biochemische Stoffwechsel der Nervenzelle und ihre Struktur. Sie wird immer durchlässiger für die Botenstoffe und reagiert immer stärker. Die Schmerzspirale verstärkt sich weiterhin.

Als Reaktion treten zunehmendes Unwohlsein, Stimmungsabfall und Leistungstiefs auf. Die hormonellen Schmerzhemmstoffe und körpereigenen Opiate nehmen dadurch noch mehr ab. Ihre eigentliche Aufgabe, die Stimmung zu verbessern, können sie nicht mehr erfüllen. In der Folge wird der Schmerz noch intensiver wahrgenommen.

Falschmeldungen

Die Veränderungen an den Nervenzellen können so stark sein, dass es aufgrund der Fehlinformationen zu „Kurzschlüssen" zwischen zwei Nervenzellen kommt. Diese leiten unterschiedliche Informationen, wie z.B. Bewegung und Schmerzimpuls weiter. Dadurch kann eine einfache Bewegung in ein Schmerzsignal umgewandelt werden und der Körper gibt die Falschmeldung „Die Bewegung schmerzt".

Erlernter Schmerz

Sich ständig wiederholende Schmerzsignale hinterlassen mit der Zeit Gedächtnisspuren im Gehirn .Das sind ziemlich feste Verknüpfungen von Nervenfasern, die eine stabile Erinnerung an Schmerz erzielen. Es ist vergleichbar mit einem Muskel, der trainiert wurde.

Das Nervensystem hat den Schmerz gelernt und je ähnlicher die Auslösesituationen sind, desto schneller wird an Schmerz erinnert und der Schmerz tritt auf.

Veränderte Körperwahrnehmung

Der Prozess wir weiter verschärft, weil die Schmerzen im Gehirn regelrecht Areale verdrängen können, die für andere Körperregionen und Körperfunktionen zuständig sind wie beispielsweise Berührung. Eine Berührung verursacht dann Schmerzen. Der Schmerz wird im Körper gespürt, aber im Gehirn und im zentralen Nervensystem produziert. Auftretende Schmerzen entsprechen also nicht unbedingt neuen Verletzungen, sondern den Spuren im Schmerzgedächtnis.

Psychische Schmerzverstärker

Schmerz verändert die Stimmung, die Gedanken und das Verhalten. Die Wahrnehmung wird auf den Schmerz fixiert. Gefühle von Angst, Bedrohung, Hilflosigkeit und Wut kommen dazu. Diese Gefühle führen zu einer erhöhten Stressreaktion mit muskulärer Verspannung. Bewegungsvermeidung, Schonhaltungen und Schlafstörungen verschlimmern den Schmerz.

Als weitere Risikofaktoren gelten dauerhafter Stress und eine gedrückte Stimmung, weil dann weniger Endorphine im Gehirn ausgeschüttet werden. Die Erwartung von Schmerzen wirkt ebenfalls verstärkend. Auch mit vermehrter Zuwendung und Schonung durch das soziale Umfeld können Schmerzen verstärkt werden. Im Gehirn wird dann der Belohnungsbotenstoff Dopamin ausgeschüttet und das Gehirn lernt, das ist eine gute Strategie.

Ziele der psychologischen Schmerzbewältigung

Vorrangiges Ziel ist nicht die Beseitigung der Schmerzen, sondern die Linderung des Schmerzleidens.Körperlicher Schmerz ist immer mit Gefühlen verbunden. Dieses Gefühl ist häufig die Angst, das unangenehme Körpergefühl nicht mehr loszuwerden und durch den Schmerz dauerhaft beeinträchtigt zu werden. Negative Gedanken, Sorgen und Gefühle machen das Leiden aus.Bei der psychologischen Schmerzbewältigung werden Schmerzauslöser, ungünstige Verarbeitungs-mechanismen und Lebensgewohnheiten bewusst gemacht.Methoden zur Schmerzlinderung, zu Problemlösungstechniken und Entspannungsübungen werden erlernt und erprobt. Ressourcen werden erschlossen und die Genussfähigkeit trainiert. Soziale Aktivitäten und Bewegung werden aufgebaut.

Methoden der psychologischen Schmerzbewältigung

Bei psychologischer Schmerzbewältigung geht es darum, die gesunden Anteile des Körpers und der Seele zu stärken. Ressourcen aufzubauen und eine positivere Sicht auf das eigene Leben zu entwickeln sind wichtige Faktoren des Selbstmanagements. Entspannungsübungen, insbesondere Atemübungen und Achtsamkeit zum Stressabbau, Yoga, Chi Gong, Tai Chi und Bewegung dienen dem Stressabbau und der Schmerzreduzierung.

In einem Coaching oder einer Therapie kann erlernt werden, Schmerzauslöser zu erkennen und neue alternative Verhaltensweisen einzuüben. Den Körper als Freund zu betrachten und seine Signale zu verstehen, die Gefühle hinter dem Schmerz zu erkennen und alte verursachende Blockaden abzubauen, können weitere wichtige Inhalte einer therapeutischen Begleitung sein. Besonders geeignete Methoden entstammen der Verhaltenstherapie und der Hypnose. Ungünstige schmerzverstärkende Gedanken können gestoppt werden und durch Hypnose und Selbsthypnose neue Vorstellungen entwickelt und eingeübt werden. Selbsthilfemethoden aus der energetischen Psychologie ermöglichen ebenfalls eine Schmerzkontrolle und Schmerzreduzierung.

Fazit

Jeder dauerhaft anhaltende Schmerz sollte durch Fachärzte für Schmerztherapie behandelt werden. Psychologische Schmerzbewältigungstechniken bieten sich als eine sehr wirkungsvolle Ergänzung an. Psychische Aspekte der Schmerzentstehung werden reflektiert und die Schmerzreduzierung wird effektiv unterstützt. Eine Zunahme der Lebensqualität wirkt wiederum schmerzsenkend.

Frauke Schulte, 13.01.15

Literatur/Quellen

Besser-Siegmund: Die sanfte Schmerztherapie, Düsseldorf 1994
Delbrück-Schneider: Kopfschmerzen und Migräne, Baden-Baden 2006
Seemann: Mein Körper und ich- Freund oder Feind?, Stuttgart 2012
Seemann: Freundschafft mit dem eigenen Körper schließen, Stuttgart 2011
Kronshage: Klopfen gegen Schmerzen, Hamburg 2008
McGonigal: Schmerzen lindern durch Yoga, Paderborn 2012
Richter: Schmerzen verlernen, Heidelberg 2011
Striebel: Therapie chronischer Schmerzen, Stuttgart 2002
Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster

Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. Jürgen Osterbrink
Stühmerweg 8
48147 Münster

www.gesundheits-lexikon.com/Schmerzen/Chronische-Schmerzen/

 
 
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